Test: Mario & Luigi: Superstar Saga

Von Tim Herrmann am 03. April 2014

Mario im Rollenspiel – das war selbst im Jahr 2003 nicht mehr so revolutionär, wie man denken könnte. Schließlich gab es zu diesem Zeitpunkt schon das legendäre Super Mario RPG von Squaresoft (1996) und das vor allem optisch total abgefahrene Paper Mario (2001). Dennoch verdiente sich Mario & Luigi – Superstar Saga viel Beachtung – wegen Luigis Beteiligung, und weil es manches anders machte, als Fans es erwarten würden. Jetzt erlebt das Spiel auf der Virtual Console seinen zweiten Frühling.

Überraschung: Mario & Luigi – Superstar Saga spielt zum größten Teil gar nicht im obligatorischen Pilzkönigreich. Und Prinzessin Peach ist auch nicht in persona entführt worden. Nichtmal die fiese Echse Bowser tritt als verlässlicher Feind auf. Stattdessen hat eine Hexe aus dem Bohnenland der Prinzessin die Stimme geklaut: Das italienische Bruderpaar tut sich mit Bowser zusammen, um ihr Einhalt zu gebieten.

Kurzerhand übernimmt der Spieler die Steuerung über gleich zwei Brüder. Sie laufen zwar direkt hintereinander und können nicht separat voneinander durch das Bohnenland geführt werden. Doch Sprünge und Aktionen müssen sie separat voneinander bewältigen. Diese Zwei-Knöpfe-zwei-Charaktere-Logik kommt nicht nur bei der Erkundung der bunten Comic-Spielwelt mit ihren vielen Sprungpassagen zum Einsatz, sondern auch in den Kämpfen. Jedem Charakter erteilt ihr mit einem Knopf Befehle. Und da heißt es oft: Schnell schalten und nicht die Finger verheddern.



Denn besonders die Kämpfe kombinieren klassische Timing- und Geschicklichkeitsaufgaben, auf denen die Mario-Hüpfspiele basieren, mit rundenbasiertem RPG-Kampf. Zum richtigen Moment müsst ihr den richtigen Knopf drücken, um besonders starke Angriff zu landen, feindlichen Attacken auszuweichen oder sie sogar zu kontern. Vor allem bei den Spezialattacken, an denen beide Brüder mitwirken, kommt es auf gutes Timing an. Wer geübte Finger durch jahrelanges Mario-Hüpfen hat, ist also im Vorteil. Doch ohne eine gewisse strategische Komponente lassen sich besonders schwierige Kämpfe nicht gewinnen. Denn Angriffe, Spezialattacken und Items wollen geschickt eingesetzt sein. Außerdem ist jeder Gegner für sich eine kleine Nuss zum Knacken. Über subtile Animationen kündigen die Gegner an, wen sie wie angreifen werden – das muss der Spieler dechiffrieren und entsprechend antizipieren.

Nach und nach steigen Mario & Luigi im Level auf und verbessern ihre Statuswerte. Neue Fähigkeiten und damit zusammenhängende Spezialattacken bekommen sie allerdings nicht nach Level-Stand, sondern im Verlauf der Handlung. Die Brüderaktionen erlauben es euch nach und nach, Orte zu erreichen, die vorher unerreichbar erschienen. Dort finden sich zum Beispiel ein Weg zum nächsten Ziel oder wertvolle Items. So kombiniert das bunte Spiel das Mario-Platforming aus der isometrischen Perspektive geschickt mit Rätseln und Rollenspiel – vor allem wegen des schnellen Umschaltens zwischen Funktionen und Fähigkeiten der Brüder, des flotten Kampfverlaufs und des flinken Weiterentwickelns der Spielmechaniken und Charakterfähigkeiten entwickelt Mario & Luigi – Superstar Saga einen sehr angenehm flüssigen Spielfluss.

Das liegt auch an seinen kurzweiligen Dialogen und unverbrauchten Charakteren. Mit Wortwitz, charakterspezifischen Sprachfehlern oder Eigenheiten und einer Menge Persönlichkeit macht die simple Geschichte hinter Mario & Luigi – Superstar Saga Spaß. Auch die Helden selbst bekommen Persönlichkeit injiziert, auch ohne eine einzige Sprechblase. Sie artikulieren sich ausschließlich über niedliches Italienisch-Kauderwelsch, exzentrische Animationen oder kurze, prägnante Sounds. Die Pixel-Animationen von Alphadream, die auch in den heutigen Ablegern durchscheint, verleiht dem Spiel eine Menge Seele. Und dank der eingebauten Pixelglättungs-Funktion der Virtual Console auf Wii U sieht das GBA-Spiel sogar auf dem großen Fernsehbildschirm richtig schick und scharf aus.

FAZIT:
Mario & Luigi – Superstar Saga ist nicht nur der erste, sondern wohl auch beste Ableger der mittlerweile vierteiligen Reihe, die über drei Handheld-Generationen hinweg lief. Das GBA-Original hat die Essenz des Mario & Luigi-Rollenspiel-Gameplays am besten eingefangen; wo die Nachfolger durch streitbare Zwischensequenzen in 2D unterbrochen oder in eine weltkartenähnliche Level-Struktur gepresst wurden, glänzt Superstar Saga mit seiner gelungenen Kombination aus Geschicklichkeit, Rollenspiel, Rätsel und Humor. Aus heutiger Sicht - immerhin drei Paper Marios und drei Mario & Luigi-Rollenspiele mit sehr ähnlichen Konzepten später - mag das GBA-Spiel auf manch einen etwas ausgelutscht und verbraucht wirken – doch wer sich davon freimacht oder von Marios Rollenspielausflügen einfach nicht genug bekommen kann, wird von Mario & Luigi exzellent unterhalten.

Wertung:

8.0

Tim Herrmann meint:

"Quietschbuntes Bruder-Abenteuer, das die verschiedenen Genres geschickt miteinander kombiniert."
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5 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
Kommentar

Der R
vor 7 Jahren | 0
klingt gut. Hast du die Kantenglättung ausprobiert? ...Wie sah es aus bei dem Titel? :)

Rick Grimes
vor 7 Jahren | 0
Auf euren Test habe ich noch gewartet. Klingt gut. Werds mir gleich mal runterladen.

Tim
vor 7 Jahren | 0
Ja, die Kantenglättung macht bei dem Titel wirklich etwas aus - von ziemlich pixelig und kantig geht es mit der Glättung hin zu einem richtig runden Artstyle. Liegt sicherlich auch an dem cartoonigen Stil des Spiels, dass es hier so funktioniert.

Der R
vor 7 Jahren | 0
@Tim: hast du die Möglichkeit dazu irgendwie einen Screenshot zu machen? Bin einfach neugierig wie viel das tatsächlich ausmacht (scharfe pixel fänd ich ja auch schon super :D)