Test: Batman: Arkham Origins Blackgate - Deluxe Edition

Von Tim Herrmann am 27. April 2014

Mark Pucini, Todd Keller, Jack Matthews. Geht bei diesen drei Namen ein Licht auf? Nein? Bis zum Jahr 2007 haben die drei Männer für Nintendo gearbeitet, bei den Retro Studios in Texas. Und sie haben als Director, Art Director und Technology Engineer die Metroid Prime-Trilogie auf die Beine gestellt. Nach dem dritten Teil verließen sie Retro und gründeten mit Armature ihr eigenes Studio. Dann wurde es ruhig, viele kleine Auftragsarbeiten folgten. Erst mit Batman – Arkham Origins: Blackgate bekamen sie ihr erstes neues Spieleprojekt. Der Verweis auf die Metroid Prime-Geschichte der Studiochefs ist mehr als nur ein Aufhänger, der Nintendo-Fans auf diesen Test neugierig macht.

Wieder im Knast

Batman – Arkham Origins: Blackgate ist ein Sequel zu Batman – Arkham Origins und damit ein Spin-Off der Arkham-Reihe von Rocksteady und Warner Bros. Montreal. Der 3DS- und PSVita-Titel setzt kurz nach dem dritten Arkham-Teil an (der zeitlich als erstes spielt) und versetzt Batman wieder in den Knast; diesmal aber nicht in die Irrenanstalt Arkham Asylum, sondern ins klassische, aber ebenso gefährliche Blackgate Prison. Dort haben die gerade eingefangenen Gotham-Schurken Black Mask, Joker und Pinguin einen Aufstand angezettelt. Batman muss sich also durch das verwüstete Gefängnis schlagen und wieder Ordnung herstellen.

Das Grundprinzip von Arkham Origins: Blackgate ist also identisch mit dem von Arkham Asylum. Spielerisch gibt es aber einen gewaltigen Unterschied: der ehemalige Handheld-Titel ist ein 2D-Spiel. Oder 2,5D, wie man so schön sagt. Batman bewegt sich ausschließlich auf Schienen von links nach rechts oder von vorn nach hinten und kann nur an bestimmten Punkten durch umständliche Knopfmanöver („ZR+B+Stick“) zwischen den Ebenen und Richtungen wechseln.

Das klingt nicht nur statisch, das fühlt sich auch so an. 2D ist schließlich nicht nur eine grafische, sondern vor allem eine spielerische Gestaltungsform. Das merkt man bei Batman – Arkham Origins: Blackgate extrem. Durch die 2D-Perspektive fehlen Bewegungs- und Entdeckungsfreiheit komplett. Das fällt besonders deshalb auf, weil alle Hintergründe in 3D gestaltet sind. Das Spiel gaukelt daher permanent Bewegungsfreiheit vor und frustriert dann, wenn offenbar wird, dass es doch nur eine Richtung gibt.

Arkham Metroid

Batman – Arkham Origins: Blackgate wäre gern ein Metroidvania-Spiel, also ein 2D-Action-Adventure mit Fokus auf Erkundung und Kampf. Nach dem ermüdenden Spielbeginn, der euch unter spektakulären Kamerafahrten nur linear von einem Interaktionspunkt zum nächsten jagt, entfaltet sich dieses Konzept besser und man merkt den Entwicklern ihre Metroid-Wurzeln an.

Die 3D-Weltkarte gleicht der von Metroid Prime in den Sound-Effekten und Markierungen wie ein Ei dem anderen – und auch spielerisch sind deutliche Parallelen zu erkennen. Zum Beispiel, wenn ihr mit einem kreisförmigen Scanner (Scan-Visor) die Umgebung analysiert. Das Blackgate-Gefängnis besteht im Wesentlichen aus drei großen Arealen, dem Zellenblock, der Verwaltung und dem Industriekomplex. Nach und nach erkundet ihr diese drei Gebiete und findet dabei neue Bat-Items oder Zugangscodes, die euch woanders neue Teilwege öffnen. Das Spiel ist damit höchst unlinear, ganz so wie Metroid. Dabei kommuniziert es aber nicht immer ganz klar, was das nächste Ziel ist. So werdet ihr oft durch die grau-braunen oder brennenden Schläuche irren, um einen neuen Ansatzpunkt oder den richtigen Weg zu finden. Und das obwohl die Entwickler die Navigation im Konsolen-Remake sogar etwas verbessert haben.

Zu wenig Zeit, zu wenig Geld

Prominente Entwickler mit Metroid-Hintergrund, die starke Batman-Arkham-Lizenz und dazu ein etwas unkonventionelles 2D-Metroidvania-Prinzip – das klingt vielversprechend. Doch Zeit und Geld verhindern Besseres. Das Budget war zu niedrig, der Zeitdruck vor dem Release des Konsolenshauptspiels zu groß. So ist Batman – Arkham Origins: Blackgate – Deluxe Edition leider nicht ganz zu Ende gedacht.

Das beginnt bei der Story, die sich gar nicht die Mühe macht, über das übliche „Batman gegen Schurken“-Niveau hinauszukommen und die sich noch dazu ausschließlich in Standbildern präsentiert: Man könnte die Zwischensequenzen gutmütig für ihren gelungenen Comic-Stil loben. Ehrlicherweise verharren sie aber auf rudimentärem Storyboard-Niveau und bekommen nur durch die sehr gelungene englische Sprachausgabe etwas Leben eingehaucht. Aufwändigere Sequenzen? Zu teuer.

Doch es wäre unfair, alles auf den Publisher und seine Budgetvorgaben zu schieben: die Entwickler selbst haben sich auf einen manchmal faulen Kompromiss zwischen einem 2D-Spiel und der 3D-Arkham-Reihe eingelassen. Das Wechseln zwischen Ebenen und Hintergründen ist umständlich und unintuitiv, die Navigation wegen der vielen Verzweigungen, Ebenen und Kreuzungen sogar schwieriger als in 3D. Das Freeflow-Fighting-System der Vorbilder ist mies umgesetzt und funktioniert nicht so flüssig wie gewohnt. Armature hat versucht, 3D-Gameplay möglichst akkurat in 2D umzusetzen. Das hat nicht immer gut funktioniert. Die Entwickler hätten mehr eigene Ideen für ihr 2D-Konzept entwickeln sollen.

Ansonsten teilt Arkham Origins: Blackgate einige Schwächen seines Konsolenbruders. Es bringt keine neuen Gameplay-Ideen ins Arkham-Prinzip. Batclaw, Explosivgel, Batarangs – all das hat Rocksteady im Jahr 2009 eingeführt; weder Warner Bros. Montreal noch Armature haben sich getraut, neue Ideen einzuflechten. Das Konstrukt wird langsam alt.

Bleibt eine Frage: Was ist eigentlich die Deluxe-Version, die es jetzt als Download auf PlayStation 3, XBOX360 und Wii U geschafft hat? Im Wesentlichen handelt es sich um eine 1:1-Umsetzung der Vita-Variante des Spiels, mit 5.1-Sorroundsound und etwas schärferen Grafiken, die aber in Nahansicht immer noch weit entfernt sind von den Konsolenoriginalen. Die Wii U-Version weist außer Off-TV-Gameplay keinerlei exklusive Features auf, obwohl sich eine Einbindung des Touchscreens beim Scannen sogar gelohnt hätte. Die auf dem GamePad angezeigte Karte ist nicht interaktiv, der ProController wird nicht unterstützt.

FAZIT:

„Batman – Arkham Origins: Blackgate – Deluxe Edition hätte mit etwas mehr Zeit ein richtig tolles Spiel werden können“ – dieses simple Fazit wäre nur bedingt richtig. Sicherlich, mehr Budget hätte den Entwicklern den nötigen Feinschliff an handwerklichen Mankos wie dem ruckeligen Kampfsystem, der oberflächlich erzählten Geschichte oder der konfusen Kartennavigation ermöglicht. Doch mehr Geld hätte den grundlegenden Konzeptfehler nicht beheben können: die Entwickler haben ein 2D-Spiel entwickelt, aber dabei zu oft in 3D-Kategorien gedacht. Die Folge sind verwirrende, statische Schwenks zwischen Hintergründen und Perspektiven, 3D-Gameplayelemente aus der Arkham-Konsolenreihe, die in 2D einfach nicht gut funktionieren, und ein Mangel an Bewegungs-, Entscheidungs- und Erkundungsfreiheit. Dennoch: Batman – Arkham Origins: Blackgate – Deluxe Edition kann in seinen guten Momenten besonders Serien- und Genrefans durchaus Spaß machen, wenn sie bereit sind, über kleine Ärgernisse hinwegzusehen.

Wertung:

6.5

Tim Herrmann meint:

"Batmans 2D-Ausflug denkt zu oft in unpassenden 3D-Kategorien und überschattet damit viele gute Ansätze."
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7 Kommentare:


Tim
vor 7 Jahren | 0
WiiUX-Review zu Batman: Arkham Origins Blackgate - Deluxe Edition

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Für mich stellen sich hier die Fragen wie wahrscheinlich eine Retailvariante im Nachgang ist und wie lange die Spieldauer beträgt? Und wie schaut es mit einer Wiederspielbarkeit aus? Gibt es ein New Game+?

linse25
vor 7 Jahren | 0
zur Spielzeit habe ich ca. 10 std. gebraucht.

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Die Wahrscheinlichkeit einer nachträglichen Retail-Fassung dürfte bei gut 0% liegen.

Tobsen
vor 7 Jahren | 0
@Belphegor: Du könntest auf die 3DS-Version des Spiels zurückgreifen. Die ist ja Retail.

GF0P
vor 7 Jahren | 0
Gibt es irgendwelche Änderungen gegenüber der 3DS/Vitafassung, außer hochgerechnete Grafiken? Das wäre für mich ein Gamepad-Only Titel, da kann ich auch zur Mobile-Fassung greifen.

Santiagowinehouse
vor 7 Jahren | 0
Danke für den Test!
Ich denke, ich werde mir den Titel herunterladen, sobald er im e-Shop im Angebot ist!