Test: LEGO Der Hobbit

Von Lars Peterke am 04. Mai 2014

LEGO hat im letzten Jahrzehnt eine beträchtliche Wandlung vollzogen. Mehr denn je ist es nicht bloß ein modulares Stecksystem voller kreativer Möglichkeiten, sondern ein Kultobjekt und die Eintrittskarte in die Kinderzimmer der Welt. So ist es kaum verwunderlich, dass traditionelle LEGO-Serien zunehmend in den Hintergrund rücken und man sich größtenteils der Lizensierung bekannter Marken verschrieben hat, die dann in Klötzchenform in die Regale der Spielwarenläden wandern. So zuletzt geschehen mit der „Herr der Ringe"-Reihe. Und so war nur eine Frage der Zeit, bis zum Kinostart der Hobbit-Verfilmung die passenden Sets in den Läden stehen. In alter Tradition verfilmt Regisseur Peter Jackson das weltbekannte Kinderbuch als Trilogie. Und da Ende des Jahres mit „The Battle of the Five Armies“ der letzte Teil in die Kinos kommt, wird es höchste Zeit für LEGO dies mit einem Videospiel zu würdigen. Wir haben uns „LEGO: Der Hobbit“ für euch angesehen.

In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit

Bilbo ist nicht nur ein Hobbit. Er ist auch ein Beutlin aus Beutelsend. Und deswegen hat er mit Abenteuern eigentlich nichts am Hut. Dies ändert sich, als plötzlich ein ganz anderer Hut vor seiner Tür steht. Er ist grau und lang und sein Träger ist der Zauberer Gandalf, der scheinbar genau das sucht, was Bilbo zu sein vermeiden will: ein Meisterdieb für ein Abenteuer. Aller Gastfreundlichkeit zum Trotz wird der Störenfried also von Bilbo der Tür verwiesen, nur um dann mit einem riesigen Haufen von Zwergen zurückzukehren. Am nächsten Morgen juckt es Bilbo dann doch in den Fingern und er begibt sich auf ein Abenteuer voller Elben, Trolle, Orks, Drachen und eben bärtiger Zwerge.

Welche Gefahren auf die Gemeinschaft lauern, konnte man bisher im Buch nachlesen oder in den Filmen miterleben. Dank Warner Bros. und den Entwicklern bei Traveller's Tales ist dies nun auch in spielbarer Form möglich. Hierbei wird tief in die Materie eingestiegen und schon der Prolog ist ein spielbarer Level, in dem zunächst der sagenumwobene Arkenstein gefunden werden will, bevor man unter der Feuersbrunst von Smaugs heißen Atem aus Erebor fliehen muss. Die Spielverpackung brüstet sich mit der Bezeichnung des umfangreichsten LEGO-Videospiels bisher. Und in der Tat sind die Level sehr umfangreich und die Geschichte wird detailliert und in direkter Anlehnung an die Filmvorlage erzählt und inszeniert. Dies schließt auch so manche Rückblende nicht aus.

Dennoch gibt es einen gewaltigen Haken an der Sache: Obwohl das Spiel schlicht „Der Hobbit“ heißt, bedeutet dies keineswegs, dass ihr die komplette Geschichte um Bilbo und die Zwerge erleben könnt. Nach „Smaugs Einöde“ ist Schluss. Ob das letzte der drei Kapitel auch irgendwann in Form von DLC oder als separater Titel erscheinen wird, ist völlig offen. So darf man sich also trotz des Spielumfangs am Ende auf einen fiesen Cliffhanger gefasst machen.

Viel Bekanntes, wenig Neues

Traveller's Tales halten bei ihrem neuen LEGO-Spiel an ihrer erprobten Formel fest. Ihr steuert einen LEGO-Helden mit dem Analogstick durch lineare 3D-Level voller Puzzles und Gameplay-Elemente und springt, kämpft und baut euch den Weg frei. Dabei werdet ihr oft von weiteren Figuren begleitet, zwischen denen ihr jederzeit hin und her wechseln könnt. Dies ist auch nötig, da jede Figur andere Fähigkeiten mitbringt. Hobbits können mit Items umgehen, Elben mit ihrem Bogen schießen und Zwerge je nach Profession durch kleine Tunnel kriechen, Objekte ausbuddeln oder mit einem großen Hammer schlagkräftige Argumente anbringen. Dies führt dazu, dass fast alle Rätsel im Spiel nur gelöst werden können, wenn man die Stärken aller Figuren vereint. Besonders elegant geht dies natürlich, wenn ihr das Spiel einfach kooperativ mit einem Freund spielt, der jederzeit ins Spiel einsteigen kann.

Das Grundgerüst des Spiels basiert dabei auf den Elementen, die man zuvor mit LEGO Herr der Ringe eingeführt hat. Die größte Veränderung im Vergleich zu anderen LEGO-Titeln ist der Wegfall der bekannten Hub-Welt, in der man zuvor die einzelnen Level angewählt hat. Nun gibt es eine komplette Oberwelt, in der ihr frei umherwandern und abseits der Wege so manches Geheimnis entdecken könnt. Spezielle Wegsteine weisen euch aber stets den Weg zum nächsten Leveleingang und je weiter ihr im Hauptspiel vorankommt, desto mehr optionale Nebenaufgaben werden in der Welt von Mittelerde freigeschaltet. Es gibt also viel zu tun in Hobbingen, Orkstadt oder dem einsamen Berg.

Damit das Spiel nicht zu einem simplen Update verkommt, finden sich hier und dort auch neue Spielelemente. Die auffälligste Neuerung ist dabei das Schmieden. An markanten Punkten im Spiel werdet ihr Ambosse finden, an denen ihr LEGO-Objekte bauen könnt, die für das direkte Weiterkommen meist essentiell sind. Bevor ihr allerdings etwas schmieden könnt, benötigt ihr Rohstoffe. Diese findet ihr oft in der näheren Umgebung in Form von Steinen oder Sträuchern. Zerstört ihr sie, finden sich Steine, Hölzer oder andere Materialien zum Aufsammeln. Diese legt ihr dann am Amboss ab, um ein belangloses Minispiel zu starten, bei dem ihr selektiv die richtigen Legosteine anwählen müsst, um die Konstruktion des benötigten Objektes zu vollenden.

Tolles Adventure, suboptimaler Spielfluss

In der Summe aller Teile präsentiert sich der Hobbit in LEGO-Form als durch und durch tolles Adventure. Dies ist insbesondere der Inszenierung zu verdanken, die dank der Originalmusik und der gewohnt sehr gelungenen Synchronisation der Helden zu überzeugen weiß. Auch grafisch kann der Titel punkten. Besonders die Zwischensequenzen sehen klasse aus und auch die Areale der Oberwelt können mit ihrer Optik überzeugen. Dabei muss man allerdings hin und wieder längere Ladezeiten und den ein oder anderen kleinen Framerate-Einbruch in Kauf nehmen. Dies ist in Anbetracht des Gebotenen aber zu verschmerzen. An dieser Stelle ist übrigens anzumerken, dass die Zwischensequenzen diesmal mit etwas mehr Ernsthaftigkeit inszeniert wurden. Den teils wirklich abstrusen und lustigen Humor vergangener Titel vermisst man des Öfteren.

Nicht so optimal sind hingegen die Gameplay-Entscheidungen, die bei der Erstellung der Level getroffen wurden. Die LEGO-Spiele sind vollgepackt mit tollen Rätseln, kurzweiligen Suchaufgaben und der Spieler muss genau über die Fertigkeiten seiner Figuren Bescheid wissen, um ein Level oder den nächsten Bosskampf zu meistern. Ärgerlicherweise hat man es mit der Implementierung der ganzen Elemente etwas übertrieben. Auch wenn es sich zunächst vielleicht unglaublich absurd anhört, leidet das Spiel unter der Fülle an Gameplay-Elementen. So kann sich ein wirklicher Spielfluss nur sehr selten entfalten. Ständig sorgen vordefinierte Ereignisse in den Leveln für einen gewaltsamen Stopp und das Spiel wechselt manchmal minutiös zwischen Spielpassagen die sich auf Springen, Kämpfen und Herumrätseln fokussieren.

Die neue Schmiede-Mechanik entpuppt sich hierbei als zusätzlicher Störenfried. Sie wird augenscheinlich regelmäßig eingesetzt, um den Spieler auszubremsen und ihn mit der lästigen Suche nach Rohstoffen zu betreuen, bevor es weitergehen kann. Dass dies nicht wirklich spielspaßfördernd ist, hätte den Entwicklern auch selbst auffallen können. Beispielsweise als sie begonnen haben innerhalb der Level Speicherpunkte zu platzieren oder in besonders kleinen Levelarealen Umgebungsobjekte im Sekundentakt automatisch respawnen, damit der Spieler überhaupt die Möglichkeit hat Rohstoffe für den nächsten wegversperrenden Amboss zu finden.

Beim Kampfsystem hat sich nach wie vor kaum etwas verändert. Das ist sehr schade, da die Hobbit-Filme mit ihren vielen actionreichen Sequenzen eine gute Grundlage für mehr Gameplay-Tiefe bieten. Die einzige Neuerung ist die Möglichkeit sich mit einer euch nahestehenden Figur zu vereinen, um so besonders starke Angriffe ausführen zu können. Dies macht euch allerdings auch langsamer, was in dem Kampf-Gewusel ein erheblicher Nachteil ist. So kommt es oft vor, dass ihr bei dem Versuch eine große Wand einzureißen regelmäßig getötet werdet, weil ein übersehener Computergegner euch ständig angreift. An der typischen Mechanik hat sich übrigens nichts geändert: eure Figur hat vier Herzen. Verliert ihr alle vier, wird eure Figur zwar unmittelbar wiederbelebt, allerdings verliert ihr auch viele eurer gesammelten LEGO-Steinchen, die ihr benötigt um den Level-Highscore zu knacken, was euch mit zusätzlichen Gegenständen belohnt.

Die Fassung für die Wii U im Speziellen kann mit den Konkurrenzplattformen locker mithalten. Zusätzlich können Wii U-Besitzer das Spiel jederzeit mit Remote-Play auf dem GamePad spielen. Ist dies nicht der Fall, zeigt der GamePad-Bildschirm lediglich ein sehr dahingeklatschtes Menü für den Charakterwechsel an. Befindet ihr euch auf der Oberwelt, wird eine Karte angezeigt. Die ist zwar etwas aufwändiger, bietet aber kaum einen Mehrwert, da das Spiel ohnehin eine Minimap auf dem Hauptbildschirm anzeigt. An dieser Stelle hätten wir einen zu Gunsten der Batterieleistung abgeschalteten GamePad-Bildschirm wie bei Donkey Kong Country Tropical Freeze wohl konsequenter und besser gefunden.

Fazit:

LEGO: Der Hobbit ist wie auch so ziemlich jedes andere LEGO-Abenteuer ein wirklich gutes Spiel. Der Umfang ist groß, die Spielbarkeit gelungen und jedes Level explodiert förmlich vor Gameplay-Elementen. Genau dieser Gameplay-Overkill sorgt aber auch dafür, dass das Spiel regelmäßig über sich selbst zu stolpern scheint und den Spielfluss ruiniert. Ständig versperrt irgendetwas den Weg und muss in mühsamer Kleinstarbeit aus dem Weg geräumt werden. Das Schmieden hat keinen wirklichen Nutzen und dient offenbar nur dazu, den Spieler regelmäßig aufzuhalten und die Spielzeit künstlich zu strecken. Das ist gerade bei der actionreichen und rasanten Geschichte sehr schade. Man wird das Gefühl nicht los, dass irgendjemand im Hintergrund regelmäßig auf die Bremse tritt, sobald das Spiel etwas Fahrt aufnimmt. Unter dem Strich macht der Titel so zwar etwas weniger Spaß als LEGO: Der Herr der Ringe, ist aber dennoch ein heißer Tipp für Fans von guten Adventures und natürlich den kleinen bunten Steinchen.

Wertung:

7.5

Lars Peterke meint:

"Ein tolles und optisch ansprechendes Klötzchen-Abenteuer, das aber aufgrund eines etwas unausgewogenen Spielflusses oft über sich selbst stolpert."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut
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8 Kommentare:


Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Mhhhh warum soll das GamePad denn komplett abgeschaltet werden? Das war doch bei DKC: TF einer der größten Kritikpunkte das eben ein Wii U Spiel plötzlich dieses geile Feature nicht nutzt. Hier hat der Entwickler mit Charakterauswahl und Minimap wieder einen Mehrwert gegenüber allen anderen Versionen geschaffen und trotzdem wird es bemängelt. Batteriesparung kann ja nicht wirklich der Grund sein, denn das könnte man dann ja bei jedem Game ankreiden und somit wäre dieses innovative Feature der Wii U ja völlig überflüssig.

Ansonsten mag ich ja seit LEGO City Undercover die Legospiele, bei diesem hier werde ich aber passen - auch wenn ich das HdR bzw. das Hobbit-Universum mag.

ProG4M3r
vor 7 Jahren | 0
Hmmm, so den Test lesend, sehe ich jetzt glaube ich davon ab mir die LEGO Lord of The Rings / Hobbit Spiele zu besorgen ^^

Das Spielprinzip fand ich noch nie sonderlich ansprechend, von daher lass ich es besser ^^

Samus_Aran
vor 7 Jahren | 0
@Belphegor
Die GamePad-Funktionen sind hier leider ziemlich dahingeklatscht und haben keinen Mehrwert, zum Teil weil es so auch doppelt gemoppelt ist. Das Spiel zeigt auf dem Hauptbildschirm eine Minimap und der Charakterwechsel über das Ringmenü oder das "Durchschalten" bei mehrmaligem Drücken von X geht wesentlich schneller als die Selektion am GamePad.

Wenn man stattdessen das GamePad komplett abschalten würde, sodass man etwas Batterieleistung spart, dann hätte der Spieler da ganz einfach mehr von. Aber ich verstehe deinen Einwand natürlich auch, wenn ich ein Spiel für Wii U spiele und das Display bleibt kommentarlos schwarz, da würde ich auch erstmal mit den Augen rollen^^

Masters1984
vor 7 Jahren | 0
Bei The Movies und der Hobbit passe ich. Nicht weil die neuen nicht gut seien, sondern weil mich kein Lego-Spiel nach Lego City Undercover überzeugen konnte. Lego City ist einfach DAS Lego Spiel. Einfach Lego GTA eben, besser geht es glaube ich nicht.

Trurl
vor 7 Jahren | 0
Man kann fast in jedem Spiel den Gamepad Bildschirm abschalten, wenn man das Gamepad nicht nutzt. Zwei oder drei Klicks im Menü. Der Bildschirm geht allerdings sofort wieder an, wenn man das Gamepad benutzt (Anologsticks oder Knöpfe).

Wenn man aber mit Wiimote oder Pro-Controller spielt kann man den Gamepad-Bildschirm wie gesagt bei fast jedem Spiel ausschalten.

Übrigens: Auch wenn man Lego-Spiele sonst nicht mag. Lego City Undercover sollte man auf jedenfall mindestens mal ansehen. Es ist anders als die anderen Lego-Spiele (Grösser, offener, abwechslungsreicher) und für mich ernsthaft eines der besten Videospiele überhaupt.

bigbangmario
vor 7 Jahren | 0
Sind die Ladezeiten etwa so lange wie bei Lego City Undercover? Die sind ja schon ein Bisschen lang.

Masters1984
vor 7 Jahren | 0
Die Ladezeiten sind nur so lang, weil man eine riesige Stadt hat. Innerhalb der Stadt sind die Ladezeiten kaum noch existent.

bigbangmario
vor 7 Jahren | 0
Ich finde aber übertrieben, dass er nochmal genau so lange laden muss wenn man die Polizeistation betritt, und nochmal wenn man wieder raus geht.