Test: The LEGO Movie Videogame

Von Michael Prammer am 13. Mai 2014

LEGO-Spiele soweit das Auge reicht. Was auf den ersten Blick zunächst vielleicht etwas negativ klingen mag, ist in Wahrheit aber fast schon ein Jubelruf. Immerhin gelten die abenteuerlastigen Bauklotz-Spiele durchweg als gute Genre-Vertreter, die auch auf Wii U gerne gesehen sind. Dementsprechend war bislang kaum ein erfolgreicher Blockbuster- bzw. Superhelden-Film sicher vor den Entwicklern von TT Games. Mit The LEGO Movie Videogame ist jedoch das erste LEGO-Spiel erschienen, das ausnahmsweise mal einen eigenen LEGO-Film als Vorlage nimmt, schließlich schafften es die kleinen Steinchen vor kurzem sogar in die Kinos. Ob das funktioniert hat, zeigen wir euch in unserem Test.

Ich bin ein lustiger Bauarbeiter...

Der Protagonist von The LEGO Movie, der im Getümmel voller LEGO-Figuren zunächst fast unterzugehen scheint, hört auf den klangvollen Namen Emmet. Emmet ist einfacher Bauarbeiter, der zusammen mit seinen Kollegen seinen alltäglichen Aufgaben nachgeht: das planmäßige Abreißen und Aufbauen von LEGO-Gebäuden. Eines Tages fällt der Tollpatsch auf der hiesigen Baustelle jedoch in ein Loch und findet nach seinem Sturz in die Tiefe ein leuchtendes Relikt. Laut einer jahrhundertealten Prophezeiung macht dieser Fund ausgerechnet Emmet zum Auserwählten und zeitgleich zum potentiellen Retter der Welt. Quell allen Übels ist Lord Buisness, der mit seiner Roboter-Armee nach der Weltherrschaft strebt. Und genauso beginnt auch die Reise unseres Helden im gleichnamigen Videospiel, die sich ziemlich genau an der Filmvorlage orientiert. An dieser Stelle offenbart sich jedoch bereits ein erster Schwachpunkt. Das Spiel bringt dank der clever eingestreuten Zwischensequenzen zwar die wesentlichen Eckpunkte der abgedrehten Geschichte voran, schafft es in punkto Humor im Großen und Ganzen aber zu selten an der Qualität anderer Serienableger anzuknüpfen, die gekonnt deren Filmvorlagen durch den Kakao zogen.

Auch sonst bietet der Titel nur wenige Überraschungen. Emmet startet mit seiner Meute aus verschiedenen Charakteren in einem Startgebiet und folgt einem vorgegebenen Pfad, um die Geschichte weiter voranzutreiben. Von dort aus betritt man die eigentlichen Level einzeln. In typischer LEGO-Manier gilt es verschiedene Aufgaben zu erfüllen, z.B. Bewohner zu retten, eine bestimmte Anzahl an Gegnern zu besiegen oder diverse Baupläne zu suchen. Mithilfe dieser Baupläne, von denen meist mehrere Teile gesucht werden müssen, können neue Objekte gebaut werden. Diese werden für das Weiterkommen an bestimmten Stellen innerhalb der Level benötigt. Wer schnell genug beim Bau der Objekte agiert, verdient sich außerdem Bonus-Geldsteine. Das Zerstören von Objekten und Sammeln von LEGO-Münzen ist ebenfalls typisch für die LEGO-Spiele und daher fast nicht mehr erwähnenswert. Überhaupt fehlt es dem Spiel an einer speziellen Besonderheit, das Meiste ist aus den zahlreichen Vorgängern einfach bereits bekannt.

...und ich bin nicht alleine

Emmet hat zwar ein schweres Los, ist aber keineswegs alleine. Unterstützung erhält er von allen möglichen Charakteren, wie zum Beispiel Batman oder einem - das ist kein Witz - Regenbogeneinhorn. Jeder der 100 freischaltbaren „Helden“ hat seine ganz besonderen Fähigkeiten und oft sind mehrere von ihnen von Nöten, um im Level voranzukommen. Das erfordert oft eine strategische Denkweise und lockert die sonst so lineare Spielwelt etwas auf.

Beispiel gefällig? Ein fliegender Roboter verschießt Laserstrahlen. Um ihn zu besiegen, muss zunächst einer der Charaktere auf den Kopf des Widersachers klettern und das dort befindliche Ventil abdrehen, um ihn in die Knie zu zwingen. Erst dann kommt Emmet mit dem Presslufthammer zum Einsatz und macht ihm den Gar aus. Eine coole Idee.

Es ist nicht alles Gold, äh LEGO, was glänzt

Die Spielwelt des jüngsten LEGO-Abenteuers sieht einmal mehr wirklich gut aus und wurde komplett aus LEGO-Steinen verwirklicht, auch wenn sie natürlich nicht an den Detailgrad der tollen Zwischensequenzen heranreicht. Die digitale Welt der LEGO-Steine bietet darüber hinaus viele verschiedene Thematiken, z.B. den Wilden Westen, eine Wolkenwelt oder ein Unterwasserszenario. Die Musikuntermalung weiß ebenfalls zu gefallen und bietet genügend Abwechslung. Trotz der gelungenen deutschen Synchronsprecher gibt es jedoch gelegentlich Probleme zwischen Musik und Tonspur, die dann in der Ausgabe beim Zusammenspielen etwas unsauber wirken.

Im Hinblick auf die verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten gibt es hingegen kaum etwas zu meckern. Dem Spieler werden dank Pro Controller und Wii-Remote passende Alternativen zur GamePad-Steuerung angeboten. Das ist auch für den implementierten Zweispielermodus von Vorteil, der gut funktioniert und den Spaßfaktor deutlich erhöht. Das GamePad bietet ansich jedoch keinen wirklichen Mehrwert im Vergleich zu den anderen Versionen. Es lässt das Spielgeschehen entweder lediglich mitlaufen oder zeigt einen unspektakulären Auswahlscreen an, mit dem es ermöglicht wird das Spielgeschehen auf dem GamePad fortzusetzen oder einen weiteren Spieler hinzuzufügen. Zumindest also das Off-TV-Feature ist mit von der Partie, was aber mittlerweile ja fast schon zum guten Ton einer jeder Wii U-Umsetzung gehört. Leider ist trotz der soliden Steuerung jedoch die Kamera wieder etwas vernachlässigt worden. Immer wieder muss man mit den Tücken der bekanntermaßen recht starren Kamera kämpfen, was hin und wieder das Spielgeschehen beeinträchtigen kann. Gerade in diesem Punkt hat die LEGO-Serie nachwievor Nachholbedarf.

Fazit:

The LEGO Movie Videogame ist insgesamt ein ordentliches Spiel in gewohnter Qualität geworden; eben ganz so, wie man es von TT-Games erwarten konnte. Innerhalb der Grundzüge der abgedrehten Geschichte durchstreift ihr mit Emmet viele unterschiedliche Welten, in denen es viel zu entdecken gibt. Dennoch ist das Spiel in seinem Grundgerüst sehr geradlinig und hat einmal mehr mit der Kamera zu kämpfen. Auch der Humor bleibt im Vergleich zu anderen Serienablegern leider etwas auf der Strecke. Die vielleicht größte Frage ergibt sich jedoch aus der angestrebten Veröffentlichungspolitik von TT Games. Mit LEGO The Hobbit und dem The LEGO Movie Videogame sind gleich zwei Spiele der Serie unmittelbar nacheinander erschienen. Nur hartgesottene Fans werden wohl zu beiden Spielen greifen, andere müssen sich nun die Frage stellen, ob man mehr mit der Welt von Mittelerde oder mehr mit einer eigens erschaffenen LEGO-Fantasywelt anfangen kann. Richtig viel falsch macht man jedoch mit keinem der Spiele.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Gewohnt gute LEGO-Unterhaltung zum aktuellen Kinofilm. Leider mit einigen kleinen Schwächen."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

6 Kommentare:


Tobsen
vor 7 Jahren | 0
Ich habe das Spiel noch nicht gespielt (lediglich die Demo der PS3-Version) und kann daher wenig dazu sagen.
Allerdings habe ich aber Lego Marvel auf der WiiU durchgespielt, was eine offene Spielewelt hatte und diverse Nebenmissionen und dadurch einen in der Tat sehr guten Umfang, was ihr auch in eurem Test zu dem Spiel honoriert (Umfang: Sehr gut). Lego Movie, bei dem viele Reviews die kurze Spieldauer bemängeln, da man ja im Prinzip lediglich den Film nachspielt, hat auch ein "sehr gut" im Punkt "Umfang" bekommen.
Mich würde interessieren, wie lange ihr für's Durchspielen gebraucht habt, bzw. wie sich der Umfang im Vergleich zu Lego Marvel oder Lego City schlägt! Wenn ihr den Punkt in ein, zwei Sätzen erläutern könntet, wäre das sehr nett! Danke!

michi1894
vor 7 Jahren | 0
Die genaue Zeit habe ich jetzt nicht genau im Kopf, aber vergleichen kannst du es eher mit LEGO Marvel.

wazup
vor 7 Jahren | 0

Ich hatte die Gelegenheit es schon zum Release anzuspielen und war richtig enttäuscht.

Damals haben wir das im Zweispielermodus gespielt und der Bildschirm des zweiten Spielers hat teilweise geruckelt wie blöde. Wenn man mit der Figur die Richtung geändert hat, dann dann wurde bestenfalls in 30° Schritten geruckelt.

TT Games ruht sich langsam auf ihren Engines und ihrem Erfolg aus. Die Qualität der normalen Spiele wird immer schlechter. Fast in jedem Spiel (zuletzt Lego Marvel) muß man in einigen Abschnitten tricksen, damit man sie schaffen kann, ansonsten bleibt das Spiel auch gerne mal hängen (Figuren werden über einem Abgrund wiederbelebt) und man kann nur Neustarten.

Schade. Nach Lego City Untercover hatte ich gehofft, das auch die regulären Spiele an Qualität gewinnen, aber da war schon Batman 2 eine 08:15 Portierung bei der man es nicht einmal geschafft hat die Bildschirmkarte in einer ordentlichen Auflösung auf das GamePad zu zaubern.

Spielwitz hin oder her. Mit solchen Nervstellen haben die mir schon Lego Pirates auf der Wii versaut.

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Nach LCU hatte ich auch auf ein Killergame gewartet, das LCU vielleicht in den Schatten stellen kann. Von daher wurde ich enttäuscht. Auf keiner Ebene (Story, Gameplay, Dialoge, Soundtrack, Umfang) kannn das Game mithalten. Trotzdem ist es ein sehr cooles Lego Game und ich mag mittlerweile eher die Teile, wo es noch kein Filmfranchise wie Star Wars oder FdK zu gibt. Ja ich weiß das dies ein Spiel zum Film ist. Aber es ist eine neue Marke.

70 % halte ich für etwas zu schwach. Solide 80 % würde ich dem Game schon geben. Legofans kommen auf Ihre Kosten auch wenn der Spaß auf 100 % nach ca. 20 Stunden schon wieder vorbei ist und es keine wirkliche Open World gibt.

@Tobsen:
LCU 100 % = 60 Stunden
Batman 2 100 % = ca. 30-40 Stunden
TLMV 100 % = ca. 20 Stunden

Marvel Super Heroes habe ich bis dato nur angezockt. Wird aber vom Umfang wohl ähnlich Lego Batman 2 sein.

michi1894
vor 7 Jahren | 0
@Belphegor: Danke, für die Zahlen, ist ein interessanter Vergleich.

Aber sorry, für ne bessere Note hat es bei mir leider nicht gereicht, auch im Vergleich mit LEGO City Undercover und LEGO Marvel Super Heroes. Und das, obwohl ich mit dem Spiel trotzdem ne Menge Spaß hatte.

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
@Michi: Das sind allerdings nur meine Spielzeiten. Ich habe auch schon mal jemanden gesehen der LCU in 37 Stunden auf 100 % geschafft hat. Das ist aber auch die absolute Ausnahme. Ab 50 Stunden aufwärts ist es wohl realistisch.