Test: Abyss

Von Lars Peterke am 16. Mai 2014

Dank Nintendos Bemühungen erhalten zunehmend kleinere Studios die Möglichkeit, ihre Titel für Wii U zu veröffentlichen. So auch EnjoyUp Games aus Barcelona, das nun seinen Titel Abyss mit einigen Neuerungen angereichert in den eShop der Wii U bringt. Dabei sind die Entwickler und das Spiel selbst nicht unbekannt. So erschien Abyss bereits in den Shops des DSi und 3DS. Ferner konnten die Entwickler auch schon Erfahrungen mit WiiWare-Titeln sammeln. Für angehobene Augenbrauen sorgt aber besonders der Preis. Für 1,99€ ist der Titel fast geschenkt. Wir haben Abyss für euch getestet und verraten, ob sich die schmale Investition lohnt.

Schau mir in die Augen, Kleines…

Abyss spielt auf der Erde im Jahre 3024. Natürliche Ressourcen sind rar, die Menschheit vom Aussterben bedroht. Also wird mit Nep2No ein biomechanischer Roboter gebaut, der in den Untiefen nach neuen Energievorkommen suchen soll. Diese findet man schließlich in Form leuchtender Steine und nennt diese Gaia. Damit ist die völlig irrelevante Rahmenhandlung und das Spielziel gesetzt. In zwölf Missionen müssen jeweils sechs Gaias eingesammelt und sicher zum Levelausgang gebracht werden.

Der Roboter Nep2No sieht dabei höchst merkwürdig aus und ist prinzipiell ein großes Auge mit drei Tentakeln. Mit ihm schwebt der Spieler nun durch die immer enger werdenden Gänge der stetig wachsenden Level. Anfangs ist die direkte Umgebung das einzige Hindernis, später kommen noch sich bewegende Stacheln und Blöcke hinzu, die dann neben der ohnehin nötigen Portion Fingerspitzengefühl auch gutes Timing erfordern. Eine einzelne Kollision steckt Nep2No zwar weg, doch kollidiert man mehrmals hintereinander mit einem Levelelement, ist das Spiel vorbei. Und dies kann durch den Rückstoß bei einer Kollision schneller passieren als man denkt.

Ein Tutorial ist nicht vorhanden und erübrigt sich nach kurzer Spieldauer, da sich die Steuerung auf Lenken (Analog-Stick oder Steuerkreuz) und Beschleunigen (alle übrigen Knöpfe) reduziert. Und scheitern wird man zu Beginn so oder so, da sich Nep2No sehr langsam lenken lässt, sich dabei nur um die eigene Achse dreht und man einer permanenten Gravitation und den Konsequenzen einer fehlenden Bremsfunktion ausgesetzt ist. Ein Richtungswechsel beispielsweise ist so ein wahrer Kräfteakt. Wer will, kann Abyss also getrost als abgewandelten Asteroids-Klon bezeichnen.

Viel zu verbessern und doch alles richtig gemacht

Natürlich darf man für zwei Euro kein komplexes und innovatives Wunderwerk erwarten. Doch selbst mit dem sehr reduzierten Konzept kann Abyss punkten. Der Fokus auf Geschicklichkeit steht dem Spiel und schnell will man immer wieder “nur noch den einen Level” machen. Auch die audiovisuelle Inszenierung trägt ihren Teil dazu bei. Sie hat keine atemberaubende Qualität, ist aber in sich schlüssig und transportiert gut die erdachte Atmosphäre des Spiels.

Da ist es fast schade, dass nach nur zwölf Missionen schon Schluss ist. Man könnte nun argumentieren, dass die Entwickler den Spielumfang an dieser Stelle hätten erweitern können, aber dies hätte das Spiel vermutlich unnötig verwässert. Viele neue Gameplay-Elemente hingegen hätten wohl dazu geführt, dass der Titel komplexer und dadurch auch teurer geworden wäre. EnjoyUp Games haben sich an dieser Stelle für den Mittelweg entschieden und das eigentlich überschaubare Paket um neue Modi erweitert. Wurden alle zwölf Mission absolviert, wartet zunächst der Dark-Mode mit acht weiteren Leveln auf den Spieler. Hier ist es besonders düster und je nach Level muss man fallenden Steinbrocken ausweichen oder Schalter aktivieren, damit ein verschlossenes Tor den nächsten Levelabschnitt freigibt. Da ihr in den Leveln des Dark-Mode sogar acht Gaias sammeln müsst, zieht der Schwierigkeitsgrad hier nochmal an.

Ist auch der Dark-Mode absolviert, erhält man schlussendlich Zugriff auf einen speziellen Time-Attack-Modus. Zusätzlich hierzu bietet Abyss außerdem einen Multiplayer-Modus. Hier kann sich ein zweiter Spieler via Wii-Mote einklinken und benutzt dann den TV-Bildschirm, während Spieler 1 das Gamepad benutzt. Dann tragen beide Spieler ein Wettrennen aus und wer zuerst das Ziel erreicht, gewinnt.

Fazit:

Abyss ist ein unterhaltsames eShop-Schmankerl, das euch je nach Länge eures Geduldsfadens zwei bis drei Stunden vor das GamePad fesseln kann. Die neuen Modi sind eine kluge Ergänzung zu den ursprünglichen Inhalten vom Nintendo DSi und das Gesamtpaket ist für den wirklich günstigen Preis stimmig. Wir wünschen uns jetzt einen Nachfolger mit mehr Gameplay-Elementen, umfassenderen Missionen und einer zeitgemäßen Präsentation. Der darf dann auch gerne etwas mehr kosten.

Wertung:

7.0

Lars Peterke meint:

"Abyss ist ein kleiner und unterhaltsamer Geschicklichkeits-Titel, der nicht nur durch seinen günstigen Preis besticht."
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