Test: Mr. Driller 2

Von Burkhart von Klitzing am 31. Mai 2014

Bergleute sind wahrlich nicht zu beneiden. Das hat das türkische Soma kürzlich ein weiteres Mal traurig belegt. Doch wenn wir eines von japanischen Spiele-Entwicklern über die Jahre hinweg gelernt haben, dann, dass sie es schaffen, aus wirklich jedem erdenklichen Material noch ein spaßiges Spiel zu zaubern. Wir sind Bus gefahren, haben geangelt, schwangen den Taktstock, verkörperten einen Moskito – und in Mr. Driller wagen wir uns die Tiefen von Mutter Erde, immer in der Gefahr, von Geröll erschlagen zu werden, oder der unzureichenden Luftzufuhr zum Opfer zu fallen.

Das Grundkonzept der mittlerweile 15 Jahre alten Serie ist dabei so beständig wie ein Granitblock. In der Rolle von Susumu oder einem seiner Freunde bohren wir uns südwärts durch bunte Blöcke. Einmal den Bohrer angesetzt, und weg ist so ein Klotz auch schon. Bald stoßen wir allerdings auch auf fiese, braune Steine, die nicht nur widerständiger sind, sondern vor allem 20 Prozentpunkte unseres chronisch knappen Luftvorrats kosten. Dann bohren wir halt außen herum. Problem gelöst? Leider nicht, denn wenn wir uns auf dem Weg zum Ziel am Boden allzu wilde Schächte nach links und rechts graben, dann drohen herabstürzende Blöcke, uns zu zerquetschen.

So entwickelt sich ein spannender Überlebenskampf, der Mr. Driller eine im Puzzle-Genre unübliche Direktheit verleiht. Wir steuern keinen seelenlosen Cursor umher oder drehen herabfallende Klötze. Nein, wir fürchten herabfallende Klötze und fiebern mit unserem kleinen Männlein mit, wenn es gerade noch so in eine sichere Nische hechten kann.




Mr. Driller ist dabei zu gleichen Teilen Rätsel- und Geschicklichkeitsspiel, erlaubt aber zugleich zumindest in den einfacheren Levels eine gewisse Individualität im Vorgehen. Abgebrühte Zocker mit schnellen Reflexen bohren sich ohne große Rücksicht auf Verluste durch und steuern im Eiltempo das Ziel und die regelmäßig auftauchenden Luftkapseln an, während über ihnen die Erdkruste bebt. Gemächliche Denker dagegen planen ihre Schritte sorgfältig und berechnen den Fall der Steine.

Was den Denkern zugute kommt und Mr. Driller zum Puzzlespiel macht, das sind die Farben der Blöcke. Denn gleiche Farben bleiben aneinander hängen und bilden fortan einen gemeinsamen, größeren Block. Droht also etwa eine Reihe von Felsen auf uns niederzuregnen, dann kann es gut sein, dass ein stabiler Block in einer Nebenreihe den Fall aufhält. Mit der Zeit entwickelt man ein Auge dafür, ob dies der Fall ist, und durchaus auch wo man am sichersten buddeln kann. Im Falle der braunen Steine ist geschicktes Bohren besonders wichtig, da diese in tieferen Schichten praktisch alle Luftkapseln umschließen, und sie sich netterweise auflösen, wenn sich vier von ihnen verbinden. Letzteres trifft auch auf bunte Blöcke zu, ist aber gerade bei den braunen Luftfressern überlebenswichtig.

Mr. Driller 2 gehört trotz des grundsoliden (schlechter Wortwitz absolut beabsichtigt) Spielprinzips zu den schwächeren Serienteilen, was vor allem an seinem mickrigen Umfang liegt. In Mission Driller verfolgen wir eine knuffige aber letztlich belanglose Story und bewältigen vier zum Teil recht lange Levels. Endless Driller erklärt sich von selbst. Time Attack Driller wiederum wirft uns in zehn Levels, die anders als der Rest des Spiels nicht aus dem Zufallsgenerator stammen, sondern bis zum letzten Block von Hand gebaut wurden. Hier machen wir uns keine Sorgen um die Luftvorräte, sondern sammeln Uhren, die eine Stoppuhr zurücksetzen. Ziel ist natürlich eine Bestzeit, und dafür entdecken wir immer wieder kleine Kniffe, die wertvolle Sekunden einsparen. Haben wir die zehn Levels bestanden, dann winken zehn weitere Levels, die eher als Remix der ersten Stages zu verstehen sind.

Das Japan-exklusive Mr. Driller Ace (GBA) bietet da wesentlich mehr, und auch Mr. Driller Drill Spirits (DS) dürfte in Zukunft mit mehr Modi, mehr Levels und mehr Charakteren an die Wii U-VC locken. Der DS-Teil punktet zudem mit mehr Übersicht dank des zweiten Bildschirms. Der GBA leidet hier manchmal an mangelnder Übersicht über das, was über unseren Köpfen droht.

Fazit:
Mr. Driller 2 ist eine prima Erweiterung der VC-Bibliothek. Die einzigartige Kombination aus Action und Kopfnüssen funktioniert auch in der ersten GBA-Inkarnation tadellos, hätte aber umfangreicher ausfallen können. Hier hat der direkte Konkurrent Wario's Woods eindeutig die Nase vorn. Puzzle-Novizen droht außerdem Frust, aber nervenstarke Freunde experimenteller Spiele greifen zu.

Wertung:

7.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Klaustrophobie und kunterbunte Klötze waren nie besser. Außer vielleicht in sämtlichen Vorgängern und Nachfolgern."
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3 Kommentare:


KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Ich liebe die ganze Reihe, und für Neulinge ist das hier sicher ein ordentlicher Anfang, aber wer einmal einen anderen Serienteil gespielt hat, dem fehlt hier einfach etwas. Mit Mr. Driller 2 habe ich sicherlich die wenigste Zeit von allen Serienteilen verbracht.

speedy-a
vor 7 Jahren | 0
Mr. Driller habe ich früher sehr gerne gespielt. Muß ich mir wohl auf WiiU nochmals kaufen aber ne HD Version würde mich was mehr freuen. Habe zuletzt noch oft die NDS Version gespielt auf dem 3DS.



KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Schön, einen anderen Fan der Reihe zu sehen. :)
Den DS-Teil habe ich auch sehr viel gespielt. Ich kann nur hoffen, dass wir den auch irgendwann auf der WiiU sehen werden.