Test: How to Survive

Von Andreas Held am 17. Juni 2014

Zombies sind aus der Entertainment-Industrie schon lange nicht mehr wegzudenken - und ihre kommerzielle Zugkraft ist momentan größer denn je. Während Filmklassiker wie Night of the Living Dead von vielen Kritikern noch als Schund abgetan wurden, sind die Hirnfresser spätestens seit der "The Walking Dead"-Serie auch im Mainstream angekommen und schafften es via World War Z auf die großen Hollywood-Leinwände. Auch die Spieleindustrie kann gar nicht genug davon bekommen, auf diesem scheinbar nicht zu stoppenden Hype-Train mitzufahren: Mit Dead Island, diversen Lizenzspielen zu The Walking Dead, Left 4 Dead, Killing Floor, Plants vs. Zombies, Rust, Day Z, Dead Rising, Zombi U und The Last of Us, um nur einige Beispiele zu nennen, gab es in den letzten Jahren unzählige Titel, in denen Spieler die populären Untoten aufs Korn nehmen können. Und die Art und Weise, wie sich einige Spieler auf jeden einzelnen dieser Titel stürzen, oftmals ohne deren Qualität zu hinterfragen, zeigt sogar einige Parallelen zu den Zombies auf, die in diesen Spielen zum Kernaspekt gemacht werden. Mit How to Survive, das sich selbst mit H2S abkürzt, buhlt nun ein weiterer Zombie-Titel um die Gunst der Spieler. Wir haben uns angesehen, ob und wie sich How to Survive spielerisch und qualitativ von den Massen der anderen Zombie-Titel abhebt.

How to Make a Generic Zombie Game
Die Handlung von How to Survive erweckt fast den Eindruck, dass es den Entwicklern lästig war, eine Geschichte zu erzählen. Nach einem nicht weiter spezifizierten Unglück landet ihr auf einer Inselgruppe, die aus vier Atollen besteht, und müsst einen Weg finden, diese wieder zu verlassen. Andere Überlebende sind nur dazu da, euch auf die Suche nach bestimmten Items zu schicken. Einziges Highlight des Spiels ist Kovac, Autor des gleichnamigen Buches How to Survive, der euch mit seinem russischen Akzent die Konzepte des Spiels näherbringt. Die meisten Kapitel des Buches erzählen euch zwar nur Dinge, die aus vielen anderen ähnlichen Spielen bekannt sind, aber immerhin werden sie äußerst charmant und mit viel schwarzem Humor präsentiert. Um euch gegen die Zombies zur Wehr zu setzen, könnt ihr auf der Insel herumliegenden Schrott zu Items, Nahkampfwaffen und Gewehren zusammenbauen und müsst außerdem essen, trinken und schlafen, da sich sonst die Statuswerte eurer Spielfigur verschlechtern.


Steuern könnt ihr euren Überlebenden aus einer isometrischen Perspektive, wie man sie aus Diablo und ähnlichen Hack'n'Slay-Titeln kennt. Sowohl mit Macheten und Äxten als auch mit den provisorisch zusammengeschusterten Feuerwaffen könnt ihr mit dem rechten Analogstick auf eure Gegner zielen und mit der rechten Schultertaste angreifen. Mit Nahkampfwaffen müsst ihr die rechte Schultertaste gedrückt halten, um die Stärke eures Schlags aufzuladen; verwendet ihr eine Pistole oder einen Bogen, müsst ihr einfach warten, bis eure Spielfigur automatisch den Kopf eines Gegners anvisiert hat, und dann den Abzug betätigen. Dies ist dann auch schon der volle Umfang eurer spielerischen Möglichkeiten in How to Survive, und Kämpfe gegen die Zombiehorden laufen folglich immer absolut gleich ab. Spielerische Abwechslung gibt es nur in Form von einigen stärkeren Gegnern, die ihr geschickt ausmanövrieren müsst. Nach dem Verlust eines Bildschirmlebens wird der letzte Checkpoint geladen und alle Gegner, die ihr nach diesem Checkpoint besiegt habt, erscheinen erneut. Zumindest in diesem Punkt kann sich How to Survive also positiv von einigen Genrekonkurrenten abheben, die sich ebenfalls den Kampf ums Überleben auf die Fahne geschrieben haben, aber ironischerweise eure Spielfigur nach ihrem virtuellen Tod einfach wiederbeleben, ohne dass dieses Ereignis spielrelevante Konsequenzen hätte.

Von Kurzweile zu Langeweile
Trotz des simplen Gameplays kann How to Survive zunächst durchaus unterhalten. Die Umgebung zu erforschen, dabei Items aufzugabeln und Zombies zu vernichten ist eine bewährte Formel, die auch hier wieder greift, und die witzigen Episoden aus Kovacs Buch sorgen immer wieder für einige Lacher. Wenn ihr nach zwei bis drei Stunden auf der dritten Insel des Spiels ankommt, hat euch Kovac jedoch soweit alles beigebracht und es liegt nun an euch, das Gelernte in die Tat umzusetzen. Doch während die meisten Spiele erst nach dem Tutorial überhaupt in Fahrt kommen, hat How to Survive seinen Treibstoff an dieser Stelle bereits verbrannt. Das eintönige Gameplay und die ständig gleichartigen Suchaufgaben verlieren schnell ihren Reiz, und in der zweiten Hälfte des Spiels werden die Zombies nicht intelligenter und gefährlicher, sondern lediglich zahlreicher und robuster. Die einzige Herausforderung in How to Survive entsteht durch die geistige Ermüdung, die irgendwann einsetzt, wenn sich mal wieder zwanzig Zombies auf dem Bildschirm tummeln, von denen jeder einzelne mit drei Kopfschüssen ausgeschaltet werden muss. Dass besiegte Zombiegruppen schon nach wenigen Minuten an exakt der gleichen Stelle wieder erscheinen, verstärkt dieses Problem nur.


Bei aller Kritik muss man zumindest anerkennen, dass How to Survive im Detail auch einige guten Ideen einbringt. Bei Nacht werden ihr beispielsweise von deutlich aggressiveren und durchaus furchteinflößenden Monstern angegriffen, die ihr mit eurer Taschenlampe von euch fern halten müsst. Optional könnt ihr How to Survive im lokalen Coop-Modus mit einem Freund spielen, und während der langen Ladezeiten dürft ihr einige von Kovac gestellte Quizfragen beantworten, die sich gut in die Thematik des Spiels einfügen und die Wartezeiten überbrücken. Auch das GamePad wird gut in das Spiel eingebunden; während auf dem Fernsehbildschirm nur ein minimales HUD eingeblendet wird, zeigt der GamePad-Bildschirm alle wichtigen Informationen und eine automatische Karte an. Darüber hinaus könnt ihr mit dem Touchscreen komfortabel Items miteinander kombinieren und nach einem Levelaufstieg neue Fertigkeiten auswählen. Technisch lässt How to Survive einige Wünsche offen: Die Auflösung wirkt sehr niedrig, Items sind oft kaum auf dem Bildschirm zu erkennen, die Framerate geht öfters mal in den Keller und einige Nutzer berichten von Spielabstürzen, die uns bei unserem Test jedoch glücklicherweise erspart blieben.

Fazit:

How to Survive ist ein Titel, der im Bereich des Zombie-Genres nicht viel Neues bietet und das bewährte Konzept "Items suchen und dabei Zombies töten" ohne viele Schnörkel, dafür aber auch ohne größere Designschnitzer umsetzt. Zu Beginn weiß das Spiel auch durchaus zu unterhalten und bringt mit den humorvollen Überlebenstipps von Kovac eine eigene Persönlichkeit mit. Nach einigen Stunden gewinnt das monotone Gameplay jedoch die Oberhand, und wahrscheinlich wird ein Großteil der Käufer trotz der recht kurzen Spielzeit die Lust an diesem virtuellen Überlebenstraining verlieren, lange bevor der Abspann erreicht ist. Aus spielerischer Sicht bietet die uninspirierte Zombiehatz auf Dauer einfach zu wenig. Auch sein Status als Download-Titel kann How to Survive nicht wirklich retten, da andere Spiele wie State of Decay, die in einer ähnlichen Preisklasse zum Download angeboten werden, deutlich mehr zu bieten haben. Wer unbedingt auf der Wii U ein paar (bzw. eher ein paar Hundert) Zombies töten will, ist mit How to Survive vermutlich immer noch besser beraten als mit The Walking Dead: Survival Instinct; wer eine andere Plattform zur Verfügung hat oder ganz einfach nicht allzu sehr auf den Zombie-Hype der letzten Jahre abfährt, sollte jedoch Ausschau nach einer besseren Alternative halten.

Wertung:

6.5

Andreas Held meint:

"Simple Zombie-Hatz, die aufgrund des monotonen Gameplays nur kurzzeitig unterhalten kann."
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11 Kommentare:


Vyse
vor 7 Jahren | 0
Zombies hauen

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Ui, hier hätte ich mit einer leicht besseren Wertung gerechnet. Um selber eine objektive Wertung abzugeben, ist meine Spieldauer (bedingt durch MK8) aber noch zu kurz. Trotzdem machte mir der Einstieg schon richtig Spaß.

treib0r
vor 7 Jahren | 0
Monotones Gameplay und kurzzeitige Unterhaltung reichen für 65%?!

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Fazitsatz Lesen reicht für ein Urteil über ein Review? ;)

Wario
vor 7 Jahren | 0
Tja Vyse..

Das ist die Strafe wenn man(n) kein Fuba guggt.. Nu hast de halt so en Spiel Testen "dürfen" :D :D
Da warst de jetzt wenigstens vom Geschrei der Nachbarn abgelenkt.. *g*

Ribesal
vor 7 Jahren | 0
Hmm, auch wenn das Gameplay in der Tat eher monoton ist, und kurz nach Kovacs Einweisung (der russische Akzent von dem Kollegen is schon genial =D) quasi nix neues mehr kommt, fand ichs bis zum Ende eigentlich recht unterhaltsam.
Habs allerdings komplett mit nem Kumpel durchgezockt, vielleicht deshalb^^

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
@ Wario: Ein 6.5er-Spiel ist aber nun auch wahrlich nichts Schlechtes, sondern oberes Mittelmaß knapp an der Grenze zum Guten. ;)

Rick Grimes
vor 7 Jahren | 0
Klasse Test, trifft mal wieder genau meine Meinung zum Spiel. Ich geb aber 0,5 Pkt mehr für den ZombieFan Bonus =D

Wario
vor 7 Jahren | 0
Keeper @

Im Vergleich zu TWD besser zu sein fällt wohl net schwer oder zumindest jetzt mal in der Wertung der Testers gesehen? :D

Ich gebe zu das mein "Urteil" nur als Basis eure Test haben weil ich persönlich Zombiegames / Filme einfach total doof finde..

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
So, bin durch und habe ein paar Zeilen zu meinen Eindrücken im Forum hinterlassen:

http://wiiux.de/forum/4-download-spiele-und-virtual-console/17797-how-to-survive-05-06-2014-wiiu-eshop?start=25#63974

Würde dem Spiel eine klein wenig höhere Wertung als die Redaktion geben und für Fans von Zombie-Schnetzelspielchen ist das Game für diesen Preis auf jeden Fall empfehlenswert.

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
So, habe nun meinen 3. Playthrough (jetzt sogar auf Ironman) durch und das Game bietet irgendwie Suchtpotential. Hätte niemals gedacht das es am Ende dann doch so gut ist und mich knappe 40 Stunden beschäftigen wird. Wow. Alle Zombie/Sruvival-Fans müssen hier einfach zuschlagen!