Test: Wario Land 4

Von Burkhart von Klitzing am 19. Juni 2014

Kurze Reviews findet man nun wirklich zu jedem Spiel. Auch Let's Plays und Video-Verrisse sprießen aus dem Boden wie Pilze im herbstlichen Waldboden Tschernobyls. Wird einem Spiel dagegen ein sattes 600-Seiten-Buch gewidmet, dann kann es so schlecht nicht sein. So geschehen beim letzten durchnummerierten Hüpf-Abenteuer der adipösen Mario-Kopie: Daniel Johnson (seines Zeichens Autor, nicht adipöse Klempner-Kopie) veröffentlichte vergangenes Jahr eine akribische Analyse des GBA-Klassikers Wario Land 4. Ganz so sehr wollen wir zwar nicht ins Detail gehen, aber einen Test hat der Titel allemal verdient.

Griesgram Wario ist natürlich abermals nicht auf Weltenrettung aus, sondern auf Selbstbereicherung. Diesmal führt ihn sein Weg dazu in eine bis vor kurzem noch verschüttete Pyramide voller Schätze und mindestens ebenso vieler Gefahren. Allgemein wissen Kenner der GB(C)-Vorgänger schon ziemlich genau, was sie hier erwartet, denn weder bei der Story noch beim Gameplay wagte Nintendo große Risiken, sondern setzte auf dezente Neuerungen hier und dort.

Gleich ins Auge sticht dabei natürlich die generalüberholte Optik, die aus der damals noch brandneuen Hardware einiges herauskitzelt. Zeichneten sich die Vorgänger schon durch große Sprites, optische Abwechslung und saubere Animationen aus, da setzt der GBA-Teil in allen Belangen noch einen drauf. Wir springen durch riesige Blütenwiesen, schwimmen durch überflutete Höhlen, staunen über fremdartige Architektur und kommen nicht umhin, anzumerken, wie unförmig und wenig hübsch Wario doch ist. Je besser die Technologie, desto besser kommt eben auch das rüber.



Dabei tut uns der klobige Klotz auch regelmäßig gehörig leid, denn auch die große Besonderheit der beiden direkten Vorgänger feiert ihre Rückkehr. Werden wir von gewissen Feinden erwischt, dann blüht uns eine Verwandlung, die mal nervig, mal nützlich, aber eigentlich immer für Wario arg unangenehm ausfällt. Bienen etwa lassen seinen Kopf im Nu auf gefährliche Maße anschwellen, bis er unfreiwillig entschwebt und so höher gelegene Orte erreicht. Zombies wiederum verwandeln uns in einen Werwolf – nein, in einen Zombie natürlich, und der läuft zwar gehörig lahm, fällt dafür durch so manchen Boden glatt hindurch. Haben wir genug von solchen Verwandlungen, dann lässt das Gegenmittel meist nicht lange auf sich warten. Einmal mit dem Luftkopf an die Stacheln oder als Zombie ins Licht, und wir sind wieder ganz der alte.

Diese Mechanik ist bis heute ziemlich einmalig und erlaubt einige clevere Rätsel. Allerdings dringt auch ganz gerne mal ein lautes Fluchen aus den Hallen der Pyramide an die Außenwelt, wenn wir wieder einmal ungewollt getroffen werden und einen weiten Umweg in Kauf nehmen müssen. Unverständlich ist auch, warum Wario hier wieder über Lebensenergie verfügt, während er in den beiden direkten Vorgängern noch unsterblich war. Die Möglichkeit, zu sterben, bringt natürlich mehr Nervenkitzel in die Action, wenn wir aber an manchen Orten nicht umhinkommen, Lebensenergie zu verlieren, um per Verwandlung an versteckte Schätze zu kommen, dann nervt das nur.

Nervenkitzel haben wir ohnehin genug. Jedes der gerade einmal 16 Levels beginnt mit einer für die Serie klassischen Tour durch relativ offene Areale, die zahlreiche Geheimnisse und Schätze bergen. Aufmerksame und ausgedehnte Forschungstouren zahlen sich allerdings nur solange aus, bis wir das vermeintliche Ende einer Stage erreicht haben. Dort wartet nämlich stets ein blaues Frosch-Totem, das einerseits als guter Kumpel-Typ auftritt und weitere Wege im Level öffnet, andererseits dieses aber auch in Luft jagt! Wie am Ende eines Metroid-Spiels bleibt uns nur noch wenig Zeit, den Ausgang beim ursprünglichen Eingang zu erreichen. Hier dreht das Spiel ordentlich auf, denn die Kombination aus gnadenlos heruntertickendem Countdown, neuer, noch unbekannter Wege und vor allem der plötzlich herrlich verstörenden Musik mit Unwohlfühl-Faktor lässt uns regelrecht panisch werden.

Lang ist Wario Land 4 leider nicht ausgefallen, auch wenn unterschiedliche Schwierigkeitsgrade für etwas Wiederspielwert sorgen. Schön auch, dass die Schwierigkeitsgrade das halten, was sie versprechen. Anfänger haben so ebenso viel Spaß daran, sich mit der Spielmechanik anzufreunden, wie Profis, die eine echte Herausforderung suchen.

Fazit:
Wario Land 4 ist bildhübsch, spielt sich gut und setzt die Reihe würdig fort. Allerdings werden Veteranen das Gefühl nicht los, dass Leveldesign und Umfang auf der älteren Hardware doch die Nase ein Stück weit vorn hatten. Wer kann, holt erst einmal die Vorgänger nach (etwa auf dem 3DS), macht aber auch mit dem leider einzigen GBA-Ableger sicher nichts falsch.

Wertung:

8.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Sehr gutes, aber nicht überragendes Jump'n Run."
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4 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
Kommentar

ProG4M3r
vor 7 Jahren | 0
Hachja, eins meiner ersten GBA Spiele... ich bin leider nie wirklich warm mit Warios Jump'N'Run Abenteuer geworden, ist der dicke Bösewicht doch sehr eigenwillig wenn man bis zu diesem Punkt nur Super Marios Rettungsaktionen gewohnt war. Es ist zweifelsfrei kein schlechtes Spiel, aber ich will es mal so sagen, aufgrund der Eigenwilligkeiten ist es nicht für jeden was und Nintendo hat die Reihe nicht umsonst zu 90% in der Versenkung verschwinden lassen.

Seppatoni
vor 7 Jahren | 0
Ein tolles Wario Spiel, bei dem man nach WL2 und 3 nun auch endlich wieder sterblich ist und wieder etwas frischeren Wind in die Serie brachte. Dank Schwierigkeitsgrad, Highscore-Jagd und versteckten Items hält der Titel auch einige Zeit bei der Stange und begeistert mich aktuell auf der WiiU wieder von neuem (aber ohne den grausamen Filter).

Schade hat man seit dem grandiosen Wario Land: The Shake Dimension nichts mehr von der Serie gehört. Aber wenn die Qualität auf dem Level bleibt, warte ich gerne noch ein bisschen. ^^

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Ich muss hier Progamer beipflichten: Ich persönlich bin nie mit dem Spiel warm geworden. Hab es damals zu Weihnachten bekommen und nach zwei Tagen zu 100% auf allen Schwierigkeitsgraden durchgehabt. Teil 1 und 2 fand ich dagegen noch super.
Dennoch erkenne ich auch Teil 4 seine Qualitäten an, und sehe, warum es sehr mögen könnte. Daher auch die sehr gute 8 von mir, auch wenn ich persönlich es eher enttäuschend fand. ;)