Test: Adventure Island

Von Burkhart von Klitzing am 17. Juli 2014

Für die einen ist es der Beginn einer guten Jump’n Run-Serie, für die anderen lediglich der wohl dreisteste Wonder Boy-Klon schlechthin. Letztgenannte haben einerseits gar nicht so Unrecht, liegen gleichzeitig aber auch daneben. Wie das möglich sein soll? Ursprünglich entwickelte das kleine Studio Escape den Arcade-Hüpfer Wonder Boy für Sega und behielt die Rechte am eigentlichen Spiel, während Sega die Rechte für den Charakter Wonder Boy sowie die Bosse erhielt. Clever wie die Escape-Mannen wohl waren, gingen sie zu Hudson, um ihren Wunsch von einem NES-Port zu erfüllen, und der Bienen-Konzern entwickelte quasi das gleiche Spiel erneut, ersetzte aber unter anderem den alten Helden mit Takahashi Meijin (bei dem es sich eigentlich um einen Hudson-Mitarbeiter handelt) und erneuerte die Bosse. Voilà: Fertig sind der Semi-Port und eine mehrere Dekaden anhaltende Verwirrung.

Trotz einiger Parallelen zu Super Mario Bros. merkt man dem Titel seine Spielhallenherkunft deutlich an. Der Weg führt meist stur von links nach rechts, ohne die Möglichkeit zurückzuscrollen (so weit, so Mario) und der berüchtigte Wutbiss in den Controller droht des Öfteren. So verliert der agile Held stetig Energie, die durch den Genuss verschiedener Lebensmittel aufrecht erhalten werden sollte. Bananen, Äpfel und co ploppen an bestimmten Stellen plötzlich ins Bild, was häufig entweder schnelle Reaktionen oder genaue Kenntnis der Stages nötig macht um nicht blind vorbei zu rennen. Feinde und die stets gleichen Bosse, sowie (teils pixelgenaue Sprünge voraussetzende) Abgründe und rollende Felsen scheren sich erst gar nicht um die Lebensenergie des Spielers, sondern töten sofort. Immerhin helfen Steinhämmer bei der Feindentledigung, Skateboards erlauben einen Feindkontakt und Feen bescheren kurzzeitige Unverwundbarkeit. Vorsicht allerdings bei der magischen Aubergine(!), denn die lässt unsere Energie im Eiltempo dahinschmelzen.



Adventure Island und Wonder Boy ähneln sich sehr stark, doch ein paar wichtige Unterschiede existieren dennoch: So bietet das Sega-Original anstelle von acht mal vier Stages satte neun mal vier plus einige Bonus-Abschnitte für aufmerksame Spieler, die die versteckte Puppe jeder Stage finden. Des Weiteren orientiert sich das Leveldesign des NES-Titels näher am Arcade-Original, während die SMS-Version in jeder vierten Stage eigene Designs bietet. Unverständlich auch die Änderungen im Continue-System: Darf Wonder Boy noch problemlos Continues verbraten, muss Takahashi zunächst am Ende der ersten Stage eine Hudson-Biene finden, um fortan nach einem Game Over eine kurze Tastenkombination eingeben und so weiterspielen zu dürfen. Hier schafft das Save-Feature der Wii U-VC Abhilfe, allerdings sollte man schon regelmäßig speichern, denn der Tod kommt hier gerne mal schnell und plötzlich. Außerdem unterscheiden sich Optik und Sound von Wonder Boy und Adventure Island merklich, und der Schwierigkeitsgrad der NES-Fassung liegt höher, was sich bereits in Stage 1 zeigt, wenn direkt hinter einem Felsen ein Vogel auftaucht…während man zumeist gerade mitten im Sprung ist.

Fazit:

Warum die ganzen Vergleiche zu einem Master System-Spiel, wenn die Wii U-VC bislang nur Nintendo-Plattformen unterstützt? Ganz einfach: Wer auf die Wii U-eigenen Features verzichten kann, dem steht nach wie vor die Möglichkeit offen, in der guten alten Wii-VC Wonder Boy herunterzuladen. Das ist auch weitgehend die bessere Wahl, denn der Sega-Titel sieht charmanter aus, hat die größere Ohrwurmgefahr, bietet mehr Umfang, treibt keinen lästigen Unsinn beim Continue-System und ist durchweg fairer. Einzig diejenigen unter euch, die eine wirklich große Herausforderung suchen, oder auf Save States nicht verzichten können, sollten zu Adventure Island greifen. Richtig viel falsch machen kann man mit dem Download aber ohnehin nicht, denn beide Versionen bieten ordentlichen Hüpfspaß für den kurzen Spaß zwischendurch.

Wertung:

6.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Netter Plattformer mit unverkennbaren Arcade-Wurzeln."
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3 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
Kommentar

Seppatoni
vor 7 Jahren | 0
Adventure Island gehört als alter Jump n'Run-Fanatiker natürlich zu meinen Lieblingsserien. Der Auftakt war im vergleich du den späteren Titeln noch etwas simpler gestrickt, aber für knackigen Hüpfspass taugt es allemal. :)

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Ja, es ist definitiv auch heute noch ein netter Hüpf-Spaß, aber bei all der großen Konkurrenz, all der besseren (wenn auch teils sehr andersartigen) Nachfolger und der Option, Wonderboy runterzuladen, konnte ich einfach keine bessere Wertung rechtfertigen. ^^