Test: Pac-Land

Von Burkhart von Klitzing am 17. Juli 2014

Nach dem sensationellen Erfolg von Pac-Man war es nur eine Frage der Zeit, bis Namco dem kleinen Pillenfresser auch Spin-Offs abseits seiner angestammten Labyrinthhatz bescherte. So erschien 1984 mit Pac-Land ein für damalige Verhältnisse gewagter Genre-Ausflug. Über ein Jahr bevor Super Mario Bros. weitgehend die Spielregeln für moderne Jump'n Runs festlegte, versuchte sich bereits die gelbe Namco-Ikone an seiner eigenen Interpretation des Genres. Mit Erfolg, denn der Arcade-Titel mag kein Meilenstein sein, überzeugt aber bis heute mit eigenständigen Ideen und einer recht speziellen Präsentation. Allerdings gibt es da noch ein Problem: Die Wii U bekommt nur den missratenen NES-Port spendiert.

Hätten wir uns auf der Wii noch eventuell auf das Spielhallenoriginal oder den PC-Engine-Post freuen können, so müssen wir uns nun eben mit einer Premiere trösten: Erstmals verlässt die NES-Fassung ihr japanisches Heimatland. Spielerisch bleibt dabei im Vergleich zur Arcade-Version alles soweit beim Alten. Pac-Man setzt sich seinen (nicht allzu) charakteristischen roten Federhut auf, weicht in vier Levels auf dem Weg von links nach rechts den altbekannten Geistern aus, die diesmal in UFOs, Flugzeugen und anderen knuffigen Vehikeln unterwegs sind, und futtert nebenbei ebenso gesundes wie Punkte spendendes Obst.

Nach dem dritten Level wird unser Sprungvermögen gehörig verbessert, und nach Level 4 geht es noch einmal zurück zum Anfang des Spiels, diesmal logischerweise von rechts nach links. Eine der Stärken von Pac-Land waren seit jeher die vielen kleinen Geheimnisse, die sich etwa erst offenbaren, wenn ein Hydrant entgegen unserer eigentlichen Laufrichtung angeschoben wird, oder wir einen bestimmten Baumstumpf berühren. Wie man es von einem Pac-Spiel erwarten darf, finden wir auch gelegentlich Gegenstände, die alle Geister temporär in verwundbare, köstliche blaue Angsthasen verwandeln. In der Spielhalle ist Pac-Land ein harmloser, netter Spaß, was es nicht zuletzt auch der wenig aufregenden, aber doch netten Musik, und dem Grafikstil, der an die Malversuche eines Kindes erinnert, zu verdanken hat.



Dummerweise schert sich das NES (bzw. das Famicom) nicht viel darum und serviert uns einen ziemlich unsäglichen Port. Auch wenn damals praktisch jeder Port irgendwelche Kompromisse machen musste, so fallen sie hier doch besonders in Auge. Das beginnt schon bei der Anzahl der Levels. Vier Stages sind arg wenig. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Ganz besonders dann nicht, wenn der Faden auch noch in umgekehrter Reihenfolge zurück durch besagte vier Levels führt, und die zudem in jeweils guten zwei bis drei Minuten zu bewältigen sind. Die Spielhallenfassung wartete noch mit acht Levels auf.

Auch Optik und Sound haben stark unter dem Plattformwechsel gelitten. Düdelt die Musik noch halbwegs erkennbar in der alten Melodie, so entfaltet sie durch schlechtere Klangqualität bei weitem nicht mehr den alten Charme. Der Grafik dagegen macht die neue Farbpalette zu schaffen, wodurch sie viel von ihrem kindlich-fröhlichen, unbekümmerten Stil verliert und eher eckig, hässlich erscheint.

Vielleicht der schwerwiegendste Makel ist dem Fakt geschuldet, dass Nintendos Klempner eben noch nicht auf der Bühne erschienen war: Pac-Man springt mit einem Druck auf das Steuerkreuz und läuft links, bzw. rechts über die Buttons. In der Spielhalle fällt das weniger ins Gewicht, da Arcade-Titel ohnehin häufiger ihr eigenes Steuerungs-Süppchen kochten, und man als Spieler in der Regel nicht auf ein bestimmtes Button-Layout konditioniert war. Die PC-Engine-Fassung wiederum geht den besten Weg und lässt uns zwischen verschiedenen Optionen wählen. In der Famicom-Version hingegen bleibt uns nichts anderes übrig, als über Jahrzehnte einstudierte Muster krampfhaft abzulegen. Übrigens erweist sich dieser Port auch als gehörig unkommunikativ: Ab Stage 4 können wir wesentlich weiter springen und müssen dies auch an einigen Stellen, doch macht sich das Spiel nicht die Mühe, uns darauf hinzuweisen.

Fazit:
Es mag ja löblich sein, dass Namco-Bandai (oder Bandai-Namco? Banco-Namdai?!) die Enthüllung ihres bekanntesten Helden als Kämpfer im neuen Smash Bros. zelebrieren wollte. Aber doch bitte nicht so. Auf einer Plattform, die bereits jetzt einer Vielzahl großartiger 2D-Jump'n Runs (neu wie alt) eine Heim bietet, braucht kein Mensch Pac-Land. Vielleicht zeigt man ja noch Einsicht und beschert uns irgendwann Pac in Time für das SNES. Das spielt auch nicht in der obersten Liga mit, bietet aber wesentlich mehr Hüpf-Spaß als dieser missglückte Port eines schon im Original nicht überragenden Experiments.

Wertung:

3.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Pac-Entwicklungsland."
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5 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
Kommentar

Tobsen
vor 7 Jahren | 0
Mein Beileid, Burkhart, sowas spielen zu müssen. ;-)

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Für dich und euch nehme ich das doch gerne auf mich. ;)
Übrigens kann man die Arcade-Fassung auch in der Namco Arcade auf dem iPhone spielen. Drei Mal pro Tag sogar kostenlos. Das macht auch mit Touch-Steuerung noch erstaunlich viel Spaß.
Das nur als kleiner Tipp und als große Alternative zu dem Schund, der die Famicom-Fassung ist.

Mario-WL
vor 7 Jahren | 0
Dieses Spiel ist der größte Rotz, den ich jemals gespielt habe. War neugierig und wollte es ausprobieren und jetzt frage ich mich ernsthaft: wieso hat der Angry Video Game Nerd dazu noch kein Video gemacht?!

Seppatoni
vor 7 Jahren | 0
@Mario-WL: Wenn das der grösste Rotz ist, den du je gespielt hast, dann hast du ja noch viel vor dir. ^^

Ich hab es mir tatsächlich für die VC geholt, da ich es zwar schon seit längerem kenne, aber nie ausführlich gespielt habe. Die Gelegenheit wollte ich nun nutzen und das Spiel auch mal nachholen. Natürlich kann es nicht mit Mario & Co. konkurrieren, aber es hat dennoch seinen eigenen Charme. Wenn da nur nicht diese beknackte Steuerung wäre...