Test: Flowerworks HD: Follie's Adventure

Von Andreas Held am 03. August 2014

Um die Spielebibliothek seiner Konsolen aufzustocken, arbeitet Nintendo seit einigen Jahren auch verstärkt mit Indie-Entwicklern zusammen. Auf diese Weise haben es viele Interessante Projekte wie zuletzt Armillo auf eine Nintendo-Plattform geschafft - doch leider sorgen die niedrigen Standards auch dafür, dass sich allerlei Massenware auf den Download-Portalen wiederfindet. Diese Spiele hatten in der Vergangenheit oft Probleme, mehr als ein paar Hundert Exemplare abzusetzen und generierten somit kaum Profit für ihre Entwickler - trotzdem reißt die Flut nicht ab und es finden sich immer wieder Software-Erzeugnisse wie "Spot the Differences: Party!" im eShop der Wii U wieder. Ein weiterer Eintrag in dieser Reihe ist Flowerworks HD: Follie's Adventure, das bereits 2008 für WiiWare erschien und nun, sechs Jahre später, mit einer HD-Auflösung auf Wii U portiert wurde.

Bienchen und Blümchen

Flowerworks HD beginnt damit, dass Follie mit ihrem Raumschiff auf einem der Erde absolut nicht unähnlichen Planeten bruchlandet. Da sie die Landschaft des Planeten so trostlos findet, möchte sie überall Blumen pflanzen, um diese fremde Welt schöner zu gestalten. Um das zu bewerkstellen, müsst ihr als Spieler zunächst die zweidimensionale Oberweltkarte aus der Vogelperspektive erforschen und dort Samen einsammeln, mit denen sich zu Beginn jedes Levels Blumen pflanzen lassen. Habt ihr also nicht die benötigten Samen, könnt ihr ein Level nicht starten. Je nach Leistung innerhalb des Levels wechselt danach das Gebiet im Umkreis eures Einsatzortes den Grafikstil von realistischer Grafik zu einer Comicgrafik. Außerdem erhaltet ihr bis zu fünf Sterne für den Abschluss eines Levels, mit denen sich Gartenzwerge befrieden lassen, die euch den Weg versperren.

Sobald ihr ein Level startet, wechselt das Spiel in eine ebenfalls zweidimensionale Seitenansicht. Als Follie müsst ihr dann Pollen einsammeln, woraufhin ihr ein Herz in der gleichen Farbe in Richtung einer anvisierten Blume abfeuern könnt. Die Steuerung zum manuellen Anvisieren von Blumen und dem gleichzeitigen Abschießen der bunten Herzchen ist etwas unintuitiv, nach einer Eingewöhnungszeit funktioniert sie jedoch. Trifft euer Herz auf seiner Flugbahn weitere Pollen, werden diese zu blütenförmigen Feuerwerkskörpern, die nach ihrer Explosion Blumen bewässern und Blasen entstehen lassen, die ihr dann ebenfalls abschießen könnt, um weiteres Wasser zu generieren. Trifft euer Herz auf seiner Flugbahn andersfarbige Pollen, wechselt es die Farbe - das ist wichtig, da z.B. rote Blumen mit roten oder violetten Pollen bestäubt werden können, violette Blumen jedoch nur violette Pollen annehmen werden. Stehen in einem Level nur rote oder blaue Pollen zur Verfügung, müsst ihr euch die nötigen violetten Herzen also selbst zusammenbasteln.

Um ein Level abzuschließen, müsst ihr alle Blumen am Leben halten - sobald auch nur eine einzige Pflanze verwelkt, muss die Spielstufe neu gestartet werden. Außerdem beginnt ab dem Punkt, an dem eine Blume blüht, ein Timer auf ihrer Blüte zu ticken, der per Bewässerung etwas verzögert werden kann. Ist der Timer abgelaufen, fliegt die Blume in die Luft (warum auch immer). Zu diesem Zeitpunkt ist das Level beendet und falls es dann noch Blumen gibt, die sich noch in der Wachstumsphase befinden und nicht aufgeblüht sind, gilt das Level ebenfalls als gescheitert. Im Laufe des Spiels machen euch schwarze Pollen und schwarze Blasen das Leben schwer, die eure Pflanzen schädigen und Follie bei Kontakt ein paar Sekunden lang handlungsunfähig machen. Besonders fies sind die Moskitos, die farbige Pollen in schwarze Pollen verwandeln und nur besiegt werden können, indem man ihrer Nähe eine Blase zum Platzen bringt. Schafft ihr es, im Laufe eines Levels alle Pflanzen zum Blühen zu bringen, werdet ihr je nach erreichter Punktzahl mit weiteren Samen und bis zu fünf Sternen belohnt.

Geschmeiß und Unkraut

Was auf dem Papier vielleicht tatsächlich nach einer netten Idee für einen Download-Titel klingt, scheitert in der Praxis leider an seiner Umsetzung. Die Oberweltkarte ist ein absolutes Ärgernis, denn ihren Aufbau als "labyrinthartig" zu bezeichnen, drückt es extrem vorsichtig aus. Beim Erkunden der Spielwelt mag es noch Spaß machen, den Weg zum nächsten Level zu suchen und hier und da ein paar Extras einzusammeln, aber spätestens beim Backtracking, wenn man frühere Level wiederholen möchte, um die für einen Gartenzwerg nötigen Sterne zu sammeln, wird den meisten Spielern die Geduld ausgehen. Auch innerhalb der Bestäubungslevels ist viel Geduld vonnöten, da Art und Anzahl der Pollen und Hindernisse zufällig generiert werden. Ein besonders hoher Glücksfaktor entsteht durch das Punktesystem, denn immer, wenn ein abgefeuertes Herz eine Polle trifft, erhaltet ihr dafür doppelt so viele Punkte wie für die zuvor getroffene Polle. Trefft ihr also mit einem Herz eine zweistellige Anzahl von Pollen, ist dieser Millionenschuss allein meist schon ausreichend, um eine Fünf-Sterne-Wertung zu erreichen. Da jedoch die Pollen in zufälliger Anzahl erscheinen und sich auf zufälligen Bahnen durch das Level bewegen, habt ihr darauf keinen Einfluss, das Punktesystem verkommt zur Lotterie.

Mit Abstand das größte Problem ist jedoch das lächerlich schlechte bis nicht vorhandene Balancing. Generell kennt das Spiel nur drei Arten von Levels: Solche, in denen ihr beim ersten Versuch das Zehnfache der für fünf Sterne benötigten Punkte erreicht; vor allem zu Beginn des Spiels solche, in denen die Aufzucht der Blumen zwar kein Probem ist, die Fünf-Sterne-Punktzahl jedoch praktisch unerreichbar ist; und ab dem zweiten Drittel des Spielverlaufs solche, in denen euch so wenige Pollen zur Verfügung stehen, dass die Aufzucht der Blumen eigentlich gar nicht möglich ist. Zwar stellt euch das Spiel fünf Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, aber selbst im sogenannten Anfängermodus ist Flowerworks eines der schwersten Spiele aller Zeiten - die anderen Schwierigkeitsgrade sind schlichtweg unspielbar. Oft fliegen so viele schwarze Pollen auf dem Bildschirm umher, dass selbst Bullethell-Shooter-Veteranen im Sekundentakt getroffen werden und Follie nicht mehr bewegen können. Und auch hier müsst ihr dann in erster Linie auf den Zufallsgenerator hoffen: Wenn in einem Level eine rote und eine blaue Blume gepflegt werden müssen, das Spiel jedoch eine Zeit lang nur rote Pollen generiert; oder wenn aus dem Nichts ein ganzer Moskitoschwarm auftaucht und all eure Pollen gleichzeitig vernichtet; dann habt ihr einfach keine Chance mehr. Man muss sich fragen, ob die Entwickler ihr eigenes Spiel vor dem Release überhaupt gespielt haben - immerhin hätten sie sechs Jahre Zeit gehabt, um an den Stellschrauben zu drehen und das Balancing anzupassen.

Auch technisch macht Flowerworks wenig her. Die Grafik ist bestenfalls zweckmäßig, aber stilistisch beißen sich die Grafiken, die zum größten Teils aus Fotos ausgeschnitten wurden, aufs Übelste mit den cartoonartigen Zeichnungen und einigen 3D-Modellen auf unterem N64-Niveau. Trotz der simplen Grafik sind sowohl auf der Weltkarte als auch innerhalb der Levels teils enorme Ruckler zu verzeichnen. Dazu gesellen sich eklatante Bugs: Wenn ihr zu Beginn eines Levels nicht die A-Taste auf dem Controller drückt, mit dem ihr Follie steuern wollt, kann die Hauptfigur nicht bewegt werden und ihr müsst das Level neu starten. Außerdem soll sich anschließend noch ein zweiter Spieler einwählen können, indem er ebenfalls die A-Taste auf einem anderen Controller drückt - das hat bei unserem Test jedoch nicht funktioniert, der Coop-Modus war somit unbenutzbar. Einziger Lichtblick ist die Musik - zwar ist innerhalb der Bestäubungslevels immer das gleiche Musikstück zu hören, aber dieses klingt durchaus angenehm. Ansonsten sorgen bestimmte Soundeffekte, allen voran einige Babygeräusche, für den Eindruck dass das Spiel von kleinen Mädchen entwickelt wurde.

Fazit

Flowerworks HD ist ein Remake eines sechs Jahre alten WiiWare-Spiels. Stilistisch beißen sich ausgeschnitte Fotos mit Comicgrafik und primitive 3D-Modelle mit 2D-Sprites. Der Schwierigkeitsgrad ist selbst auf der niedrigsten der fünf Stufen derart utopisch hoch, dass wir ernsthaft anzweifeln müssen, ob sich das Spiel überhaupt vollständig beenden lässt. Andere Level sind hingegen lächerlich einfach, sodass man beim ersten Versuch das Zehnfache der für die Maximalwertung nötigen Punktzahl herausholen kann. Nur einen Mittelweg - ausbalancierte Level, in denen Spielspaß aufkommen könnte - findet der Titel nie. Dazu gesellt sich ein sehr hoher Glücksfaktor, und der Zufallsgenerator kann jederzeit dafür sorgen, dass man entweder mit einem einzigen Schuss bereits einen neuen Highscore bekommt, oder aber dafür dass ein Level völlig unlösbar wird. Auch wenn es zunächst nicht den Anschein macht und man nach dem ersten Anspielen den Eindruck bekommen könnte, dass es sich hier um einen belanglosen, aber eigentlich noch ganz vernünftigen Titel handelt: Follie's Adventure ist ein wirklich schlechtes Spiel. Wer Mushihimesama Futari auf dem Ultra-Modus mit einem Leben durchgespielt hat und nun eine neue Herausforderung sucht, kann hier eventuell zugreifen - alle anderen lassen bitte die Finger weg.

Wertung:

4.0

Andreas Held meint:

"Der völlig unrealistische Schwierigkeitsgrad und der enorme Glücksfaktor machen Flowerworks HD zu einem riesigen Frusterlebnis."
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