Test: Fire Emblem

Von Stefan Finke am 04. Oktober 2014

Sieben scheint die magische Zahl zu sein. Immerzu schienen sich die Entwicklerstudios und Publisher in Japan unsicher zu sein, wie sich der RPG-Markt im Westen entwickeln würde. Die meisten Perlen lokalisierten sie daher nicht und behielten sie für sich selbst. Selbst große Serien wie Final Fantasy erschienen nicht im Westen, nur in Amerika gaben sie kleine Gastspiele mit Final Fantasy II und III, die in der eigentlichen Serie Teil IV und VI sind. Erst mit Final Fantasy VII wurden Europäer erstmals zusammen mit dem Rest der Welt bedient. Und was hat das mit Fire Emblem zu tun? Nun, hier ist es ebenso. Die ersten sechs Teile der Serie sind ausschließlich in Japan erschienen und erst mit dem siebten Teil wagte die Serie ihr Glück. Seitdem ist Fire Emblem eine beliebte Handheld-Serie, die auf jedem von Nintendos Handhelds ein bis zwei Iterationen erhielt. Es war eben der siebte Teil, der die Spieler für das Prinzip erwärmen konnte.

 

Auf den Wiesen von Sacae

Ihr erwacht in einem Tipi und werdet von einer jungen Frau komisch beäugt. Lyn, so ihr Name, fand euch bewusstlos auf und brachte euch zu ihr. Ihr selbst stellt euch als einen Reisenden vor, dessen Beruf es sei, als strategischer Berater in Schlachten beizustehen. Diese Reihe an Zufällen passt wie die Faust aufs Auge. Denn sogleich hört ihr draußen Schreie. Bullige Männer mit ausgeprägter Körperbehaarung stiften Unruhe und Lyn eilt hilflosen Dorfbewohnern zu Hilfe. Auch ihr wollt helfen und steht taktisch zur Seite. Hier gibt euch das Spiel ein einsteigerfreundliches Tutorial und erklärt euch Schritt für Schritt die Steuerung und inhaltliche Tipps und Tricks, um den Schurken möglichst effektiv einen roten Anstrich zu verpassen. Gespielt wird in Runden. Erst dürft ihr all eure Einheiten befehligen, ehe der Gegner zum Zuge kommt. Die Karten sind gerastert und eure Helden können nur eine gewisse Anzahl von Feldern laufen. Kommt ihr einem Gegner nahe, so könnt ihr ihn angreifen. Doch Vorsicht: Bei jedem Angriff erhält auch die verteidigende Einheit einen Gegenschlag. Und wenn ihr nicht auf eure Lebenspunkte achtgebt, dann zeigt sich das Spiel unbarmherzig. In Fire Emblem hat der Tod etwas sehr Endgültiges. Das bedeutet, dass gefallene Kameraden für den Rest des Spiels ausfallen. Sollte einer eurer Story-Protagonisten sterben, so bekommt ihr sogar den Game Over-Schriftzug zu sehen.

 

 

Der Tod steht ihr gut

Manche mögen meinen, dass diese Mechanik unnötig bestrafend sei. Doch gerade der Aspekt des permanenten Todes steht dem Spielprinzip vortrefflich zu Gesicht. Nur mit der Sorge vor dem Tod werdet ihr genau überlegen, wie ihr vorgeht und wie ihr eure Einheiten taktisch zum Erfolg bringt. Und taktische Tiefe bietet dieses Spiel zu Genüge. Ein Grundprinzip aller Fire Emblem-Spiele ist das Waffendreieck. Ganz im Sinne von Stein-Schere-Papier haben Waffentypen Stärken und Schwächen. Schwerter sind effektiv gegen Äxte. Äxte wiederum sind stark gegen Lanzen. Schwerter wiederum sind den Lanzen gegenüber im Nachteil und so schließt sich das Dreieck. Wer dies zu berücksichtigen weiß und seine Einheiten auf die richtigen Gegner jagt, der wird in der Regel mit Erfolg belohnt. Aber die taktische Tiefe geht noch weiter. Wälder geben euch eine höhere Ausweichchance, Festungen können angeschlagene Einheiten sogar heilen. Bögen sind effektiv gegen beflügelte Einheiten wie Pegasusritter und es gibt spezielle Waffen, die das Waffendreieck umkehren oder effektiv gegen berittene Einheiten sind.

 

Nach Gefechten erhalten die Spielcharaktere Erfahrungspunkte. Bei einem Stufenaufstieg werden sie mit Statusaufwertungen belohnt. Ein Charakter, der viel kämpft, wird auch entsprechend kräftig und kann zu einer regelrechten Killingmachine heranwachsen. Doch aufgepasst: Wer die Kampferfahrung ungleichmäßig verteilt, muss befürchten, dass andere Einheiten wieder zu kurz kommen und in späteren Kämpfen einfach umgepustet werden. Ressourcenverteilung ist also auch in Fire Emblem ein wichtiger Aspekt, den es zu beachten gilt, wenn ihr Entscheidungen im Kampf trefft.

 

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Schon früh genug schließen sich genügend wackere Helden eurer Sache an; die Anzahl der Waffen, die ihr den toten Körpern der Feinde entreißt, wächst unübersichtlich. Im Laufe des Spiels steht euch aber ein Vorbereitungsmenü zur Verfügung, in dem ihr eure Truppen für den nächsten Kampf auswählt, Items verwalten könnt und euch den kommenden Kampf vorab etwas genauer anschauen könnt. Wer hier die richtigen Einheiten mitnimmt und sie mit entsprechender Ausrüstung versorgt, kann schon vor dem Kamp einiges gewinnen.

 

Die Einheiten können sogar Beziehungen zueinander aufbauen, was nicht nur die eine oder andere interessante Konversation zustande kommen lässt, sondern auch die Statuswerte der Helden stärkt. Ob nun in der Vorbereitung oder bei den Entscheidungen auf dem Schlachtfeld, jede Mission fordert eine Menge Entscheidungen. Wie gut ihr dabei seid, lässt euch das Spiel auch gerne wissen. Gegen Ende wird zusammengefasst, in wieviel Runden ihr eine jede Mission beenden konntet. Und auch schon zuvor könnt ihr euch von der Wahrsagerin eine Bewertung einholen.

 

Fazit:

Lang genug musste der Westen auf eine solche SRPG-Reihe warten und glücklicherweise entschied Nintendo sich dann doch für eine weltweite Veröffentlichung des Strategietitels. Die Kampfanimationen sehen klasse aus und sind gut gealtert, der Umfang ist mit um die 30 Missionen solide und die Spieltiefe mag begeistern. Der Soundtrack fügt sich aus verschiedenster schöner Musik zusammen und Fans von rundenbasierender Strategie kommen gänzlich auf ihre Kosten. Wer bisher keinen Zugriff auf Fire Emblem hatte und nicht bereit ist, die aktuelleren Titel für viel Geld zu kaufen, der kann sich hier von der Virtual Console zum kleinen Preis einen Einblick in eine echte Erfolgsserie verschaffen, die nicht nur eine glänzende Vergangenheit, sondern auch eine strahlende Zukunft auf Nintendo-Konsolen haben dürfte.

Wertung:

9.0

Stefan Finke meint:

"Für Strategen ein absolutes Muss für die VC-Bibliothek."
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3 Kommentare:


Nakuri
vor 6 Jahren | 0
Kommentar

Blacksierra
vor 6 Jahren | 0
Perma-death for life! ach ich wünschte ich hätte mehr Zeit, mir das mal zu geben.

Denios
vor 6 Jahren | 0
Jo, ich bin zwar noch nicht durch, aber ich stimme euch im Großen und Ganzen zu, ein geiler Titel! Da allerdings noch viele Sachen fehlen, die die späteren FE-Titel haben und diese besser machen, zieh ich einen halben Punkt mehr ab ;) Ist einerseits unfair, andererseits kam das Spiel für die VC dieses Jahr raus und dann darf man denke ich auch ein klein wenig mit heutigen Maßstäben messen :D

Auf dem Gamepad sieht es übrigens deutlich besser aus als auf nem riesigen TV^^