Test: Lone Survivor: The Director's Cut

Von Michael Prammer am 31. Oktober 2014

Der Herbst ist nicht nur der Vorbote für den Winter, sondern auch eine düstere und mitunter beklemmende Jahreszeit. Nicht nur wegen Halloween wird der Herbst oft mit Schauder und Grusel in Verbindung gebracht. Eigentlich könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt für ein spielerisches Horror-Abenteuer geben; und so erschien vor kurzem Lone Survivor: The Director's Cut im Wii U eShop. Playstation Vita-Spieler kennen das Spiel bereits seit längerer Zeit, nun kommen auch Nintendo-Freunde in den Genuss des Horror-Spektakels. Wir haben uns in die Rolle des „einzigen Überlebenden“ gewagt und verraten euch, ob euch dieses Spiel das Gruseln lehrt.

„Setz‘ dich in einen dunklen Raum“
Hinter dem Projekt steckt ein Entwickler namens Jasper Byrne, der das Original bereits im Jahr 2012 für PC auf den Markt brachte. Zu Beginn des Spiels macht er einige Vorschläge, wie ihr das Spiel noch besser erleben könnt. Er selbst beschreibt das Ganze als „Ritual“ und fordert euch auf, in einen dunklen Raum zu sitzen und Kopfhörer zu verwenden. Der Spieler übernimmt die Rolle eines namenlosen Helden, der sich mit einer Taschenlampe in seiner Wohnung befindet. Die Welt um ihn herum scheint durch einen Virus verseucht worden zu sein, der die Menschen in Zombies verwandelt hat. Eure Aufgabe ist es nun nicht nur, nach möglichen Überlebenden zu suchen, sondern auch, euren Wohnkomplex lebend wieder zu verlassen. Ein Survival-Abenteuer beginnt.

Das Auffälligste an Lone Survivor dürfte auf den ersten Blick die Grafik sein. Der Spieler fühlt sich in die pixeligen 80er-Jahre zurückversetzt, als Computerspiele noch in den Kinderschuhen gesteckt haben. Gespielt wird in typischer Sidescroller-Manier. Ausgangspunkt des Abenteuers ist die eigene Wohnung, in der es den wichtigsten Gegenstand des gesamten Spiels gibt: euer Bett. Hier frischt ihr nicht nur eure Energie auf, sondern speichert auch euren Fortschritt auch. Jedes Mal, wenn ihr euch schlafen legt, vergeht ein Tag. Von eurer Wohnung aus durchsucht ihr den Gebäudekomplex und findet immer wieder Notizen oder Hinweise, die euch auf eurem Weg begleiten. Die bereits erwähnten Zombies machen dem Spieler das (Über-)Leben dabei zur Hölle. Entweder ihr lenkt die Biester mit Gammelfleisch ab und versteckt euch vor ihnen oder erledigt sie mit einer Pistole, die ihr schon früh im Spiel finden könnt.

Willkommen in der Matrix
Lone Surviror hält aber noch einen weiteren Survival-Aspekt bereit. Euer namenloser Held bekommt immer wieder Hunger. Und so müsst ihr euch auf dem Weg durch das Wohngebäude nicht nur an Monstern vorbeischleichen oder -schießen, sondern auch nach Nahrung und Munition Ausschau halten. Aber auch die Taschenlampe leuchtet nicht ewig, und so wollen auch hierfür Batterien gefunden werden. Dank einiger Pillen, die sich auf wundersame Weise immer frisch im Waschbecken der Wohnung befinden, könnt ihr euch schöne Träume verschaffen, die euch nicht nur in Gespräche zwischen zwei komischen Gestalten verwickeln, sondern auch die Vorräte etwas auffüllen. Wer wird nun bei roten und blauen Pillen nicht automatisch an „The Matrix“ denken? Damit sich die Spielfigur nicht verläuft und die Orientierung behält, gibt es für jedes Stockwerk eine Karte, die gut versteckt liegt. Als Abkürzung in die Wohnung des Protagonisten bieten sich dreckige Spiegel an, die als wundersame Warp-Portale dienen.



Die Technik wirkt vor allem optisch sehr veraltet, was jedoch genauso beabsichtigt wurde. Man muss sich schon etwas an den sehr verpixelten Stil gewöhnen, vor allem die Texte sind manchmal schwierig zu entziffern. Das ganze Abenteuer wirkt trotz einstellbaren Lichtpegels und der Taschenlampe sehr düster. Man sollte das Spiel also am besten tatsächlich in einem dunklen Raum spielen. Der Sound hingegen ist richtig gut und schafft eine sehr schaurige Atmosphäre. Die Steuerung ist einfach gestrickt und überfordert den Spieler nicht. Jedoch hilft es nicht, einfach blind drauflos zu rennen. Wer nicht taktisch vorgeht, wird schnell sein digitales Ende finden. Außerdem sollte man oft speichern, da es nervig sein kann, wenn man sich an drei Zombies festrennt, stirbt und eine halbe Spielstunde (oder noch mehr) wiederholen muss.


GamePlay-Features fehlen weitestgehend, immerhin wird Off-TV-Play geboten. Was aber gar nicht geht, sind einige Abstürze des Spiels während der Testphase. Auch die sehr kurze Spielzeit von etwa vier Stunden kann man dem Spiel ankreiden. Glücklicherweise hat Lone Survivor dank der Director‘s Cut-Version eine „New Game+“-Funktion und zwei alternative Enden parat, was den Wiederspielwert deutlich fördert.

FAZIT:
Lone Survivor: The Director´s Cut ist unter dem Strich ein gutes Survival-Horror-Abenteuer, das atmosphärisch sehr stimmig daherkommt. Die Grafik ist zwar (gewollt) altbacken und trifft heute sicherlich nicht mehr jedermanns Geschmack, verprüht aber gerade beim Spielen auf dem GamePad seinen ganz eigenen Charme. Auf einem großen Fernseher stört die Pixel-Optik den ein oder anderen sicherlich noch eher. Auch die relativ kurze Spieldauer und die hin und wieder auftretenden Spielabstürze drücken die Endwertung etwas. Dennoch ändert dies nichts daran, dass Spieler mit Lone Survivor ein kurzes, aber intensives Spielerlebnis, das sich wunderbar in die Jahreszeit Herbst einfügt. Außerdem haben Perfektionisten dank New Game+ mindestens ein zweites Mal Spaß an dem Titel.

Wertung:

7.5

Michael Prammer meint:

"Kurzes, aber intensives Survival-Abenteuer mit origineller Grafik, aber einigen Schwächen."
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2 Kommentare:


Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Tja dieses Spiel interessiert mich sehr aber wegen der aktuellen Spieleflut auf der U hab ich null Komma null zeit dafür. Sehr schade an sich und ich hoffe ich kann es irgendwann mal nachholen.

ProG4M3r
vor 7 Jahren | 0
Leider macht nur Steam einen Halloween Sale und dort gibt es Lone Survivor The Directors Cut für 3,74€... so gern ich auch auf der U Spiele, diesen Preisunterschied wollte ich dann doch nicht bezahlen ^^