Test: Jett Tailfin

Von Andreas Held am 31. Oktober 2014

Es ist nicht lange her, da monierte mein Kollege Tim in einem Editorial den Stand des eShops und die oft mangelhafte Qualität der Spiele, die dort erscheinen. Fast wie eine direkte Antwort auf diesen Kommentar schwamm nun Jett Tailfin in unsere Redaktion: Das von Findet Nemo inspirierte Wettschwimmen erschien bereits vor fast zwei Jahren für iOS-Geräte. Und so wie ein guter Wein mit den Jahren wertvoller wird, hat auch Jett Tailfin eine ordentliche Wertsteigerung mitgemacht: Nachdem die Smartphone-Version für 2,99€ verkauft wurde, verlangen die Entwickler für die Wii U-Variante plötzlich 19,99€. Nur mal zum Vergleich: Am selben Tag und zum selben Preis ist Shin Megami Tensei IV im eShop des 3DS erschienen.

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Jett Tailfin ist ein Fun-Racer der allereinfachsten Sorte. In den Hauptmenüs (die nicht mit den Tasten, sondern nur über den Touchscreen des GamePads bedient werden können) wählt man zwischen Einzelrennen im Einzel- oder Mehrspielermodus und einer Single-Player-Kampagne aus. In der Kampagne werden euch einige Zwischensequenzen präsentiert, in die sogar etwas Arbeit geflossen ist. Leider gibt es keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Filmchen, sodass letztendlich keine Story erkennbar ist. Nach jedem Video müsst ihr in einer Reihe von Einzelrennen jeweils eine unbekannte Mindestplatzierung erreichen, damit es weitergeht.

Auf der Strecke könnt ihr Boosts benutzen und eines von nur drei verschiedenen Items einsetzen, wenn ihr zuvor durch ein ?-Fass geschwommen seid. Mit diesem einen Satz ist dann auch schon fast das komplette Gameplay beschrieben - einziger Clou: Bevor euch ein gegnerisches Geschoss trifft, könnt ihr die eingeblendete Richtungstaste drücken, um ihm auszuweichen. Allerdings ist die Reaktionszeit, die euch die Entwickler einräumen, derart lang, dass ihr in der Praxis überhaupt nicht mehr von Items getroffen werdet. Ähnlich plump ist das Streckendesign: Die Technik befindet sich auf gehobenem N64-Niveau, aber aus rein stilistischer Sicht sind einige der späteren Strecken sogar ganz gut ausgestaltet. Da ihr jedoch auch die schärfsten Kurven in voller Geschwindigkeit mitnehmen könnt und Kollisionen mit der Streckenbegrenzung bzw. den allgegenwärtigen unsichtbaren Wänden keine Konsequenzen haben, müsst ihr nichts weiter tun, als die rechte Schultertaste durchzudrücken und beim Auftauchen einer Kurve den linken Analogstick in die richtige Richtung zu bewegen.



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Als wäre das Fehlen jeglichen spielerischen Anspruchs nicht schon schlimm genug, ist die Umsetzung des Unterwasserrennspiels auch noch extrem stümperhaft. Alle Tasten fallen ab und zu aus und reagieren nicht mehr oder werden falsch erkannt; manchmal macht sich euer Fisch sogar selbstständig und wird einfach langsamer oder steuert von selbst nach links oder rechts. Man erhält nie irgendein Feedback darüber, ob eine abgefeuerte Waffe nun getroffen hat oder nicht. Das alles ist aber auch irgendwie egal, denn die wirkliche Katastrophe in diesem Spiel sind die von der KI gesteuerten Fische.

Alle Gegner sind extrem langsam unterwegs, erhalten jedoch kurz nachdem sie vom Spieler überholt wurden einen extremen Geschwindigkeitsschub, bis sie sich wieder vor ihn gesetzt haben. Somit wechselt die eigene Position während des Rennens fast im Sekundentakt zwischen dem ersten und dem vierten Platz. Pünktlich zum Beginn der dritten Runde bleiben die KI-Gegner dann fast stehen; als ich kurz vor der Ziellinie auf die Gegner gewartet habe, dauerte es beinahe drei Minuten, bis ich wieder eingeholt wurde. Während dieser Zeit hat sich das Spiel mehrmals von allein pausiert. Und nach einer Spielzeit von etwa einer Stunde folgte dann der komplette Zerfall: Alle KI-Gegner verschwanden plötzlich von der Strecke und die Hauptfigur schwamm auf der Stelle. Das Spiel ging nicht mehr weiter. Am PC wäre an dieser Stelle ein kleines graues Fenster erschienen: "Jett Tailfin funktioniert nicht mehr".

FAZIT:
Der einzige Grund, Jett Tailfin zu kaufen, wäre absolute Naivität und Unwissenheit. Wirklich absolut jeder, unabhängig von Alter und Zielgruppenzugehörigkeit, sollte sich meilenweit von diesem Machwerk fern halten. Jett Tailfin ist derart schlecht, dass man sich über dieses Spiel nicht mal mehr lustig machen kann. Aufgrund der stümperhaften Technik und des nahezu dysfunktionalen Gameplays müssen sogar Parallelen zu Big Rigs: Over the Road Racing gezogen werden. Der völlig absurde Preis von 19,99€ hat auf diese Bewertung übrigens keinerlei Einfluss - selbst als kostenloser Download wäre Jett Tailfin nicht empfehlenswert.

Wertung:

1.5

Andreas Held meint:

"Wat'n Driss!"
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8 Kommentare:


Vader
vor 6 Jahren | 0
XD XD XD So ein Driss.... (Für den Spruch würde sich ZDF nun entschuldigen^^)

Belphegor
vor 6 Jahren | 0
What the!?!

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Am geilsten finde ich trotzdem die Wertsteigerung xD
Also eine Wii U mit diesem Spiel zu besitzen, muss ja echt absoluten Seltenheits- bzw. Sammlerwert haben xD

Jokofi
vor 6 Jahren | 0
Warum ist da ein Mauszeiger im Bild (bei den Pfeilen über dem "B" unten rechts in der Ecke)?

GF0P
vor 6 Jahren | 0
"manchmal macht sich euer Fisch sogar selbstständig und wird einfach langsamer oder steuert von selbst nach links oder rechts"
Hey! Das gibt es bei Forza Horizon auch und das gilt als das beste Rennspiel der letzten Generation!
(Nennt sich da aber Lenkunterstützung und soll helfen den Richtigen Weg zu finden).

Der R
vor 6 Jahren | 0
Ich finde das Spiel genial! Was hier kritisiert wird - der Fisch mache sich selbstständig - ist ganz logisch und nachvollziehbar. Die realistische Strömungsphysik des Spiels bewirkt ab und an seitliches Abdriften - Geschwindigkeitsschübe oder eben Verlangsamungen (gegen die Strömung). Nur wer seine Flossen richtig im Griff hat, wird das wirklich meistern können.

Die Fische die verschwunden sind, wurden von einem Hai gefressen. Auch hier hält das Spiel es realistisch. In der Natur überleben nunmal nicht alle Fische.
Die intuitive Touchscreensteuerung erfordert Fingerspitzengefühl, macht das Ganze aber zu einem besonderen haptischen Erlebnis. Als Tipp für noch mehr Realismus: Einfach mal ein Glas Wasser aufs Gamepad kippen. Dann tippt man im echten Nass herum. Einfach nur geil!!!

Vader
vor 6 Jahren | 0
Ey R^^ Was zum Henker?? *Wegschmeiß*

Wario
vor 6 Jahren | 0
En Mauszeiger auf en Bildschirm...

Das habe ich doch schon mal gesehen.. *überleg*

Ist wohl ne Hommage an "The Walking Dead" :D :D