Test: KickBeat - Special Edition

Von Stefan Finke am 01. November 2014
Rhythmusspiele wie Guitar Hero und Dance Dance Revolution krempelten den Videospielmarkt vor einigen Jahren gehörig um und schlugen ein wie eine Bombe ein. Sie öffneten einen Markt für Spiele mit lizenzierter Musik, attraktiver Zusatzperipherie wie Musikinstrument-Controller oder Tanzmatten und Online-Highscores. Aber nur allzu schnell konnten sich Spiele dieser Art nur noch wiederholen, sich aber nicht neu erfinden oder sinnvoll erweitern. Zen Studios versucht dem nun durch Martial-Arts einen neuen Anstrich zu geben und das Ganze dann Kickbeat zu nennen. Das Spiel kam schon vor einem Jahr auf PS Vita und PS3 heraus, macht aber nun mittlerweile sein Debüt auf einer Nintendo Konsole.
 
Kung Fu, Meister Fu und Musik fu(tsch)
Wer mit dem Spiel anfängt, der wird sich von Meister Fu in die Künste der Martial Arts einweisen lassen (müssen). In diesem Rhythmusspiel müsst ihr euch vom Zentrum einer zirkularen Arena aus behaupten und alle Angreifer abwehren. Diese kommen aus bis zu vier Richtungen und können mit den Knöpfen A, B, Y und X abgeschmettert werden. Die Angriffe der zahlreichen Muskelprotze folgen dem Rhythmus der Musik, unterscheiden sich jedoch in ihrer Angriffsstrategie. Gelbe Gegner gehören zur simplen Art und greifen allein an. Die etwas dürren Schurken in Blau haben meist einen Zweitmann parat, der sehr zügig nach dem ersten Attackierer zuschlägt. Die roten Fieslinge greifen sogar gleichzeitig an, sodass ihr also zwei Knöpfe zur gleichen Zeit drücken müsst. Weiterhin schweben manchmal Gegenstände und Power-Ups über den Gegnern, die ihr durch wiederholtes Drücken der erforderten Eingabe erhalten könnt. Wer sich für einige Zeit wacker behaupten kann und keinen gegnerischen Fuß im Gesicht zu spüren bekommt, der erhöht seinen Punktemultiplikator. Über die Zeit baut ihr ebenfalls eine Ressource genannt Chi auf, die ihr mit der linken Schultertaste auslösen könnt, um weiter euren Punktemultiplikator zu erhöhen. Gegenstände können euer Chi erhöhen, euch für eine Zeit immun werden lassen oder sogar einige Rüpel auf der Stelle vernichten.
 
 
Und warum genau habt ihr es euch mit Horden von böswilligen Schlägern verhagelt? An dieser Stelle setzt die knappe Geschichte von KickBeat an. In Kloster des Kickbeaters befand sich ein wichtiges Artefakt, die Musik-Sphäre. Dieser leuchtende Ball speichert all die Musik im Universum und wurde nun von einem korrupten Kommerzboss gestohlen, um ein Monopol auf Musik zu erheben. Ihr schlüpft nun in die Rolle von Lee, einem Gehilfen im Kloster, um die Sphäre in Meister Fus Auftrag zurückzuerlangen und "die Welt zu retten". In diesem Storymodus kloppt ihr euch rhythmisch durch 24 Levels, die immer mal wieder von Cutscenes unterbrochen werden. Diese kommen in malerischer Form daher und erzählen die Geschichte in Sprachausgabe und semi-animierten Bildern. Einmal durchgespielt, dürft ihr die gleiche Story auch mit der hübschen Mei bestreiten. Die Level bleiben zwar gleich, aber die Cutscenes werden aus ihrer Sicht erzählt und sind somit wiederum sehenswert. Das erhöht den Wiederspielwert und lädt auch dazu ein, den Storymodus beim zweiten Mal auf einem höheren Schwierigkeitsgrad auszuprobieren. Leider hapert es beim Storymodus ein wenig. Immerzu sind Störgeräusche in den Cutscenes zu vernehmen und die zweite Storyline enthält auch grafische Bugs. So werden im Hintergrund teilweise ganze Reihen von fremden Bildassets gezeigt. In einem Moment ist die liebe Mei noch ganz, plötzlich fehlt ihr der Kopf. Ungewollt komisch wird es dann, wenn sich eine Körperhälfte von Meister Fu auf einen Gegner schmeißt. Es ist schwierig, Verständnis dafür aufzubringen, warum solche Dinge nicht in einer Qualitätskontrolle ausgemerzt wurden. Da das Spiel schon zuvor auf anderen Plattformen verfügbar war, kann man lediglich von einer billigen Portierung ausgehen.
 
Lasst die E-Gitarren rocken!
Neben Story- und Tutorialmodus könnt ihr auch jedes Lied in vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden einzeln anwählen, wobei jeder Schwierigkeitsgrad euch Schritt für Schritt Indikatoren, Hilfen und dergleichen abnimmt und euch mit weniger Toleranz behandelt. Ebenfalls könnt ihr zu zweit lokal im Splitscreen gegeneinander antreten. Onlinefeatures bietet das Spiel bis auf Highscores nicht. Über Achievements könnt ihr euch weitere Kämpfer und Anzüge freispielen. Das Spiel umfasst 24 Lieder und bietet eine Reihe von Heavy Metal Stücken wie Rob Zombie, P.O.D. und Papa Roach. Diese geben ordentlich Bass zum kampforientierten Spiel, wer aber mit der Musik nichts anfangen kann, wird leider keine Vielfalt in der Songliste finden. Abseits von E-Gitarre und kräftigen Männerstimmen ist also nichts dabei. Damit fällt der Umfang etwas flach aus, auch wenn der Storymodus eine nette Ergänzung zu diesem Budget-Titel ist.
 
Das Gamepad wird selbst vom Spiel nicht genutzt oder eingebunden, der Gamepad-Screen zeigt lediglich eine Spiegelung des Gameplays selbst an. Grafisch kann sich das Spiel durchaus sehen lassen. Während ihr spielt, werdet ihr mit vielen grafischen Effekten, Lichtern und Kameraschwüngen in Stimmung gebracht und es sieht recht imposant aus, wenn ihr euch durch die Schergen passend zur Musik kloppt. Aber Kloppen, das ist nur relativ, denn wirklich tief geht das Spiel ins Fighting-Genre nicht hinein. Bis auf die Tatsache, dass jede erfolgreich getroffene Note einen Schlag oder Kick zur Folge hat, bietet das Spiel keine Interaktivität, wenn es darum geht, die Gegner kreativ in den Allerwertesten zu treten. So mag man also Aspekte aus Beat ‘em Ups erwarten, wird hier aber nur mit einer grafischen Übersetzung von Tastengeklimper zu rhythmischen Prügeleien bedient. Wer jedoch auch nicht mehr als das erwartet, dürfte mit dieser Umsetzung recht zufrieden sein, denn gut sieht es aus und kreativer als das übliche Gitarren-String Geklimper ist es allenfalls.
 
Fazit:
Für zehn Euro bekommt ihr hier eine Portierung des bereits vor einem Jahr erschienenen KickBeat, das 24 Lieder umfasst und dem Genre des typischen Rhythmusspiels einen Kampfanstrich verpasst. Fans des Musik-Genres werden wohl aufgrund der fehlenden Vielfalt in der Musikauswahl und dem Kampfschnickschnack nicht viel Freude haben und sollten eher zu vergleichbaren Vollpreistiteln greifen, um ihrer Musikpassion nachzukommen. Wer aber weniger mit dem Genre zu tun hat und dennoch nicht abgeneigt ist, der bekommt mit Kickbeat ein lohnenswertes Spiel, das Spaß macht und auch durchaus schick aussieht. Die Lernkurve ist sehr anfängerfreundlich und insgesamt ist das Spiel leichter als seine großen Brüder. Schade nur, dass KickBeat an technischen Mängeln leidet und womöglich durch die Musikauswahl nur ein begrenztes Publikum anspricht

Wertung:

6.5

Stefan Finke meint:

"Heavy Metal-Lieder im Beat ‘em Up-Dojo. Wer etwas damit anfangen kann, kriegt hier einen netten Titel für zwischendurch."
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2 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
Kommentar

Der R
vor 7 Jahren | 0
Hätte mir das Spiel geholt - finde auch die Lieder die ich in Videos gehört habe gut ...aaaaber es ist genau wie du beschreibst. Die Musik ist mir leider zu abwechslungsarm.