Test: Tengami

Von Michael Prammer am 22. November 2014

Der nachfolgende Test beginnt diesmal etwas anders, als man es von WiiUX gewohnt sein dürfte, nämlich mit einem Zitat von Wikipedia:

„Als Klappbuch wird eine Buchform bezeichnet, bei der die Seiten horizontal geteilt sind, sodass sich die Seitenteile unabhängig voneinander umwenden („umklappen“) lassen, wodurch sich die Inhalte mehrerer Seiten zu scheinbar neuen Seiten kombinieren lassen.“

Warum diese Einführung in einen eShop-Test? Ganz einfach, denn genau mit diesem Zitat so lässt sich Tengami von Nyamyam am einfachsten beschreiben. Ursprünglich erschien das eigenwillige Falt-Adventure fürs iPad. Jetzt kommt aber auch ein Wii U-Port, wenn auch mit erheblicher Verzögerung. Wir haben uns auf die fernöstliche Reise begeben und blätterten uns für euch durch das Abenteuer.


Ein Baum verblüht
Zu Beginn des Abenteuers befindet ihr euch mit eurem namenlosen Helden unter einem Kirschbaum. Dieser verwelkt aufgrund der vorbeiziehenden Jahreszeiten, bis zur Winterzeit nur noch eine einzige Blüte am Baum hängen geblieben ist. Nachdem diese in die Hände des Helden gefallen ist, scheint der Baum seinen letzten Atemzug vollzogen zu haben. Jedoch ist es fortan die Bestimmung unseres Protagonisten, sich auf die Suche nach drei magischen Blüten zu begeben, um dem sterbenden Kirschbaum neues Leben einzuhauchen und ihn wieder mit voller Blütenpracht zu versehen.

Damit ist die Geschichte von Tengami bereits erzählt; eigentlich etwas untypisch für ein Adventure. Doch Tengami will gar nicht dem Trend der breiten Masse folgen, sondern dem Spieler eine gänzlich neue Spielerfahrung bieten. Das merkt man bereits am Anfang des Abenteuers, denn es wird weder ein Gebiet erkundet noch ein Gegner vernichtet, sondern stattdessen lediglich in einem Buch geblättert. Lichtkegel weisen dem Spieler dabei den Weg, durch Umblättern der Seiten gelangt der Held in neue Gebiete. Dazu warten verschiedene Rätseleinlagen, die zu Beginn noch recht simpel sind, euch mit zunehmender Spielzeit aber durchaus fordern. Außerdem müssen die Gebiete im Buch oftmals hin- und hergeschoben werden, um ans Ziel zu gelangen. Drei Gebiete wollen auf diese Art und Weise in Tengami erkundet werden, ehe am Ende jedes Gebietes eine der magischen Blüten wartet. Diese werden folglich zurück zum Baum gebracht und verhelfen ihm nach und nach zur alten Blütenpracht.


Das war es dann leider auch schon, denn Tengami ist für ein Adventure extrem kurz geraten. Nach rund zwei Spielstunden sieht man bereits den Abspann. Zehn Miiverse-Stempel wollen ebenfalls gefunden werden, diese sind jedoch nicht wirklich gut versteckt und erfordern bei genauem Hinsehen kaum einen zweiten Durchgang. Die bereits erwähnten Rätsel sind zwar abwechslungsreich und niemals gleich, jedoch kann man dem Spiel durchaus negativ ankreiden, dass sich der Protagonist oftmals an alte Orte zurückbegeben muss, um weiter im Abenteuer voranzukommen. So wird die ohnehin schon kurze Spielzeit sogar noch gestreckt. Dazu trägt auch die langsame Geschwindigkeit der Hauptfigur bei, die zudem teilweise sehr träge wirkt.

Tolle Präsentation
Obwohl wir uns allgemein mehrere Steuerungsoptionen für Tengami gewünscht hätten, ist die Touch-Kontrolle mit dem Stylus oder dem Zeigefinger recht gut geglückt. Die wahre Stärke des Spiels ist jedoch zweifelsfrei die Präsentation. Optisch wirkt das Geschehen herrlich frisch und verspielt. Die Umgebung bietet durch den Papier-Look eine ganz besondere Faszination. Das "Umblättern" oder "Hoch- und Wegklappen" einzelner Seiten oder Seitenteile schafft nicht nur spielerisch neue Wege, sondern bietet auch grafisch ein Erlebnis, das wir so noch nie in einem Videospiel erlebt haben. Leider wird man hier und da leichte Ruckler wahrnehmen und die Entwickler hätten in Sachen Technik etwas sorgsamer arbeiten dürfen. Der Sound wiederum ist wunderbar und sorgt zusammen mit der Papieroptik für ein herrliches japanisches und mystisches Flair.


FAZIT:
Tengami hätte ein außerordentlich gutes Spiel werden können. Die tolle Präsentation verführt den Spieler regelrecht dazu, ganz tief in eine andere Welt zu tauchen, und auch das unkonventionelle Blätter-Spielprinzip ist dank der Touch-Steuerung herrlich frisch und aufregend anders. Leider ist das schöne Abenteuer sehr schnell vorbei und höchstens das Einsammeln aller Miiverse-Stempel motiviert zu einem weiteren Durchgang. 7,99 Euro für zwei bis maximal drei Stunden Spielspaß auszugeben, wird deswegen sicherlich nicht für jeden vertretbar sein. Wer sich dennoch dazu entschließt, wird abseits des Videospiel-Mainstreams auf eine fantastische Reise in eine japanisch anmutende Welt mit einem ganz eigenem Charme geschickt.

Wertung:

7.5

Michael Prammer meint:

"Schön präsentiertes Abenteuer mit ganz eigenem Charme. Leider viel zu kurz."
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4 Kommentare:


michi1894
vor 6 Jahren | 0
...

Jokofi
vor 6 Jahren | 0
Also ich habe (seit ich von dem Titel gehört habe) lange auf ihn gewartet und werde ihn mir höchstwahrscheinlich mit meiner nächsten Guthabenkarte kaufen. Von der recht kurz geratenen Spielzeit bin ich jetzt aber schon etwas enttäuscht. Da kann ich auch sehr gut nachvollziehen, dass Ihr Abzüge an der Wertung vorgenommen habt und der Titel deswegen "nur" eine 7.5 erhalten hat.

Ansonsten aber wie immer ein sehr schön geschriebener Test.

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Schade, dass es so teuer ist, 3-4€ wären okay gewesen... und wenn man mal guckt, dann sieht man auch dass die iPad Version auch deutlich günstiger ist und beinah diesen relativ vertretbaren Preis hat.

StMaster3000
vor 6 Jahren | 0
Das Spiel ist zwar Grafisch ein SEHR Gutes Spiel, mir gefallen aber 2 Dinge nicht :
Die Kürze 2h brauchte ich für die 100%
und Die Geh Animations zusammen mit der Stylus Pflicht..