Test: Mega Man 7

Von Andreas Held am 24. November 2014

Wenn es um die Entwicklung von Sequels geht, gibt es immer zwei Arten von Leuten: Diejenigen, die sich möglichst wenige Veränderungen wünschen und diejenigen, die etwas komplett Neues sehen wollen. Auch nach dem Release von Mega Man X gab es wohl Spieler, die mit den Veränderungen nicht einverstanden waren - allerdings gab es damals noch keine Internetforen, in denen vermeintliche Fans Themen mit dem Titel "Capcom hat Mega Man ruiniert!" hätten eröffnen können. Trotzdem wurde irgendwann mit Mega Man 7 auch eine reinrassige 16-Bit-Portierung der klassischen Mega-Man-Serie herausgebracht, und für Sammler ist der siebte Auftritt des ehemaligen Aushängeschilds von Capcom eines der wertvollsten SNES-Spiele überhaupt: Komplette und gut erhaltene Exemplare des Spiels wechseln schonmal für vierstellige Beträge den Besitzer. Anhand der Virtual Console-Version kann sich nun jeder zum Taschengeldpreis ein Bild davon machen, ob das Spiel seinem Sammlerwert auch tatsächlich gerecht wird, oder ob man sich von diesem Geld beispielsweise lieber einen Gebrauchtwagen zulegen sollte.

Mega Man nach dem Standard-Rezept

Mega Man 7 ruht sich weitestgehend auf dem Grafik-Update aus und macht dort weiter, wo die Serie mit Mega Man 6 auf dem NES aufgehört hatte. Der Protagonist kann rutschen und seinen Schuss aufladen, was er bereits in Mega Man 4 konnte; auf Neuerungen, Collectibles oder Überraschungen im Stile der Doc Robots aus Mega Man 3 verzichteten die Entwickler hingegen fast vollständig. Immerhin: Aus dem Levelauswahlbildschirm heraus lässt sich ein Item-Shop aufrufen, in dem ihr mit in den Spielgebieten herumliegenden Schrauben bezahlen könnt, und ein geheimes Passwort schaltet einen Zwei-Spieler-Modus frei, in dem sich Mega Man und Bass von zwei menschlichen Spielern gesteuert duellieren können. Am Ende wartet hingegen wieder das übliche Schloss mit einem Rematch-Level und dem mehrstufigen Endkampf gegen Dr. Wily. Das Leveldesign ist gut, ohne jemals zu glänzen: Mega Man kämpft im Level von Slash Man gegen Dinosaurier, hüpft in Spring Mans Level auf Sprungfedern herum und muss vor seinem Kampf gegen Turbo Man abermals die verschwindenden Blöcke überwinden, die ihn in der gesamten Serie tyrannisiert und Spieler zum Auswendiglernen verdonnert haben.

Der Sprung zwischen zwei Konsolengenerationen hat natürlich deutliche Spuren hinterlassen, zumal Mega Man 7 auch erst spät in der Lebensspanne des SNES erschien, als Capcom bereits viele Erfahrungen mit der 16-Bit-Hardware gesammelt hatte. Die Sprites sind deutlich detaillierter und unschöne Blessuren in Form von Slowdowns oder Sprite-Geflacker gehören der Vergangenheit an. Vor allem musikalisch kann Mega Man 7 voll überzeugen: Im Urzeit-Level von Slash Man wird euch ein absoluter Ohrwurm geboten, und für alle Fans eines gewissen anderen Capcom-Franchises wartet im Level von Shade Man ein nettes Easter Egg. Doch es ist nicht alles Gold, was in 256 Farben erstrahlt: Vermutlich bedingt durch die deutlich größeren Sprites fühlt sich das Gameplay in Mega Man 7 etwas träger an, als es in den NES-Klassikern der Fall war. Das Gameplay wirkt somit langsamer und schwerfälliger als in den Originalen, was sich auch im Schwierigkeitsgrad bemerkbar macht: Wenngleich Slash Man gemeinhin als einer der schwierigsten Endbosse der gesamten Reihe gilt, ist Teil 7 wohl der einfachste Teil der gesamten Serie. Weder die meisten Endgegner noch das Leveldesign werden geübte Spieler zum Schwitzen bringen; nur beim letzten Endkampf gegen den verrückten Wissenschaftler mit der Halbglatze steigt der Schwierigkeitsgrad plötzlich sprunghaft an.

FAZIT:

Für Serienfans ist Mega Man 7 sicherlich einen Blick wert - allein schon deshalb, weil es eines von nur relativ wenigen Spielen ist, in denen Mega Man der NES-Optik entfliehen kann. Neueinsteiger sind jedoch trotz der schwächeren Technik besser beraten, wenn sie zum Einstieg zum zweiten oder dritten Teil greifen, denn während Mega Man 7 ein technischer Fortschritt ist, bewegt es sich spielerisch mindestens ebenso weit zurück. Das Spiel wirkt deutlich schwerfälliger und wird vor allem von dem actionlastigen Reboot Mega Man X klar in den Schatten gestellt. Und das durchaus ideenreiche Leveldesign kann aufgrund des konstant niedrigen Schwierigkeitsgrades sein Potential nicht ausschöpfen. Was unterm Strich bleibt, ist ein durchschnittlich guter SNES-Platformer, der sicherlich keinen Fehlkauf darstellt, aber auch kein Must-Have-Titel ist.

Wertung:

7.0

Andreas Held meint:

"Technisch zwei Schritte vor, spielerisch drei Schritte zurück."
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1 Kommentare:


mega
vor 6 Jahren | 0
Leider ist das Spiel viel zu leicht (Vom Kampf mit Dr. Wily mal abgesehen) und auch die einzelnen Level sind viel zu kurz. Musik und Leveldesign finde ich aber sehr schön. Nur die großen Sprites wirken wie schon in Teil 6 etwas fehl am Platz und auch die Spielgeschwindigkeit wirkt etwas zu langsam und behäbig. Für Fans ist der Siebener allerdings ein must-have.