Test: LEGO Batman 3: Jenseits von Gotham

Von Tim Herrmann am 27. November 2014

Billund ist eine relativ kleine Kommune mitten in Dänemark. Doch eben dieses Billund hat sich jetzt ein großes Projekt vorgenommen: Billund will Welthauptstadt der Kinder werden. Kindgerechte Infrastruktur, zahlreiche Veranstaltungen und Freizeitangebote – das alles soll Kinder inspirieren, erziehen, behüten. Besonders eng mit dem Projekt verknüpft ist der LEGO-Konzern, der in Billund sein globales Hauptquartier unterhält und die Region mit dem LEGO Land bereits international bekannt gemacht hat. Zentrum der Welthauptstadt der Kinder soll ab 2016 ein neues LEGO House sein. Auf 12.000 Quadratmetern will es Kindern aus aller Welt den Mythos LEGO näherbringen.

Dieser Mythos, einem simplen LEGO-Stein entsprungen wie ein mächtiger Baum dem kleinen Samen, ist mittlerweile weltumspannend. LEGO ist so angesagt wie noch nie. Zuletzt haben es die Plastiksteine ins Kino geschafft und dürfen sich jetzt berechtigte Hoffnungen auf einen Oscar machen. Videospiele haben ihren Teil dazu beigetragen. Anfangs als unbeholfenes Lizenzexperiment belächelt, sind die LEGO-Spiele zu kleinen Blockbustern aufgestiegen und werden in einer Regelmäßigkeit veröffentlicht, die selbst Call of Duty klein werden lässt – mit allen Vor- und Nachteilen, die damit einhergehen. LEGO Batman 3 – Jenseits von Gotham ist das dritte LEGO-Spiel des Jahres 2014 und Nummer 17 der lizenzierten LEGO-Hauptspiele. Wie steht es um die Abnutzungserscheinungen?

LEGO DC Super Heroes 2 featuring Batman

LEGO Batman ist zusammen mit Star Wars nun die größte LEGO-Reihe – von ihrem Ursprung hat sie sich allerdings kontinuierlich gelöst. LEGO Batman 2 stellte die DC Superhelden und Superschurken in den Vordergrund und nutzte Batman lediglich als inhaltliche Klammer für seine abgedrehte Verbrecherstory in Gotham City. Teil 3 entfernt sich noch weiter von seinem Titelgeber. Das Spiel heißt sogar „Jenseits von Gotham“. Tatsächlich sehen sich die DC-Helden nun einer außerirdischen Gefahr gegenüber gestellt: Brainiac will die Erde mit der Energie der Lantern-Helden aus dem DC-Universum unterjochen und auf Taschenformat schrumpfen. Gegen diesen Gegner formieren sich sogar unerwartete Allianzen zwischen DC-Schurken und -Helden.

Wie schon der Vorgänger besticht auch LEGO Batman 3 – Jenseits von Gotham vor allem mit seinen Lizenzen. Das Spiel stellt euch eine riesige Palette aus bekannten Charakteren zur Verfügung und lässt sie euch sogar selbst steuern. Vom blitzschnellen Lauftempo eines Flash über die monströse Gestalt des Martian Manhunters bis hin zum graziösen Flug von Wonder Woman darf der Spieler alle Superfähigkeiten einmal selbst ausprobieren. Die eher weltlichen Superhelden können darüber hinaus die aus den Vorgängern bekannten Kostüme für besondere Spezialfähigkeiten anlegen. Nur sehr selten hat ein Charakter eine ihm eigene Superkraft oder ein besonderes Kostüm – meistens teilen sich die Helden bestimmte Kräfte wie den Laser-Blick oder die Flugkraft, sodass die Rätsel innerhalb der Level-Komplexe unabhängig von den vertretenen Charakteren lösbar bleiben.




Kinderleichte LEGO-Rätsel
Spielerisch hat sich LEGO Batman 3 – Jenseits von Gotham leider zurückentwickelt und orientiert sich stärker an der klassischen LEGO-Formel von Teil 1. Hatten die Entwickler im Vorgänger noch eine frei begehbare Oberwelt angeboten, läuft der Spieler jetzt wieder geradlinig von Level zu Level und durchquert einzelne Räume, die sich als klar begrenzte LEGO-Spielplätze präsentieren. Darin dürft ihr wie üblich alles, was nach LEGO aussieht, mit Laser-Blick, Faustgewalt oder Explosionsladungen zerstören und die daraus entspringenden LEGO-Studs einsammeln. An ihnen bemisst sich der Komplettierungsgrad. Wer wirklich alle versteckten Geheimnisse finden will, muss auch alles zerstören, alle Studs einsammeln und alle versteckten Mechanismen bedienen. Das kann die Spieldauer eines Levels locker auf eine Stunde strecken.

„Abnutzungserscheinung“ ist hier eine geradezu untertriebene Beschreibung für den Zustand des Gameplay-Konzepts. Seit fast einem Jahrzehnt strapazieren die LEGO-Spiele dieses Prinzip nun, lediglich die Lizenzen bringen neues Leben. Besonders enttäuschend ist, dass LEGO Batman 3 die gelungenen Open World-Ansätze seines Vorgängers (und des davon inspirierten LEGO Marvel Super Heroes) wieder fallen lässt und sich auf die normale 08/15-Formel verlässt. Wer schon mehrere Teile der Klötzchenserie gespielt hat, könnte schnell genervt sein von dem planlosen Zerstören und Sammeln.

Um den Weg in die nächsten Räume zu öffnen oder das Kapitel abzuschließen, müssen die DC-Superhelden Ketten aus Mechanismen bedienen, die sie mit je einer Superkraft aktivieren. Aufgrund der Vielzahl von verschiedenen Kräften gibt es eine ganze Menge Handgriffe, die der Spieler zum Weiterkommen meistern muss. Naturgemäß wiederholen sich diese Aufgaben aber schon nach wenigen Spielstunden: Hier einen Metallbehälter sprengen, dort eine Goldwand durchbrennen, woanders einen Schalter betätigen. Der Schwierigkeitsgrad bleibt dabei niedrig – oder: kindgerecht. Denn die Software sagt dem Spieler permanent vor, was er zu tun hat: automatisch kann man vor einem bestimmten Mechanismus stehend mit dem A-Knopf das passende Kostüm anlegen. Und fast aufdringlich blendet das Spiel ein, welcher Knopf gedrückt, welcher Charakter genutzt oder welches Kostüm zum Lösen eines Rätsels angelegt werden muss.

Wie üblich gibt es auch kein Scheitern: Besiegte LEGO-Charaktere werden an Ort und Stelle wiederbelebt. Manche Charaktere wie Superman sind franchisebedingt sogar unbesiegbar. Besonders in Bosskämpfen ist das ziemlich witzlos. Am Ende steht die übliche Feststellung: LEGO Batman 3 – Jenseits von Gotham ist ein Spiel für Kinder. Und als solches wunderbar. Beinharte DC-Fans erfreuen sich immerhin an der liebevollen Umsetzung der Lizenzen. Spielerisch trägt das Konzept aber nicht über die gesamte Distanz, streckenweise ist das Rätsellösen und Blockzerdeppern für geübte Spieler ermüdend, zäh, ja, sogar langweilig.

Fließband-Qualität

LEGO Batman 3 – Jenseits von Gotham ist in vielerlei Hinsicht also ein Spiel vom Fließband. Doch das muss man gar nicht nur als Kritik auffassen. Fließbandprodukte sind zwar nicht besonders einzigartig oder überraschend, aber sie weisen immerhin stets die gleiche, stabile Qualität auf. Das lässt sich auch dem neuesten LEGO-Spiel nicht abstreiten.

Die Dialoge sind spritzig geschrieben, hochwertig in deutscher Sprache vertont und die LEGO-Welten detailverliebt und authentisch aufgebaut. Grafisch punktet das Spiel vor allem mit seiner flüssigen Bildrate und der sauberen Darstellung der authentischen, detailverliebten LEGO-Welten. Nur manchmal wird es etwas zu wirr und man verliert den Überblick.



Die Steuerung durch die schaukastenhaften Levels gestaltet sich auch wegen der starren Kamera manchmal unnötig schwammig und schwierig. Ziehen mehr als zwei Charaktere durch die Levels, ist es beim Charakterwechsel schwierig, den gewünschten zu bekommen. Oft wird einfach zwischen den am nächsten beieinander stehenden Figuren gewechselt. Hier lohnt sich der Koop-Modus, der es Mitspielern wie immer erlaubt, unterbrechungslos ins Spiel zu hüpfen.

Die Charaktere entwickeln trotz ihrer weitestgehend starren Gesichtszüge eine eigene Dynamik und Persönlichkeit und interagieren in den vielen Zwischensequenzen unterhaltsam miteinander. Sie sind die Hauptmotivation, um LEGO Batman 3 weiterzuspielen, denn sie bringen Leben in das ansonsten ziemlich eingestaubte und relativ einfallslose LEGO-Gameplay, das sich nur manchmal durch Intermezzos wie eine gescriptete Raumschlacht oder eine Tour über einen Miniplaneten auflockert. Daneben wirken auch die versteckten Sammelextras motivierend: Fleißige Spieler können zum Beispiel einen überraschenden Ausflug in die Batman-Geschichte der 60er-Jahre freischalten.

FAZIT:
LEGO Batman 3 – Jenseits von Gotham entwickelt sich im Vergleich zu seinem direkten Vorgänger und anderen LEGO-Flaggschiffen der letzten Monate ein Stück zurück. Während die Lizenzen und die Vielfalt spielbarer Charaktere durchweg überzeugend bleiben, vertraut Entwickler Tt Games spielerisch wieder auf seine bewährte, aber eben mehr als bekannte LEGO-Basisformel. Die gelungenen Open World-Experimente des Vorgängers weichen einer starren Level-Struktur mit Aufgaben, die sich ständig wiederholen, und einem Spielablauf ohne viel Abwechslung. LEGO Batman 3 – Jenseits von Gotham ist damit gewissermaßen ein Fließbandprodukt; wenig überraschend, dafür aber von verlässlich hoher Qualität bei Story, Lizenzumsetzung und Technik. Während geübte Spieler schnell gelangweilt sind, bleibt das Spiel wegen seines ziemlich niedrigen spielerischen Anspruchs vor allem für Kinder und junge Spieler empfehlenswert. DC-Fans können ebenfalls bedenkenlos zugreifen und das erwartbare, aber wieder einmal grundsolide Paket aus DC-Lizenzen auspacken.

Wertung:

7.0

Tim Herrmann meint:

"Grundsolider LEGO-Titel mit guten DC-Lizenzen, der sich aber etwas weniger traut als seine Vorgänger."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Gut
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

7 Kommentare:


Chris
vor 7 Jahren | 0
Bei all den LEGO-Spielen weiß ich gar nicht, für welches ich mich entscheiden soll... das ist mir zu blöd... da kauf ich einfach gar keins...

Tobsen
vor 7 Jahren | 0
Ich fand Lego City Undercover echt richtig gut und Marvel Super Heroes ziemlich gut, eben wegen des Open-World-Ansatzes. Fällt der weg (so wie hier bei Batman 3) bleibt echt nicht so viel übrig. Ich fand die Missionen sowohl bei LCU, als auch bei Marvel bedeutend schwächer als das Rumstreunen auf der Oerwelt. Schade, dass Lego jetzt so einen Schritt zurück macht.

cruh
vor 7 Jahren | 0
ging mir genauso. hatte mehr spaß mit der offenen welt und dessen mini-spielen als sich in den levels von raum zu raum zu prügeln.

McClane
vor 7 Jahren | 0
Mensch Tobsen, wenn due so von LCU schwärmst, hol dir mal in eienm halbn Jahr für 30€ GTA V für deine PS4. ;)

Aki
vor 7 Jahren | 0
Ich hab mal nachgezählt. Es sind 97 Ableger. Der Marke Lego. Wenn ich mich nicht irre? Oder mich verzählt hab . Oder einen Titel übersehen hab.

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Wobei viele dieser 97 Titel kaum etwas mit der gegenwärtigen Welle der Spiele von Traveller's Tales zu tun haben. Klar, es ist die gleiche Lizenz, aber ansonsten liegen Welten dazwischen. Wäre eher mal interessant, alle Lego-Titel von Traveller's Tales plus dazu produzierte Ableger für GBA und co, die sich von ihren "großen Brüdern" unterscheiden, zu zählen. Das dürften auch schon jede Menge sein. ^^

Cap10
vor 7 Jahren | 0
@Chris

Für die WiiU ist denke ich LEGO City Undercover erste Wahl, welches nicht nur Open World ist, sondern auch exklusiv für die WiiU entwickelt wurde und daher das Pad vernünftig nutzt. Hat mir persönlich auch viel Spaß gemacht.