Test: Tetrobot and Co.

Von Nico Zurheide am 03. Dezember 2014

Man kann es kaum verleugnen: 2D-Plattformer und Puzzlespiele bilden ein Gros der Indietitel, die dieser Tage so zahlreich das Licht der Welt erblicken. Nun ist das per se erst einmal nichts Schlechtes, bekommen wir Spieler dadurch doch die komfortable Qual der Wahl. Aber durch die Masse an optisch ähnlichen Spielen wird es dem Konsumenten gleichermaßen erschwert, qualitativ höherwertige Werke zwischen all den Nieten herauszupicken. Die unabhängige französische Spieleschmiede Neko Entertainment zählt zu den fleißigeren Publishern im Nintendo eShop. Unter anderem bekamen wir von ihnen bereits "The Mysterious Cities of Gold" (WiiUX-Test) oder direkt zum Wii U-Launch "Puddle" (WiiUX-Test) geboten. Eines haben dabei alle Spiele aus dem Hause Neko gemeinsam: Sie lassen sich dem eben beschriebenen Gros der Indies zuordnen. Lohnt sich ein Blick auf den neuen Titel Tetrobot and Co., der von Swing Swing Submarine entwickelt wurde, oder kann man ihn getrost links liegen lassen? WiiUX klärt auf.

I heard you like robots, so I built a robot for your robot

Trotz des Spieletitels wird in Tetrobot nicht dieser, sondern ein mikroskopisch kleiner Roboter namens Psychobot gesteuert. Letzterer wird in Tetrobot und einige seiner größeren Kollegen injiziert, um diese nach einem Defekt wieder einsatzbereit zu machen. Maya, eine technikbegeisterten Erfinderin und Chemiestudentin, instruiert die ganze Operation. Bilder, kurze Texte und Briefe treiben hierbei die Story voran. Diese ist dabei aber zu keiner Zeit verpflichtend zu verfolgen, was bei einem derartigen Rätselspiel löblich hervorzuheben ist. Durch das Hauptmenü gelangt man direkt in die Levelauswahl; diese sind grob nach Themen zusammengefasst. Pro Bot, den es zu reparieren gilt, stehen fünf Level an, in denen man jeweils drei Speicherteile bergen muss. Zusätzlich gibt es noch ein kürzeres Speziallevel, in dem ein Schlüssel gefunden werden will. Die Anzahl der erhaltenen Speicherteile entscheidet über das weitere Vorankommen im Spiel, nach einer gewissen Anzahl schalten sich automatisch neue Bots zum Bespielen frei. Es ist also dringend ratsam, möglichst alle Speicherteile zu ergattern, obwohl einem hin und wieder auch die Wahl gelassen wird, ein Level zu beenden, ohne es komplett erforscht zu haben.



Jedes Level besteht dabei aus einem Konstrukt an Räumen, das mal mehr und mal weniger ineinander verschachtelt ist. Löst der Spieler zu Beginn des Spiels meist noch einen Raum nach dem anderen, kommt es mit fortgeschrittener Spielzeit zu immer mehr Interaktion zwischen den Räumen. Um alle Speicherteile zu finden, gibt es zumeist nur einen einzigen korrekten Lösungsweg. Vergisst man also zu Beginn eines Levels einen bestimmten Block mitzunehmen, hat man später keine Chance mehr, alle Collectibles zu erhaschen. Ein Fehler löst oftmals gar eine Kettenreaktion aus, die einen Neustart des Levels erforderlich macht. Alternativ gibt es bei Fehlern die Möglichkeit, mittels Druck auf den Y-Button einen einzelnen Zug rückgängig zu machen. Das so entstehende Trial & Error nimmt leider der sonst guten Spieldynamik und den cleveren Bezügen zwischen den Räumen etwas den Wind aus den Segeln.

Minimalismus entfaltet eine große Wirkung
Psychobot hat genau zwei Fähigkeiten, mit denen der Spieler auskommen muss: Blöcke einsaugen und Blöcke ausspucken. In den Rätseln wird mit einer Vielzahl an Materialien und Hindernissen gearbeitet, was den Kopfnüssen trotz der limitierten Roboterfähigkeiten eine gehörige Portion Komplexität verschafft. Neue Blöcke werden immer behutsam in einem sich selbst erklärendem kleinen Rätsel eingeführt und dann im weiteren Spiel vielfältig eingesetzt. Von derartigem Spieldesign könnte sich so manch großer Publisher heutzutage gerne eine Scheibe abschneiden. Dank der stetigen Einführung neuer Elemente, der guten Lernkurve und der ordentlich durchdachten Länge der Level stellt sich schon bald eine "Nur noch ein Level"-Mentalität ein, von der ein solches Rätselspiel lebt. Insgesamt gibt es über 40 Aufgaben, die die Spielzeit auf etwa zehn bis zwölf Stunden heben.



Ein nettes zusätzliches Feature des Spiel stellt ein Sammelbuch dar, in dem alles zusammengefasst wird, was sich abseits der Rätsel abspielt. Neben Erläuterungen zu den Bots gibt es immer wieder neue Fotos mit zugehörigem Text, der die Story weiterspinnt. Knapp dreißig freischaltbare Erfolge sollen zusätzlich zum Weiterspielen animieren. Außerdem kann man sich hier Musikstücke aus dem Spiel anhören; diese sind wie typisch für Puzzler ruhig gehalten, um während der Denkprozesse nicht in den Vordergrund zu drängen. Darüber hinaus lässt sich in dem Sammelbuch das spielinterne soziale Netzwerk "faceblox" durchblättern, in dem zu jedem bereits verwendetem Block aus den Levels drei Kurzeinträge bestehen - zum Teil mit Verweisen auf andere Indiespiele. Auch wenn Tetrobot optisch nichts hermacht, lässt sich technisch im Großen und Ganzen kaum etwas bemängeln. Die Steuerung des Psychobots klappt mittels Touchscreen wohl am besten, aber auch Wii-Remote oder Pro Controller eignen sich gut zum entspannteren Spielen auf dem großen Bildschirm. Leider gab es während des Testlaufs einen Bug, der die Spielmusik durch hässliche Klänge ersetzte; einzig ein Neustart des Spiels behob das Problem.

Fazit:
Einfach ein weiterer schnell programmierter Indiepuzzler? Nicht unbedingt. Durch die unscheinbare Optik läuft der Titel zwar Gefahr, in der Masse an gleichartigen Spielen unterzugehen. Das hätte Tetrobot and Co. aber nicht verdient. Die Rätsel steigern sich kontinuierlich und stellen den Spieler später das ein oder andere Mal vor eine gehörige Herausforderung. Dabei stellt die Interaktion zwischen den einzelnen Räumen ein Highlight dar, das leider durch Trial & Error getrübt wird, weil es nur einen einzigen Lösungsweg gibt. Das optionale Drumherum bildet eine nette Abwechslung zu den Rätseln und zeigt eine gewisse Extramühe der Entwickler. Leider gab es einen Bug, der einen Neustart des Spiels erforderlich machte - auch wenn solch ein Fehler eher selten aufzutreten scheint. Wer also reichlich Rätselspaß und knackige Kopfnüsse zum fairen Preis sucht, ist hier an der richtigen Adresse.

Wertung:

7.5

Nico Zurheide meint:

"Gut durchdachtes Rätselspiel, das ungewöhnlich lange unterhalten kann und einen tollen Spielfluss hat"
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1 Kommentare:


michi1894
vor 6 Jahren | 0
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