Test: Falling Skies - Das Videospiel

Von Michael Prammer am 09. Dezember 2014

Aliens gegen Menschen – ein Szenario, das in beinahe jedem erdenklichen Medium mindestens schon einmal verwurstet wurde. Man sollte also meinen, die Kombination habe mittlerweile ausgedient. Doch weit gefehlt. Immer wieder schaffen es weitere Bücher in die hiesigen Ladenregale bzw. neue Serien ins Fernsehen, die sich mit eben dieser Problematik beschäftigen. Doch was kann es letztlich Schlimmeres geben als ein bestimmtes Thema wieder und wieder durchzukauen? Richtig – passende Videospiel-Umsetzungen dazu zu produzieren. Entwickler Little Orbit hat sich die mäßig erfolgreiche US-Serie Falling Skies geschnappt und versucht ein dazu passendes Lizenzspiel zu entwickeln. Ob der Versuch, der seit einiger Zeit auch im eShop von Nintendos Wii U erhältlich ist, geglückt ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Aliens gegen Menschen
Die US-Serie Falling Skies ist ein Science Fiction-Drama und bildet gleichzeitig die Rahmenhandlung für das namensgleiche Videospiel. Um es kurz zu machen: Außerirdische haben eine Invasion auf die Erde unternommen und die dort lebenden Bewohner stark dezimiert. Erwachsene Menschen wurden weitestgehend getötet, während Kinder mittels Parasiten zu Sklaven „umfunktioniert“ wurden. Eine kleine Widerstandszelle rund um den Befehlshaber Tom Mason zählt zu den letzten überlebenden Menschen auf der Erde. Er und sein Team machen es sich zur Aufgabe sich gegen die Aliens aufzulehnen und den Außerirdischen Paroli zu bieten.

Falling Skies - Das Videospiel ist dabei ein rundenbasiertes Strategiespiel im Stile der XCOM-Serie, die zuletzt wieder auf den Sony- und Microsoft-Konsolen erschienen ist. Wer damit nichts anfangen kann, dem sei kurz das Prinzip erklärt: Ihr befindet euch mit eurer Hauptfigur auf einem Schlachtfeld und habt pro Runde zwei Züge. Während dieser Züge könnt ihr eure Figur eine bestimmte Anzahl an Feldern bewegen oder Aktionen wie Feuergefechte, Sprengungen oder Schildaktivierungen ausführen. Da ihr jedoch nicht nur eine Figur, sondern eine kleine Gruppe von Überlebenden befehligen dürft, werden alle Charaktere auf dem Spielfeld bewegt. Sind alle Züge abgeschlossen, ist der Gegner in Form der CPU am Zug und befehligt seine Alien-Truppen.



Zu Beginn jeder Mission seid ihr jeweils in eurer Basis, in der ihr euch auf den bevorstehenden Kampf vorbereiten könnt. Neben Waffen und Ausrüstung, die ihr verbessern könnt, sind auch die Fähigkeiten der Charaktere anpassbar. Durch das Aufleveln bekommt das Spiel nicht nur kleine Alibi-Rollenspielelemente, sondern macht die Protagonisten, die ihr alle selbst benennen dürft, auch tatsächlich spürbar stärker. Die Missionen selbst lassen sich dabei in zwei unterschiedliche Arten gliedern. Team-Missionen treiben die Geschichte des Spiels voran und lassen den Spieler auf die Aliens los. In den Entsendungsmissionen befehligt ihr hingegen lediglich einen einzelnen Charakter. Dieser begibt sich dann jeweils auf die Suche nach Nahrung und Ressourcen, die für das Spiel dringend notwendig sind. Denn neben dem Alien-Problem herrscht auf der Erde auch aktue Nahrungsknappheit und so bekommt das Spiel sogar noch einen seichten Survival-Touch spendiert. Das Problem an der Sache ist jedoch, dass ihr bei den Entsendungsmissionen nur bestimmte Vorgaben machen könnt, aber eure Figur selbst leider nicht selber steuern könnt und somit in der Praxis einfach abwartet, bis diese wieder ins Lager zurückkehrt. Somit sind lediglich die Team-Missionen steuerbar und die Entsendungsmissionen dienen nur als nettes Beiwerk.

Technischer Lizenzmüll

Falling Skies hat mehrere Probleme, die das Spiel zu einer typischen Film- bzw. Serien-Umsetzung machen. Dies beginnt bei der KI. Eure Gegner stellen sich nicht selten strunzdumm an und positionieren sich ohne erkennbaren Grund in Reichweite der eigenen Einheit. Dadurch ist es oftmals ein Leichtes diese zu beseitigen. Da dies wirklich häufig passiert werden viele der Missionen stark vereinfacht, sodass beinahe sämtliche taktische Komponente verloren geht. Weiter geht es mit der technischen Umsetzung. Die Grafik von Falling Skies wirkt sehr altbacken und hätte wohl auch problemlos auf der PlayStation 2 oder dem GameCube zu Hause sein können. Auch die starre und nicht manuell nachjustierbare Kamera sorgt immer wieder für Frustmomente. Einzige Ausnahme bildet der Wechsel in den Angriffsmodus. Dann nämlich zoomt die Kamera zum Spieler und ihr bekommt das Gefühl eines 3rd-Person-Shooters vermittelt. Ist die Aktion jedoch abgeschlossen, findet sich die starre Kameraposition wieder ein. Soundtechnisch gibt es hingegen nicht viel zu meckern: Die deutschen Synchronsprecher sind absolut in Ordnung und die musikalische Untermalung passt gut zum Spielgeschehen. Auch die klassisch gehaltene Padsteuerung funktioniert recht gut. Doch warum um alles in der Welt nutzen die Entwickler nicht die Touchfunktion des GamePads? Spätestens hier wird nämlich recht deutlich, dass die Entwickler einfach nur eine plumpe Portierung abgeliefert haben und nicht weiter auf Wii U-Features eingegangen sind. Das ist mehr als nur schade, passt aber zum Gesamtbild des Titels.



FAZIT:
Falling Skies – Das Videospiel ist in seinem Kern durchaus ein ordentlicher, rundenbasierter Strategie-Shooter. Die kleinen Rollenspielelemente und die verschiedenen Missionen könnten für einige Stunden Spielspaß sorgen, außerdem wissen auch die deutschen Synchronsprecher durchaus zu gefallen. Doch das Spiel torpediert sich durch viele Unzulänglichkeiten im Prinzip selbst. Die fast schon mittelalterliche Grafik, die häufig übertrieben dumm agierenden Gegner und die mit Ausnahme von Off-TV gänzlich fehlenden Wii U-Features machen Falling Skies leider zu einer typischen Lizenzverwurstung. Einzig die Tatsache, dass es sonst keinen anderen Taktikshooter für Wii U gibt, könnte Genre-Fans zu einem Kauf locken. Der Preis von rund 40€ ist aber für die erhaltene Gegenleistung eine mittelgroße Frechheit.

Wertung:

4.5

Michael Prammer meint:

"Typischer Lizenzbrei, der lediglich Genre-Fans eine Freude bereiten könnte. Aber nicht zu dem Preis!"
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3 Kommentare:


michi1894
vor 6 Jahren | 0
...

JoWe
vor 6 Jahren | 0
Ach schade ... Xcom macht Laune, deswegen wird man hier wohl druch den Vergleich wohl nur enttäuscht, gerade wegen der (nicht vorhandene) KI.
Danke für den Test!

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Bedauerlich, hatte auf etwas in Richtung XCOM gehofft... und besonders aufgrund des horrenden Preises doch mehr erwartet.

Wer Interesse an diesem Spiel hatte, sollte aber wirklich zu XCOM greifen, gibt es zwar nicht für Wii U aber für so viele Plattformen, dass sich sicher eine findet auf der man es spielen kann.