Test: Golden Sun 2: The Lost Age

Von Tim Herrmann am 27. Dezember 2014

Wie… Fortsetzung folgt? Was ist denn nun mit den Leuchttürmen der Elemente? Was wird aus Babi, dem mysteriösen Herrscher von Tolbi? Wo ist Lemuria? Und wie geht es Felix und Cosma, nachdem sie von der Spitze des Venus-Leuchtturms gestürzt sind? Das GameBoy Advance-Rollenspiel Golden Sun endete ohne Antworten und mit vielen offenen Fragen. Ein klassischer Cliffhanger. Schwer zu ertragen. Anderthalb Jahre dauerte es, bis Nintendo die Fragen mit Golden Sun 2: The Lost Age beantwortete. Auf der Virtual Console ließ der Nachfolger nur sechs Monate auf sich warten. Nun sind beide GBA-Rollenspiele auch für Wii U erhältlich.

Golden Sun 2 beginnt mit quälenden 260 Zeichen. Das ist die Länge des Gold-Passworts, das den Spielstand nach dem Ende von Teil 1 ins zweite Spiel überträgt. Mit einer halb-geheimen Tastenkombination (L, R, links und B-Taste im Hauptmenü) schaltet der Spieler in Teil 1 einen Code frei, der entweder ganz rudimentäre oder detaillierte Informationen des Spiels in Teil 2 überträgt. Besonders für Fans ist das empfehlenswert. Denn neben der Übertragung wichtiger Statuswerte bewirkt die Verknüpfung auch einige liebevolle Rückbezüge auf bestimmte Entscheidungen, die der Spieler in Teil 1 getroffen hat. Die Zeichen müssen allerdings langwierig manuell übertragen werden, die Übertragung via GameLink-Kabel kommt aus nachvollziehbaren Gründen in der Virtual Console-Version nicht in Frage. Das ist bei 260 Zeichen für den Deatil-Code ärgerlich. Besonders wenn man bedenkt, dass beide Spielstände eigentlich direkt nebeneinander auf der Festplatte der Wii U-Konsole lagern und leicht hätten miteinander verknüpft werden können. Doch die allermeisten Virtual Console-Titel sind eben reine Portierungen ihrer Originale, Nintendo hat sich hier nicht um mehr Komfort bemüht.

Alte Reise, neue Protagonisten

Ist alles vorbereitet, beginnt der Spieler eine neue Reise, die sich nahtlos mit Teil 1 verzahnt. Im Vorgänger noch die Ewiggejagten, sind Felix und Jenna, der Alchemiegelehrte Kraden und das mysteriöse Mädchen Cosma jetzt die Protagonisten. Während Golden Sun 1 noch zu Ende geht, beginnt Golden Sun 2 an einem anderen Ort. Die Ereignisse auf dem Venus-Leuchtturm bringen die Welt ins Wanken, wie Papierboote driften ganze Kontinente plötzlich über den Ozean. Felix‘ Truppe strandet an einem neuen Kontinent und beginnt ihre Reise.

Nach wie vor haben sie zum Ziel, die Leuchttürme der Elemente zu entzünden, um die Macht der Alchemie zu entfesseln – in Hoffnung eines neuen, goldenen Zeitalters. Isaac und Garet, Kindesfreunde aus dem kleinen Dorf Vale, stehen ihnen entgegen. Schnell wird klar: Wer Golden Sun nicht kennt, dem bleibt ein großer Teil der Geschichte von Golden Sun 2 verschlossen, schließlich basieren die beiden Spiele inhaltlich fast unzertrennlich aufeinander.

Das bedeutet aber nicht, dass Golden Sun 2 ohne Vorkenntnisse gar keinen Spaß machen würde. Denn wie schon in Teil 1 gilt wieder in weiten Teilen: Der Weg ist das Ziel. Die vielen kleinen und größeren Einzelgeschichten auf dem Weg machen den Charme der Reise aus. Ein düsteres Werwolfdorf, eine beklemmende Opferzeremonie oder skrupellose Piraten – all das hat mit der übergreifenden Hauptstory nichts zu tun, unterhält den Spieler aber gut auf dem Weg über den Spannungsbogen, hin zur Klimax, die am Ende in der verbleibenden zwei Leuchttürmen gipfelt. Auch Teil 2 setzt dabei wieder heftig auf Dialoge, auf den intensiven Gebrauch von Emoticons und auf Charaktere. Manchmal übertreiben es die Entwickler aber ein wenig mit der Länge der Gespräche und Zwischensequenzen, die sich nicht überspringen lassen. Wie schon Golden Sun 1 wird auch der Nachfolger nur in der englischsprachigen Version angeboten.

Mehr vom Gleichen, nur größer

Spielerisch ist in Golden Sun 2: The Lost Age alles beim Alten geblieben. Und das ist auch gut so, schließlich spielte sich Teil 1 fantastisch. Bereisen Felix und seine Freunde einmal nicht die geradezu schikanös verästelte Weltkarte, befinden sie sich in Dörfern oder in Dungeons. Während in den Dörfern der Dialog mit den Einwohnern an erster Stelle steht, sind es in den Verliesen – Höhlen, Tempel, Wüsten, Berge oder Leuchttürme – die Rätsel: Ihr müsst die richtigen Wege finden und eure magischen Psynergiekräfte nutzen, um Mechanismen zu bedienen oder Schätze freizulegen. Das erfordert mehr Geduld als Hirnschmalz, doch meistens schafft es das Spiel, sein Tempo zu wahren.

Schnell fällt auf, dass Golden Sun 2 wesentlich größer ist als sein Vorgänger. Das beginnt bei der Weltkarte, die neben mehreren Kontinenten nun auch riesige Ozeane zur Erkundung anbietet. Doch auch manch ein Dungeon ist deutlich umfangreicher. Das macht sich manchmal positiv, manchmal aber auch negativ bemerkbar: Wege werden länger, Ereignisse seltener. Golden Sun 2 fühlt sich nicht so kompakt an wie der Vorgänger, gibt euch dafür aber auch ein viel größeres Freiheitsgefühl.

Zwischendurch greifen sowohl in Dungeons als auch auf der Weltkarte nach dem Zufallsprinzip Gegner an, die ihr mit physischen oder Psynergie-Angriffen erledigt. Den effektivsten und effizientesten Kampfstil ermöglichen die Djinns, kleine Elementargeister, die sich entweder im Kampf mit individuellen Fähigkeiten entfesseln oder in Gruppen zu mächtigen Angriffen beschwören lassen. Teil 2 bringt dabei einige neue Beschwörungen mit sich, die ihr im Verlauf des Spiels entdecken müsst. Die Kämpfe sind meist eher eine Pflichtübung zum Aufleveln, schließlich kann man sie meist mit wenigen Djinn-Angriffen unbeschadet für sich entscheiden. Doch manch ein Endgegner verlangt nach ausgeklügelten Strategien.

Ebenfalls auf hohem Niveau verbleibt die Grafik – wenn sie sich im Vergleich zum Vorgänger nicht gar leicht verbessert hat. Golden Sun war seiner Zeit auf dem GBA weit voraus und sieht auch heute noch fantastisch aus. Die detaillierten Umgebungsgrafiken und lebendigen Charakteranimationen wirken klasse und bringen zweidimensionale RPG-Grafiken trotz der hardwarebedingt geringen Auflösung nah an die Perfektion. Auch die Musik schafft es fast immer, die beklemmende Atmosphäre einer düsteren Höhle oder die majestätische Imposanz eines elementaren Leuchtturms einzufangen.

FAZIT:

Golden Sun 2: The Lost Age entfaltet seinen ganzen Charme, wenn man es zusammen mit seinem Vorgänger betrachtet. Beide Titel bilden eine spielerische Einheit, die sich durch zwei eng miteinander verwobene Story-Stränge prima ergänzen. Die Möglichkeit zur Übertragung des Erstlingsspielstands verstärkt diese Synergie noch. Zusammen bilden Golden Sun und Golden Sun 2: The Lost Age eine sehr empfehlenswerte Rollenspielsaga, die auf hohem Niveau gealtert ist. Für sich allein betrachtet ist Teil 2 zwar das wesentlich umfangreichere Spiel, kämpft aber wegen der schieren Größe seiner Welt und einiger Dungeons auch manchmal mit Tempo-Problemen. Teil 1 ist kompakter, knackiger, dafür aber gewissermaßen auch nur die Vorgeschichte. So kann man die zwei Spiele tatsächlich als zwei Seiten einer Medaille betrachten, jeder Teil hat seine ganz eigenen Qualitäten. Qualitäten, die Golden Sun auch heute noch zu einer mehr als bemerkenswerten Rollenspielreihe machen.

Wertung:

8.5

Tim Herrmann meint:

"Golden Sun 2 verliert sich manchmal in seiner schieren Größe, bildet in Zusammenspiel mit seinem Vorgänger aber eine mehr als lohnende Rollenspielerfahrung."
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4 Kommentare:


Tim
vor 6 Jahren | 0
WiiUX-Review zum Virtual Console-Spiel Golden Sun 2: The Lost Age

Buttergebäck
vor 6 Jahren | 0
Dem Fazit kann ich nur beipflichten. Besonders Motoi Sakurabas Soundtrack ist für mich so ein bisschen die Definition herausragender Videospiel-Musik.
Was ich wirklich hoffe ist, dass es auch noch einen Nachfolger zum dritten Teil, "Die dunkle Dämmerung", geben wird. Der hat nämlich ebenfalls gelinde gesagt mit einem Cliffhanger geendet.

Der R
vor 6 Jahren | 0
Stimme mit dem Fazit überein. Teil 1 hätte von mir noch 9-9,5Punkte bekommen und ist eines meiner absoluten Lieblingsrollenspiele. Der zweite Teil hat sich nicht so "dicht" angefühlt. Allgemein gefällt mir in der Serie aber sehr gut, dass man auch die erlernten Fähigkeiten in der Umgebung anwenden kann. In vielen rundenbasierten Spielen ist es heute noch so - man kann in Kämpfen Feuer-Stürme entfachen...und in der Landkarte nicht einmal einen Busch aus dem Weg räumen.

Zanza
vor 6 Jahren | 0
Sehr schade, eigentlich wollte ich mir beide Teile für die VC holen aber die gibt es nur in Englisch, ziemlich schwach von Nintendo. Dabei gibt es das Spiel ja auf Deutsch, zumindest für den GBA - warum es in der VC nur Englisch gibt verstehe ich überhaupt nicht.

Mein Englisch ist halt nicht besonders gut.