Test: Underground

Von Michael Prammer am 30. Januar 2015

Auf der vergangenen E3 wurde von Miyamoto ein Projekt vorgestellt, das den Titel Project Giant Robot trägt. Auch wir von WiiUX hatten auf dem Post E3-Event die Möglichkeit, den Titel Probe zu spielen. Das Spiel wird mit dem Wii U GamePad gesteuert und dank der beiden Controllsticks werden beide Arme und Beine separat angesteuert. Ein ähnliches Spielprinzip verfolgt nun auch der eShop-Titel Underground, der normalerweise in abgewandelter Form als OP-Simulation für junge Medizinstudenten dient. Grendel Games hat aus dem Trainingsprogramm für Ärzte einen kleinen Download-Titel gebastelt, den wir von WiiUX auf Herz und Nieren geprüft haben.

Sari und ihr Roboter

Die Geschichte hinter Underground ist insgesamt sehr verwirrend und klärt sich im Spielverlauf auch nicht vollumfänglich auf. Das kleine Mädchen Sari befindet sich jedoch zu Beginn in einer Roboterfabrik und sucht sich dort einen Roboter aus, der eigentlich als Haushaltshilfe dienen soll. Doch kaum ist der neue Weggefährte erwählt worden, befindet sich der Spieler bereits mit seinen beiden Roboterarmen in einer dunklen Höhle. Versteht ihr nicht? Wir auch nicht. Doch sei es drum, der Einstieg ins Spiel wird ohne nennenswerte Höhepunkte unspektakulär herbeigeführt. Der Spieler steuert auf alle Fälle diesen Roboter und kann dessen Arme einsetzen.



Der eigentliche Clou an Underground ist jedoch die außergewöhnliche Steuerung. Mit dem rechten und linken Controllstick steuert ihr den rechten, bzw. linken Arm eures maschinellen Freundes. Das GamePad dient dabei als Auswahl für unterschiedliche Werkzeuge, da jeder Arm sein eigenes Tool auswählen kann und sich auch unabhängig vom anderen steuern lässt. Diese müsst ihr einsetzen, um kleine Roboter durch ein Höhlensystem zu geleiten und sicher zum Ausgang zu führen. Jedoch laufen diese kleinen elektronischen Wesen von alleine und der Spieler bereitet lediglich mit Hilfe der beiden Arme den Weg vor. Das erinnert unweigerlich an die Lemmings und spielt sich im Grunde auch so. Es gilt Steinbrocken zu zerstören, Eis zu schmelzen oder Brücken zu bauen, andernfalls bewegen sich die Roboter nicht weiter. Neue Gegenstände, wie Brücken oder Aufzüge, lassen sich dank des Einschmelzens von Metallen herstellen. Ist die geforderte Anzahl ins Ziel gebracht, ist das Level beendet. Auf dem Weg zum Ziel gibt es zudem noch einige Extras zu finden. Hier beginnt jedoch schon das erste Problem – die KI. Die Wesen stellen sich nämlich oftmals extrem verblödet an und haben nur den Ausgang im Sinn. Für einen perfekten Levelabschluss reicht es daher oftmals schon alleine wegen des dummen Verhaltens der Roboter nicht. Frustmomente sind oftmals die Folge.



Tolle Idee, schlechte Umsetzung
So innovativ und gut gemeint die Steuerung auch sein mag, so unpräzise funktioniert sie in der Praxis. Die Kamera lässt sich beispielsweise nicht manuell justieren und lediglich der Einsatz der beiden Arme verlagert das Spielgeschehen. Das führt oftmals dazu, dass man die Arme wild hin und her bewegt, bis man endlich ein wenig Übersicht findet. Darüber hinaus kann man sich als Spieler oftmals die Frage stellen, warum überhaupt zwei Arme benötigt werden. Oft reicht schon der Einsatz einer Hand völlig aus, sodass das 2-Hand-Steuerungsprinzip fast schon zum unnützen Gimmick verkommt. Anders als bei den Lemmingen, stürzen die kleinen Roboter zudem nicht in den Abgrund, sondern warten brav, bis der Weg für die kleinen Wesen freigemacht wurde. Dadurch fehlt es jedoch auch an einer größeren Herausforderung, zumindest wenn es lediglich darum geht einen Level nur abzuschließen. Dennoch hat Underground einen gewissen Schwierigkeitsgrad, der aber lediglich der hakeligen Steuerung, der KI und der unpräzisen Kamera geschuldet ist. Mit ein wenig Übung lassen sich allerdings einige gelungene Moves vollführen, die dann durchaus auch die Genialität der Grundidee kurz aufblitzen lassen.



Leider zeigt sich Underground auch optisch nicht gerade von seiner besten Seite. Vom Niveau her hätte der Download-Titel auch ohne Probleme auf der Wii erscheinen können. Der Sound reißt ebenfalls keine Bäume raus und darf höchstens als nettes Beiwerk angesehen werden. Neben dem Wii U-GamePad gibt es auch keine weiteren Eingabemöglichkeiten. Wii-Remote und Nunchuk wären eine willkommene Alternative gewesen, zumal man den GamePad-Bildschirm lediglich für die Werkzeugauswahl verwenden kann. Liebe Entwickler, ihr habt für Nintendos Wii U einen eShop-Titel entwickeln dürfen. Wo um alles in der Welt habt ihr die Off-TV-Funktion versteckt? Zu allem Überfluss ist das Spiel komplett auf Englisch, was gerade auch jüngere Spieler vergraulen könnte.

FAZIT:
Underground ist ein Download-Spiel mit einer wirklich tollen Spielidee. Das WiiU-GamePad mit seinen beiden Controllsticks darüber hinaus als Roboterarme zu benutzen, auf diese Idee ist auch schon Shigeru Miyamoto bei Projekt Giant Robot gekommen. Kann also gar nicht so schlecht sein. Im Prinzip hätte das Download-Spiel daher das Zeug zum absoluten Hit gehabt. Leider versagt der Titel in nahezu jeder anderen Disziplin. Unpräzise Steuerung, schlimme Kameraführung, Grafik von vorgestern und dummes KI-Verhalten der eigentlichen Protagonisten im Spiel – für ein gutes eShop-Spiel ist das leider zu wenig. Dann kommt noch der schlimme Preis dazu, der für das gebotene Gesamtpaket einfach viel zu hoch ist. Wenn dieser einmal angemessen ist, kann man vielleicht mal über die Möglichkeit nachdenken, die eigentlich tolle Spielidee auszuprobieren.

Wertung:

5.0

Michael Prammer meint:

"Super Spielidee mit katastrophaler Umsetzung. Schade, hier war deutlich mehr drin."
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2 Kommentare:


michi1894
vor 4 Jahren | 0
...

JoWe
vor 4 Jahren | 0
Ahrg ... es ist schade wenn schöne Konzepte durch so viele andere Faktoren kaputtgemacht werden - die das ganze Gameplay versauen. Danke für den Test!