Test: Mega Man X3

Von Andreas Held am 31. Januar 2015

Dass Capcom mit Mega Man X2 nicht mehr an den Erfolg des Erstlings anknüpfen konnte, hielt den japanischen Publisher nicht davon ab, nach nur einem weiteren Jahr auch noch einen dritten Teil der Action-Serie auf dem SNES zu veröffentlichen. Mega Man X3 erschien erst sehr spät im Lebenszyklus der 16-Bit-Heimkonsole, als das N64 schon in den Startlöchern stand. Wohl auch aus diesem Grund ist das SNES-Modul eines der seltensten und wertvollsten überhaupt - gut erhaltene Exemplare mit Originalverpackung und Anleitung wechseln auf eBay gar für hohe dreistellige Eurobeträge den Besitzer. Wer sich diese Episode aus der Maverick-Saga zu Gemüte führen will, ist also mit dem Virtaul Console-Release ungleich besser beraten. Wir haben für euch untersucht, wie sich Mega Man X3 im Vergleich zu seinen Vorgängern schlägt und ob der hohe Sammlerwert gerechtfertigt ist.

More of the Same

Wie schon beim zweiten Teil ist von Anfang an offensichtlich, dass sich Mega Man X3 spielerisch praktisch gar nicht von seinen Vorgängern unterschiedet. Der Protagonist kann weiterhin springen, schießen, seinen Schuss aufladen, von Wänden abspringen und einen kurzen Turbo-Schub aktivieren, um Geschossen auszuweichen oder weite Abgründe zu überwinden. Auch die Struktur aus einem Einleitungslevel, acht Levels die in einer beliebigen Reihenfolge gespielt werden dürfen und einer abschließenden Festung hat sich nicht geändert. Das Gameplay funktioniert weiterhin sehr gut - die bewährte Steuerung wurde nicht verändert. Allerdings empfiehlt es sich auch diesmal wieder, die Tastenbelegung in den Optionen so einzustellen, dass ihr den Turbo mit einer der Schultertasten aktivieren könnt. Weite Sprünge, vor allem von einer Wand aus, sind auf diese Weise deutlich leichter zu bewältigen.

Das Leveldesign in Mega Man X3 ist weitestgehend enttäuschend. Vielleicht bedingt durch die kurze Entwicklungszeit wirken viele Areale regelrecht unfertig - ganze Levelabschnitte sind einfach leer und können unbehelligt durchwandert werden, nicht selten ist nach einer erschreckend kurzen Zeit bereits der Endgegner erreicht, und visuelle Highlights wie der Staudamm in der Heimat von Toxic Seahorse sind selten. Auch der Schwierigkeitsgrad ist insgesamt sehr niedrig gehalten - da wirkt die Möglichkeit, den deutlich stärkeren Zero zum jeweiligen Endgegner zu steuern, fast schon redundant. Immerhin werten alternative Routen und die versteckten Extras, mit denen X aufgerüstet werden kann, das Leveldesign etwas auf und sorgen außerdem für Wiederspielwert.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Endgegner, die über zahlreiche Angriffsmuster verfügen und selbst geübte Mega Man-Veteranen vor eine immense Herausforderung stellen werden. Zwar erhaltet ihr - wie in jedem anderen Auftritt des Blue Bombers - nach einem Sieg über einen Obermotz dessen Spezialwaffe, die wiederum die Schwachstelle eines anderen Endgegners bildet, der sich in der Folge sehr leicht aus dem Weg räumen lässt. In Mega Man X3 ist es jedoch sehr schwierig, überhaupt einen Einstiegspunkt zu finden, denn keiner der acht Endgegner ist spürbar schwächer als seine Kollegen. Leider wirken die Endkämpfe nicht immer fair - wenn Gravity Beetle zwei schwarze Löcher gleichzeitig in der Arena herumspringen lässt, ist es scheinbar unmöglich, diesen noch auszuweichen. Auch einige andere Angriffsmuster sind eher zweifelhaft.

Technisch ist Mega Man X3 auf einem Level mit seinen Vorgängern. Tummeln sich viele Sprites auf dem Bildschirm, treten vereinzelt ein paar Slowdowns auf - ansonsten ist die Spielengine jedoch Blitzsauber. Der Soundtrack hat sich im Vergleich zur enttäuschenden Musikuntermalung des zweiten Teils wieder merklich gebessert, kann aber immer noch nicht mit der Fetzigkeit des OSTs von Mega Man X oder dem Ohrwurmcharakter der NES-Melodien mithalten. Außerdem hält mir mein Kollege Burkhardt gerade eine Pistole an den Kopf und zwingt mich dazu, aufzuschreiben, dass die Musik im Level von Blizzard Buffalo besonders schön sei.

FAZIT:

Wer an Mega Man X2 seinen Spaß hatte, wird wohl auch vom dritten Teil nicht enttäuscht werden. Spielerisch sind die beiden Raritäten etwa auf dem gleichen, soliden Niveau. Mega Man X3 sammelt einige Minuspunkte durch die insgesamt zu kurzen und uninspirierten Levels, kann diesen Fauxpas aber durch die knallharten Endkämpfe wieder ausgleichen. Serienfans dürfen also wieder zugreifen - Neulingen sei hingegen das deutlich bessere Mega Man X empfohlen.

Wertung:

7.0

Andreas Held meint:

"Mega Man X3 ist ein solider Action-Titel, im Gegensatz zum Erstlingswerk jedoch kein absoluter Klassiker."
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1 Kommentare:


mega
vor 6 Jahren | 0
So wie ich die Wertung von X mit 10 etwas zu hoch und von X2 zu tief fand muss ich auch bei der X3 sagen das eine Wertung von 7, besonders im Gegenteil zum schlechteren Vorgänger, zu tief ist.

Ich persönlich finde das Leveldesign keineswegs schlechter als von X2. Klar ist, dass die Bosskämpfe sehr schwer und auch teils unfair wirken. Die alternativen Routen und Zwischenbosse sind hingegen aber durchaus gelungen. Negativ ist immer noch der relativ geringe Umfang was man hätte schon beim Erstling ankreiden müssen.

Auch wenn es für mich mit 7.5 zu niedrig ist, so ist es doch noch ziemlich von dem Erstling entfernt, mit dem Capcom ein wahrhafter Klassiker gelungen ist. Am Ende ist Mega Man sowieso eine Frage des Geschmacks... ;)