Test: Mario vs. Donkey Kong: Tipping Stars

Von Tim Herrmann am 05. März 2015

„Nein, nein, das ist kein echtes Spiel, das ist nur eine Tech-Demo für unser tolles, neues Nintendo Web Framework.“ Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass Nintendo auf der Game Developer’s Conference Mario vs. Donkey Kong für Wii U zeigte und steif und fest behauptete, dass das gar nicht Mario vs. Donkey Kong für Wii U sei. Natürlich war es doch Mario vs. Donkey Kong für Wii U, drei Monate nach der wenig subtilen Andeutung kam die offizielle Ankündigung. Und so erscheint das fertige Download-Spiel in diesen Tagen nicht nur für die Heimkonsole, sondern auch für den Nintendo 3DS.

Es ist der sechste Teil von Nintendos Spin-Off-Reihe, die seit jeher als Rätsel-Snack für Zwischendurch herhält, gerne auch auf Download-Plattformen. Begonnen hat sie mit einem recht klassischen Rätsel-Jump & Run für den GameBoy Advance, in dem der Spieler noch Mario selbst steuerte. Erst auf dem Nintendo DS wechselten die Entwickler von Nintendo Software Technology (NST) dann zu den Mini-Marios, die bis heute die Hauptrolle spielen. Als kleine Aufziehpüppchen laufen sie durch die Levels und müssen vom Spieler in die richtige Richtung gelenkt werden.

Back to Nintendo DS

Nach einem etwas aus der Reihe tanzenden 3D-Ausflug auf dem Nintendo 3DS sind die Mini-Marios auf Wii U und Nintendo 3DS wieder in ihrer klassischen 2D-Seitenansicht angekommen und ähneln spielerisch damit sehr stark den DS-Ablegern der Reihe: Die Spielfiguren laufen automatisch. Über den Touchscreen platziert ihr Brücken, Trampoline, Laufbänder oder Röhren, um die kleinen Figuren über ein 2D-Spielfeld zu lenken und sie Münzen einsammeln zu lassen. Fallen dürfen sie natürlich nicht zum Opfer fallen, am Ende sollen alle gleichzeitig an einem oder mehreren Zielen ankommen. Trifft eine Mini-Figur (Mario, Peach, Toad) auf ein nicht-tödliches Hindernis, dreht sie sich einfach in die andere Richtung um.

In jeder Welt, die acht Levels bietet, führen die Entwickler ein neues Element zum Levelbauen ein. Nachdem die ersten Herausforderungen noch entsprechend simpel sind, wird es kniffliger, wenn drei, vier oder fünf Elemente miteinander kombiniert werden müssen, um die Mini-Marios zum Ziel zu bringen. Trotzdem ist das Geschicklichkeitsspielchen kein Enygma: Die richtige Lösung eines Levels erfordert zwar ein bisschen Trial & Error durch stetiges Ausprobieren verschiedener Lösungen, am Ende ist die perfekte Endbewertung aber ein sehr realistisches Ziel.

Zwar können Spieler noch die ersten Schritte in einem Level vorbereiten, bevor sie die Mini-Marios durch Antippen in Gang setzen, doch die meisten Handgriffe müssen während der Action erledigt werden. Denn dem Wegbereiter steht nur eine begrenzte Zahl an Hüpf-, Brücken- oder Hinderniselementen zur Verfügung. Wer eine Brücke bauen möchte, muss dafür zunächst eine andere wieder abbauen, gleiches gilt für alle anderen Elemente. Weil die Mini-Marios nicht darauf warten, dass der Spieler mit seinem Plan zu Potte kommt, kann das ganz schön hektisch werden. Mario vs. Donkey Kong ist dadurch zwar im Kern noch ein langsames Strategie- und Rätselspiel, bekommt durch die Echtzeit-Bearbeitung des Levels aber eine bessere Dynamik.

Der findige Leser wird bereits messerscharf konkludiert haben, dass das komplette Spiel auf dem Bildschirm des GamePad abläuft. Auf dem Touchscreen werden die Weichen gestellt und Hebel umgelegt, um den Minis den Weg zu ebnen, auf dem Fernsehbildschirm wird all das 1:1 gespiegelt. Der große TV hat damit also keinen Mehrwert und kann getrost ausgeschaltet bleiben. Nur bei besonders großen Levels kann es manchmal angenehm sein, den gesamten Level auf dem Fernseher zu sehen, während man auf dem GamePad horizontal oder vertikal scrollen muss.

Levels aufgebraucht? Einfach neue bauen.

Damit ist eigentlich alles gesagt: Mario vs. Donkey Kong: Tipping Stars bringt wieder etwa 80 vorgefertigte Levels und einige Bonus-Levels mit. In jedem Einzelnen versucht der Spieler, möglichst alle Münzen und Schätze einzusammeln und den effizientesten Weg zu gehen, um aus der Restzeit Zusatzpunkte zu gewinnen. Die sind für die Endplatzierung entscheidend: Drei Goldsterne gibt es nur für diejenigen, die alle Schätze einsammeln konnten und am Ende noch ordentlich Zeit übrig haben. Mit den Sternen könnt ihr Bonus-Levels freischalten.

Sind auch die perfekt gelöst, bleibt der Level-Editor, den auch vorherige Mario vs. Donkey Kong-Spiele schon boten. Mit den Elementen, die ihr in den Welten aus dem Hauptspiel findet, könnt ihr auf dem Touchscreen eigene, auch komplexe, Rätsel basteln und mit der Internet-Community teilen. Für besonders gelungene Mario-Kurse belohnen andere Spieler ihre Mitspieler vielleicht mit Sternen oder einem Lob im Miiverse - daher auch der Beiname "Tipping Stars". Ein Tip ist im Englischen ein Trinkgeld. Viel mehr als Prestige bringen die Sterne aber nicht - zumindest nicht, wenn bereits alle Bonus-Levels freigekauft sind. Wer also die Geduld und das Geschick hat, kleinere oder größere Levels selbst zu konstruieren, kann den Spielwert von Mario vs. Donkey Kong: Tipping Stars erheblich steigern. Level-Editor-Muffel werden auch hier nicht plötzlich zu The World's Next Game-Designern.

FAZIT:

Mario vs. Donkey Kong: Tipping Stars ist ein ganz und gar solider neuer Eintrag in Nintendos Knobelreihe. Neue Ideen bringt diese Fortsetzung des hinlänglich bekannten DS-Konzepts nicht mit. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass es sich im Prinzip nur um ein Abfallprodukt der Tech-Demo für das Web Framework handelte, mit dem Entwickler HTML5-Spielchen in Windeseile auf Wii U portieren können. Doch an der Qualität der Umsetzung gibt es unabhängig davon eigentlich nichts auszusetzen. Wer Rätselspiele mag und sich von etwas Hektik während der Lösung nicht aus dem Konzept bringen lässt, macht mit Mario vs. Donkey Kong: Tipping Stars nichts verkehrt. Und wer auch noch selbst kreativ werden möchte, bekommt hier einen vollumfänglichen Level-Editor mit sozialen Features.

Wertung:

7.5

Tim Herrmann meint:

"Eine gute, wenn auch nicht überraschende Fortführung eines guten, wenn auch nicht überraschenden Spielkonzepts."
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

1 Kommentare:


ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Also nichts unerwartetes, war ja abzusehen :)