Test: Metroid - Zero Mission

Von Tim Herrmann am 21. März 2015

Dieser Test beginnt mit einer harten Wahrheit: Nintendo hat aktuell kein Metroid-Spiel angekündigt. Der letzte Eintrag war Metroid – Other M. Das ist jetzt fast fünf Jahre her. Und der Wii-Titel war ein kommerzieller Flop. Samus Aran hat sich seitdem offenbar irgendwo in den unendlichen Weiten verflogen und findet den Weg zurück zur Erde nicht. Doch alle Hoffnung auf einen Nachfolger ist nicht verloren, schließlich war die Serie acht Jahre nach Super Metroid schon einmal fast vergessen, bevor sie mit Metroid Fusion und Metroid Prime furios wiederauflebte. Ob die interstellare Kopfgeldjägerin nun bald zurückkommt oder nicht - ihre Klassiker bleiben. Wie durch ein Fotoalbum kann man sich auf Wii U durch fast alle Serienteile blättern: Der Erstling vom NES ist da, Super Metroid ist da, die Prime-Trilogie und Metroid Fusion gehören auch schon zum Download-Portfolio. Mit Metroid – Zero Mission stößt jetzt ein weiterer Klassiker dazu. Wir testen ihn.

Inspired by Metroid

Die Zero Mission ist genau das, was sie verspricht: Samus Arans Ur-Abenteuer. Doch der GBA-Titel ist mehr als ein Remake des Klassikers vom Nintendo Entertainment System. Zum Glück. Denn der Ursprung der Metroid-Reihe ist in vielen Belangen sehr schlecht gealtert. Metroid – Zero Mission ist eher „inspiriert von Metroid“. Das Spiel greift das Szenario des ersten Teils auf und verwendet das grundlegende Weltendesign wieder.

Daneben ist Metroid – Zero Mission aber ein neu entwickeltes Spiel, das die Nintendo-Entwickler mit vielen modernen Errungenschaften der Action-Reihe aufgepeppt haben: zuerst natürlich mit zeitgemäßer GBA-Grafik und -Musik, wie man sie von Metroid Fusion kennt. Eine Weltkarte und ein Leitsystem geben endlich Orientierung in den dunklen Katakomben des Planeten Zebes. Auch der Schwierigkeitsgrad ist in der GBA-Adaption gnädiger und damit massenkompatibler geworden. Neben diesen kosmetischen Änderungen sind auch zahlreiche neue Ausrüstungsgegenstände und Moves dazugekommen, von denen im Original nie die Rede war. Damit gehen natürlich veränderte Level-Designs einher, die auf diese Fähigkeiten angepasst sind. Teile von Metroid – Zero Mission sind demnach komplett neu entwickelt, dabei aber so nahtlos mit dem Remake verknüpft, dass die Erweiterung kaum auffällt.

Im Kern noch viel NES

Doch trotz der vielen begrüßenswerten Neuerungen, die Metroid – Zero Mission teilweise von Metroid Fusion, dem exklusiven und als „Metroid 4“ betitelten GBA-Ableger, übernommen hat: Im Kern merkt man der Zero Mission ihren NES-Ursprung immer noch an. Das beginnt bei der sehr rudimentär erzählten Geschichte. „Notfall-Auftrag: Vernichte alle Metroids auf dem Planeten Zebes und zerstöre die mechanische Lebensform Mother Brain.“ Das ist alles, was der Spieler zu den Hintergründen seiner Expedition zu hören bekommt, bevor das Ballern, Erkunden und Sammeln auf Zebes beginnt. Eine verbalisierte Story wie in Metroid Fusion oder Metroid Prime gibt es nicht. Das Original-Metroid hatte eben vordergründig das spielerische Ziel, eine Mischung aus Super Mario Bros. und The Legend of Zelda zu sein. Die Geschichte war damals völlig irrelevant. Das merkt man leider auch heute noch, obwohl die Entwickler zwischendurch zusammenhangslose Standbilder einblenden, in die Spieler irgendeine Story hineininterpretieren sollen.

Auch der Umfang ist noch nah an der NES-Fassung. Trotz aller Erweiterungen und einem völlig neuen Level mit sehr Metroid-untypischem und dadurch ziemlich spannendem Gameplay leuchtet das strahlende „Mission abgeschlossen“ schon nach etwa drei bis fünf Spielstunden auf. Das liegt auch daran, dass sich Metroid – Zero Mission enorm zackig spielt. Durch die verbesserte Steuerung und die agileren Moves der Weltraumamazone könnt ihr die einzelnen Räume, aus denen sich das verzweigte Tunnellabyrinth des Planeten zusammensetzt, in rasanter Geschwindigkeit durchqueren. Das Navigationssystem, das besonders in den ersten zwei Stunden des Spiels greift, verhindert lästiges Verlaufen, ist dafür aber manchem Spieler auch zu explizit. Obwohl ihr nach wie vor zwischen den einzelnen Welten des Spiels lauft („Backtracking“), spielt sich Metroid – Zero Mission recht linear, weil man immer ziemlich genau weiß, wo es lang geht. Der niedrigere Schwierigkeitsgrad tut sein Übriges dazu, dass der Spielfluss immer schneller rollt. So gelangt ihr effizient von einem Rüstungs-Upgrade zum nächsten. Sie machen euch im Spielverlauf immer stärker und öffnen ständig neue Wege, die vorher verschlossen waren. Das ist der Kern des Metroid-Gameplays. Gerade in den ersten zwei Stunden verbessert sich Samus wortwörtlich im Minutentakt mit neuen Waffen, Anzugfeatures oder Munitionscontainern.

Dieses hohe Spieltempo ist zwar einerseits für die relativ schnelle Durchspieldauer verantwortlich, macht dafür aber auch den Charme der Zero Mission aus. Das GBA-Remake ist ein enorm kurzweiliger Spaß, der die klassische Formel des Franchises in Reinform abbildet und Metroid-Fans damit – immerhin für vier bis fünf Stunden – vor den Bildschirm fesselt.

FAZIT:

Das GBA-Modul von Metroid – Zero Mission ist mittlerweile eine echte Rarität. Der Virtual Console-Release dürfte Metroid-Fans, die eine Fortsetzung der Reihe nicht mehr abwarten können, demnach gelegen kommen. Das zweite GBA-Metroid verbessert die deutlich angestaubte NES-Vorlage in jeder Hinsicht: Sie schafft es, das klassische Metroid-Gameplay mit flottem Spieltempo, schöner Grafik und atmosphärischem Sound sowie frustfreiem und dennoch nicht zu simplem Level-Design aufzupeppen. Die vielen sinnvollen Erweiterungen des Ur-Abenteuers geben den intensiven vier bis fünf Spielstunden eine eigene Note. Dabei bleibt es allerdings auch: Metroid – Zero Mission ist ein Basic-Metroid, das all das bietet, was die Serie berühmt gemacht hat: hilflos und allein auf einem Planeten ankommen, schnell stärker werden und mit neuer Kraft immer tiefer in sein Inneres eindringen. Es bietet aber (mit Ausnahme eines überraschenden Extra-Levels) nichts, was Fans nicht schon aus Super Metroid oder Metroid Fusion kennen. Eher im Gegenteil: Metroid Fusion erzählt die interessantere Geschichte, Super Metroid ist in jeder Beziehung einfach eine Spur brillanter. So ist das GBA-Spiel ideal für alle mit arger Metroid-Sehnsucht, die alle anderen Klassiker noch zu präsent haben. Und alle, die gerade erst einsteigen, finden hier den Zugang zum Metroid-Konzept.

Wertung:

8.5

Tim Herrmann meint:

"Metroid in Reinform: Ohne Schnickschnack und große Innovationen unterhält es Metroid-Fans in ganz klassischer Manier."
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6 Kommentare:


Tim
vor 6 Jahren | 0
WiiUX-Review / Test zu Metroid - Zero Mission für GameBoy Advance in der Wii U Virtual Console VC

Rick Grimes
vor 6 Jahren | 0
Letztens durchgespielt. Tolles Spiel aber nicht so gut wie Fusion oder Super Metroid. Kann mich dem Test nur anschließen. Schönes Remake.

Chris
vor 6 Jahren | 0
Zum Schwierigkeitsgrad muss man dazu sagen, dass man anfangs zwischen zwei wählen kann und hat man das Spiel einmal durch schaltet man "Schwer" frei. Hab's bisher nur auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad gespielt, aber ich werde es nochmal auf normal zocken.

Die japanische Version von Fusion (bisher mein liebstes 2D-Metroid) hat übrigens auch drei Schwierigkeitsgrade, unsere aber nur einen. Ich muss sagen, dass ich es schon etwas ärgerlich finde, dass Nintendo da unsere Version nicht an die japanische angeglichen hat.

Alternativ könnte man finde auch einfach die Versionen der verschiedenen Regionen zusammenpacken und es dann so machen, dass man im VC-Menü dann einfach zwischen "Japan" und "International" wechseln kann. Im Fall von Metroid Fusion müsste ich es dann für "Schwer" auf japanisch zocken, aber ich wäre trotzdem mit dieser Lösung zufrieden. So wie jetzt ist, ist es aber doof. Bei manchen Spielen muss man sich ja sogar noch mit der (praktisch nie RICHTIG angepassten) 50hz-Version begnügen wie z.B. bei Super Metroid und das nur wegen einigen, wenigen deutschen Sätzen Text. :-/

Sorry, hat nichts direkt mit Zero Mission zu tun, aber das musste mal gesagt werden. ;)

Zero Mission ist ein sehr gutes Spiel. Ich muss aber sagen, dass ich das Extrakapitel nach dem Besiegen von Mother Brain nicht so gut umgesetzt ist wie der Rest des Spiels, auch wenn es immerhin was neues ist. Hätte man sich sparen können. Auch kam Zero Mission mir 'ne ganze Ecke kürzer vor als Fusion (muss jetzt nichts schlechtes sein). Kam mir vielleicht auch so vor, da ich es auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad gespielt habe.

Kann jemand bestätigen dass Zero Mission kürzer ist als Fusion oder ist das nur Einbildung?

Chris
vor 6 Jahren | 0
Kann jemand bestätigen dass Zero Mission kürzer ist als Fusion oder ist das nur Einbildung von mir?

Farbi11
vor 6 Jahren | 0
Anmerkung 1: Die Geschichte wird weitererzählt, wenn man die Mission beginnt! Und es gibt schön gezeichnete Zwischensequenzen. Also ist es schon etwas mehr als nur "Töte alle Metroids!"
Anmerkung 2: Alle Metroid-Spiele haben diesen Flow, weshalb sie unheimlich beliebt bei Speedrunnern sind. Durch das Finden von versteckten Gegenständen hat man aber auch Wiederspielwert.
Anmerkung 3: Die Wertung ist fair :-)
Anmerkung 4: Es gibt einen Bonus, wenn man es durchspielt, das habe ich zumindest gelesen. Und ich meine nach dem Bonuslevel.

Ich bin noch nicht ganz fertig, aber ich habe ziemlich viel Spaß damit. Metroid Fusion kam erst vor einigen Wochen dran. Metroid Fusion hat diesen "Flow" nicht, denn man bekommt in Fusion ständig Aufträge, die das Spiel unterbrechen. Metroid Zero Mission ist pures Gameplay à la Super Metroid. Klasse! Ich vermute, dass man dadurch den Eindruck hat, dass Fusion länger als Zero Mission ist.

Chris
vor 6 Jahren | 0
"Es gibt einen Bonus, wenn man es durchspielt, das habe ich zumindest gelesen. Und ich meine nach dem Bonuslevel."

Ja, wenn man Zero Mission durchspielt schaltet man Metroid 1 frei. Leider die NES-Version statt die für das Famicom Disk System (NES Add-on das nur in Japan erschienen ist). :-/

In der FDS-Version kann man richtig speichern statt nur Passwörter wie beim NES (heute natürlich nicht mehr so das Problem), die Musik hat mehr Tonspuren, keine/weniger Slowdowns und die Verhaltensmuster der Gegner mussten in der NES-Version im Vergleich zur FDS-Version auch vereinfacht werden.

Im eshop gibt's bei uns natürlich auch nur die NES-Version während die Japaner die FDS-Version haben.

Kurioserweise ist laut Wikipedia in der japanischen Version von Zero Mission allerdings auch nur die NES-Version von Metroid 1.