Test: Trine Enchanted Edition

Von Michael Prammer am 09. April 2015

Trine 2 (Director´s Cut) war 2012 eines der ersten Download-Spiele für den eShop der Wii U. Das Spiel überzeugte mit seiner tollen Präsentation und seinem märchenhaften Charme. Dazu kamen die GamePad-Features, die gut ins Spiel eingepasst wurden und kaum Wünsche offen ließen. Jedoch kam auch irgendwann mal ein erster Teil auf den Markt, von dem bis Dato auf Nintendo-Systemen nichts zu sehen war. Das änderte sich nun, denn dessen Entwickler Frozenbyte packte den Erstling in das Gewand des zweiten Teils mittels der selben Engine und nennt diese fortan Enchanted Edition. Wir haben uns zusammen mit den drei unerschrockenen Helden aus dem zweiten Teil in das Königreich des Vorgängers begeben und schildern euch den Weg unserer Reise.



Der unbesetzte Thron
Die Geschichte führt den Spieler in ein Königreich, das dem Untergang geweiht ist. Der König ist tot und es gab zu seinen Lebzeiten keinen Thronfolger. Die Menschen stehen vor einer schicksalhaften Invasion durch Untote, die des unbesetzten Thrones wegen auf den Plan gerufen wurden. Einzige Rettung scheint ein uraltes und magisches Artefakt namens Trine. Zauberer Amadeus, Diebin Zoya und Ritter Pontius treffen zufällig beinahe gleichzeitig auf das Artefakt, das die Rettung des Königreiches bringen soll. Die fehlenden Fragmente beschließen die drei unterschiedlichen Protagonisten gemeinsam zu finden und so beginnt das Abenteuer.

Die Geschichte versetzt nicht wirklich Berge und die Protagonisten sind fast schon fantasy-klischeehaft. Die Story nimmt leider auch keine Fahrt auf und kann wegen der fehlenden Zwischensequenzen keine Spannung aufbauen. Jedoch machen genau diese drei Darsteller den Reiz des Spiels aus. Denn eine der Stärken von Trine liegt in der Spielmechanik. Alle drei Helden haben ihre eigenen Ziele und ihre eigenen Fähigkeiten. Die Diebin setzt neben einem Enterhaken auf Pfeil und Bogen. Dadurch ist sie in der Lage, Gegner aus der Ferne auszuschalten, sowie höhergelegene Ebenen zu erreichen. Der Magier kann Kisten erschaffen und durch Magie bewegen. So lassen sich nicht nur Hindernisse überwinden, sondern auch Schalter betätigen. Der dritte im Bunde, der Ritter, ist ein wahrer Kraftprotz und kann mit Schwert und Schild jeden Gegner aus dem Weg räumen. Außerdem lässt sich sein Schild mit einer praktischen Magnetfunktion erweitern, um Metallblöcke zu verschieben. Dank der Rollenspiel-Elemente im Spiel kann jeder Charakter seine Fähigkeiten erweitern und verbessern. Dies geschieht durch sammelbare XP-Gefäße. Dadurch kann zum Beispiel der Zauberer mehrere Objekte erschaffen, die Diebin extra Pfeile verschießen oder der Ritter eine stärkere Nahkampfwaffe erhalten.



Für Solisten so lala – mit Freunden top
Trine ist vollgepackt mit Rätseln. Diese unterliegen oftmals physikalischen Gesetzen, die es durch den Einsatz aller drei Charaktere zu überwinden gilt. Beispiel: ein Schalter, der nicht zu erreichen ist. Der Magier zaubert eine Plattform, an der sich die Diebin mittels Greifhaken hochzieht. Die heranstürmenden Untoten schaltet der Ritter gekonnt aus. Daraus ergibt sich im Übrigen ein fantastischer Mehrspielerspaß, denn Trine hat seine größte Stärke im Koop-Modus. Dies geschieht wahlweise lokal an einer Konsole oder über das Internet zusammen mit Freunden oder irgendwelchen abenteuerlustigen Spielern aus aller Welt. Wer lieber auf eine Solomission gehen möchte, kann dies dank des Umschaltens der einzelnen Helden via Knopfdruck tun, büßt jedoch eine Menge Spielspaß ein. So oder so ist das Abenteuer fast schon zu schnell vorbei. Nach sieben bis acht Stunden etwa sieht man den Abspann. Nur Spieler, die alles sehen möchten, werden wohl auf eine Spielzeit jenseits der 10 Stunden kommen. Schade, denn Trine 2 hat uns fast doppelt so lange unterhalten. Dafür können in Multiplayerschlachten zig Stunden zusätzlich verbracht werden. Ein besonders schwieriges Spiel sollte man jedoch nicht erwarten. Obwohl die Rätsel hier und da etwas nachdenklich stimmen können, sind die Gegner saudumm und stürmen blind auf den Spieler zu. Auch die Endgegner liefern keine allzu große Herausforderung und sollten für geübte Spiele kein Problem darstellen.



Trine bietet so ziemlich alles an Steuerungsmöglichkeiten, was das Wii U-Portfolio hergibt. Hier bleiben keine Wünsche offen, zumal Off-TV-Play ebenfalls mit an Bord ist. Eine alte Leier hingegen ist der doppelte Bildschirm, den wir bei so vielen Wii U-Spielen bereits bemängeln mussten. Natürlich lässt dieser sich abschalten und das Spielgeschehen vorzugsweise mit einem Wii U Pro Controller genießen. Aber wofür hat man denn einen Second Screen, wenn man diesen kaum richtig ausnutzen kann? Genug gemeckert, die Grafik entschädigt dafür mit einer tollen Aufmachung. Das farbenfrohe Spektakel weiß von Beginn an zu begeistern und erlaubt sich keinerlei Fehler. Dazu kommt der märchenhafte Sound, der wunderbar durch die tolle deutsche Synchronisation ergänzt wird.

FAZIT:
Trine Enchanted Edition ist ein würdiger Vorgänger des zweiten Teils, auch wenn sich das merkwürdig anhören mag. Dank der Engine des Nachfolgers bietet das Adventure eine tolle Optik samt einer wunderschönen Musikkulisse. Die Kombination der drei Charaktere und die damit verbundenen Rätsel machen vor allem mit mehreren Spielern richtig Spaß. Alleine hingegen kann der Titel nur teilweise das volle Spielvergnügen vorweisen. Auch der Umfang ist für Solisten im Vergleich zu Teil zwei etwas geschrumpft und zwingt den Spieler fast zu einer Mehrspielerpartie, möchte man Trine nicht bereits nach gut acht Spielstunden links liegen lassen. Die Geschichte ist auch nicht gerade aus der Schreibfeder der Gebrüder Grimm entstanden und bietet viele Klischees. Fans des zweiten Teils und Spieler, die auf märchenhafte Adventures stehen, sollten unbeeindruckt einiger Kritikpunkte zu Trine greifen. Vor allem im Multiplayermodus weiß der Titel zu überzeugen.

Wertung:

7.5

Michael Prammer meint:

"Gutes, wenn auch nicht herausragendes Adventure, das vor allem mit anderen Spielern richtig Freude macht."
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4 Kommentare:


michi1894
vor 6 Jahren | 0
...

JoWe
vor 6 Jahren | 0
Schöner Test, danke!
Wenn man noch keinen der beiden Teile gespielt hat und lokal eher solo spielt (meine Frau schaut lieber zu) - für welchen Teil sprecht ihr da die Empfehlung aus; chronologisch mit der Enchanted Edition anfangen?

michi1894
vor 6 Jahren | 0
Da der zweite Teil doch noch eine kleine Idee besser ist, kannst du ruhig mit der Enchanted Edition anfangen. Im zweiten Trine bekommst du dann etwas mehr Umfang. Wenn deine Frau nicht mitspielen möchte, dann stürz dich online ins Spiel. Macht fast genauso viel Spaß.

Der R
vor 6 Jahren | 0
Also ich finde Trine online ist eine mittlere Katastrophe. Jedenfalls ohne sich anschreien zu können ^^.