Test: Kirby's Adventure Wii

Von Lars Peterke am 17. April 2015

Vor einiger Zeit begann Nintendo, Wii-Spiele für Wii U neu aufzulegen. Zwar kann das System alte Wii-Spiele ohnehin über das Disc-Laufwerk abspielen, jedoch muss dazu erst der Wii-Modus gestartet werden. Diesen Umweg umgeht Nintendo durch die frisch aufgelegten Klassiker der jüngeren Geschichte. Mit Kirby‘s Adventure Wii haben wir einen dieser Titel (erneut) unter die Lupe genommen.

B-Ware? Von wegen!

Manche werden es nicht wissen, doch Kirby‘s Adventure Wii hat bereits eine lange Historie. Zunächst sollte das Jump & Run bereits für den Nintendo GameCube erscheinen und die direkte Nachfolge zum N64-Titel Kirby: The Crystal Shards antreten. Das war im Jahr 2005. Doch dann verschwand der Titel urplötzlich von der Bildfläche und wurde wesentlich später für die Wii neu angekündigt. Dann galt er wiederrum einige Zeit später als gestrichen und eingestellt, weil zunächst in Zusammenarbeit mit dem Entwickler Good-Feel der Titel Kirby und das magische Garn entstehen sollte. Auf der E3 2011 tauchte der Titel jedoch wieder auf, wurde für den Winter angekündigt und lag schließlich in den Regalen. Man mag fast meinen, Nintendo wärmt hier einen Titel für Wii U wieder auf, der schon 2011 ein Schubladentitel war, um das Weihnachtsgeschäft zu befüllen.

Die Story des neuen Kirby-Abenteuers passt wie auch bei allen anderen Ablegern der Serie locker auf einen Bierdeckel. Ein Außerirdischer namens Magalor muss mit seinem Raumschiff auf Kirbys Planeten Popstar notlanden. Dabei verstreuen sich seine Schiffsteile auf dem ganzen Planeten, aber Kirby, Meta-Knight, King Dedede und Waddle Dee bieten bereitwillig ihre Hilfe an.

Anschließend führt euch das Spiel durch fünf Welten, in denen eine kleine Karte Zugang zu den verschiedenen Stages gewährt. Habt ihr alle Stages einer Welt absolviert, wartet ein Bosskampf auf euch, bevor es in die nächste Welt geht. Die Welten halten sich thematisch an bekannte Kirby-Muster: Wald, Wüste, Strand und so weiter.

Gespielt wird wie in allen 2,5D-Platformern üblich mit der Wii-Fernbedienung in waagerechter Haltung. Mit dem Steuerkreuz, läuft der Spieler, springen und fliegen kann er mit dem 2-Knopf. Das obligatorische Saugen funktioniert mit dem 1-Knopf. Schüttelt ihr dabei zusätzlich die Wii-Fernbedienung, startet ihr eine Art Mega-Sauger, der auch größere Gegner und Blöcke einsaugen kann. Habt ihr einen Gegner eingesaugt, könnt ihr diesen herunterschlucken und seine Fähigkeit übernehmen, die ihr bei Bedarf durch Drücken des Minus-Knopfes wieder abgebt.

Die Fähigkeiten, die absorbiert werden können, sind wie schon in den frühen Kirby-Spielen wieder das wichtigste Kernelement. Sie geben der rosa Kugel neue Angriffstechniken, die allesamt putzig und effektvoll in Szene gesetzt sind; egal ob Schwert-Kirby, Elektro-Kirby, Feuer-Kirby oder Regenschirm-Kirby. Alle Techniken setzt ihr mit dem 1-Knopf ein. Dadurch lassen sich nicht nur die Gegnerscharen leichter besiegen. Auch der eine oder andere Geheimweg kann mit der passenden Fähigkeit freigelegt werden. Hier findet ihr vielleicht eines der so genannten magischen Zahnräder, die in jeder Stage versteckt sind. Habt ihr genug Zahnräder gesammelt, werden im Raumschiff neue Räume geöffnet, in denen ihr unter anderem spezielle Prüfungen und zwei spaßige Minispiele spielen könnt.

Eines muss man noch klarstellen: Kirby‘s Adventure Wii ist kein Schmusespiel wie der letzte Ableger aus dem Frühjahr. Kirby hat in diesem Spiel wie gewohnt eine Energieleiste. Sobald sie auf 0 fällt (oder ihr in einen Abgrund fallt), stirbt Kirby und verliert ein Leben. Um dies zu verhindern, kann man quer über den Level verstreut diverse Snacks und Lebensmittel einsammeln, die Energie auffrischen. Man hat es hier also mit einem durch und durch klassischen Kirby-Titel der alten Schule zu tun. In diesem Ableger geht es mit der Action sogar so weit, dass die Entwickler Kirby eine weitere Fähigkeit spendiert haben: Mit dem A-Knopf kann der Held gegnerische Angriffe blocken.

So dauert es keine fünf Minuten, bis euch der Titel mit seinem Charme gefangen nimmt. Selbst wenn er also bei Nintendo ein wenig in der Schublade lag: Kirby‘s Adventure Wii ist sicher keine B-Ware. Und angestaubt ist er schon gar nicht, dafür haben die Entwickler bei HAL ebenfalls gesorgt.

New Super Mario Bros. Wii im Blut

Dass für die Realisierung der mit Gegnern vollgestopften 2D-Level wohl die Spielengine von Super Smash Bros. Brawl Pate gestanden hat, fällt dem geschulten Spielerauge schon nach kürzester Zeit auf. Mit den vielen Fähigkeiten kommt fast schon ein bisschen Beat em Up-Flair auf, was aber keinesfalls negativ zu werten ist. Kirby's Adventure Wii ist einfach nur sehr actionreich. So gibt es diesmal an bestimmten Stellen in den Levels etwas größere Gegner, die aber ebenfalls mit einer bestimmten Spezialfähigkeit ausgestattet sind. Besiegt ihr diese und saugt sie anschließend ein, erhaltet ihr eine erweiterte Form von beispielsweise Schwert-Kirby, die zwar nur eine bestimmte Dauer anhält, auf Knopfdruck jedoch einen bildschirmfüllenden und effektvollen Flächenangriff startet.

Um der vielen Gegner Herr zu werden, bieten die Entwickler auch einen 4-Spieler Koop-Modus an. Dies funktioniert, indem Spieler 1 wie gewohnt mit dem Abenteuer loslegt und bis zu drei andere Spieler durch Drücken der Minus-Taste jederzeit ins Spiel einsteigen können, sofern noch genug Restleben vorhanden sind. Anschließend wählt jeder neue Spieler aus, ob er als Meta-Knight, König Dedede, Waddle Dee oder weiterer Kirby ins Spiel einsteigen möchte. Kleiner Wermutstropfen dabei: Da der Koop-Multiplayer eigentlich nur ein Feature des Singleplayer-Spiels ist, ist Spieler 1 immer der Host. Im Klartext bedeutet dies, dass die Gruppe verliert, sobald er stirbt. Das ist aber nicht so tragisch, da man in diesem Fall nur beim letzten Checkpoint des Levels startet.

Glücklicherweise sind die Levels nicht an jeder Stelle auf Krampf für das Mehrspieler-Erlebnis optimiert. Da Kirby fliegen kann, gibt es auch keine Mindestplattformgröße, was bei New Super Mario Bros. stellenweise lästig war und das Level-Design eingeschränkt hat. Auch wegbrechende Plattformen wie in Donkey Kong Country Returns, die einen Mitspieler zum Freitod zwangen, gibt es hier nicht. So bleiben die Levels für Einzelspieler immer fordernd, sind aber auch zu viert ein Heidenspaß. Für mehrere Spieler halten sie lediglich manchmal kleinere Abzweigungen parat. Hier muss man sich absprechen, welcher Spieler welchen Weg einschlägt, um kein verstecktes Zahnrad oder Extraleben zu verpassen.

Die Implementierung des Koop-Modus ist unter dem Strich also erstklassig gelungen. Die perfekte Implementierung des jederzeit möglichen Ein- und Ausstiegs von Spielern sorgt für viel Dynamik. Außerdem haben Pinkelpausen des einen Spielers nun keine Auswirkungen mehr auf den Rest der Couch-Mannschaft. Einige kleine Zusatzfeatures bereichern den Multiplayer zusätzlich. So kann man wie schon in Kirby’s Fun Pack Mitspieler „knutschen“. Dies funktioniert für einen kurzen Zeitraum, nachdem ihr ein Heilungsitem gesammelt habt. Durch das Knutschen könnt ihr einem Mitspieler etwas Lebensenergie abgeben.

Auch nett ist die Möglichkeit, auf andere Spieler aufzuspringen. Das hat diverse Vorteile: erst einmal könnt ihr dann mit dem A-Knopf einen kooperativen Superangriff starten, zusätzlich lässt das einen versierten Spieler eine schwierige Levelpassage spielen, während die anderen sich mal kurz treiben lassen. Und zu guter Letzt – und das ist wohl definitiv am wichtigsten – sehen vier gestapelte Kirbys einfach unglaublich süß aus.

Ein kleines Wort sei noch über die beiden Minispiele verloren, die man im Raumschiff von Magalor entdecken kann. Da wäre zum einen ein Samurai-Spiel, bei dem ihr auf dem Bildschirm auf eine vorbeifliegende Zielscheibe wartet, um dann durch das Schwingen der Wii-Fernbedienung einen Ninjastern darauf zu werfen. Das Minispiel bietet drei Stufen, die absolviert werden wollen und kurzweiligen Spaß bieten. Nicht ganz so cool ist das zweite Minispiel, bei dem ihr die Wii-Fernbedienung als Pointer nutzt und gemeinsam auf einen Robotergegner schießen müsst. Ziel ist es hier, den verwundbaren Kern des Gegners freizulegen und zu vernichten, bevor die Zeit abläuft.

Kuddeloptik plus Effektfeuerwerk

Generell zuckt man ja erst einmal zusammen, wenn man hört, dass ein Spiel schon ein bisschen älter ist. Manch einer erinnert sich vielleicht noch an Kirby’s Air Ride für den GameCube. Der Titel war einmal für das N64 geplant und sah leider auch dementsprechend aus. Im Fall von Kirby‘s Adventure Wii braucht man hier keine Angst zu haben, da die Entwickler von HAL Laboratory an einigen Stellen an der Grafikschraube gedreht haben. Zunächst lässt die spielerische Ähnlichkeit zur Brawl-Engine erahnen, das der Titel wohl die eine oder andere Gameplay-Entkernung erfahren hat und von Grund auf erneuert wurde. Spielerisch gibt es nichts zu meckern und der Titel profitiert an sämtlichen Stellen vom Feintuning der Entwickler.

Ein weiteres Indiz für die technische Sauberkeit sind die vielen Effekte, die bei diversen Gegnern und vier Spielern den ganzen Bildschirm schonmal in ein einziges Feuerwerk verwandeln. Die Framerate des Spiels steckt dies aber mühelos weg. Überhaupt sehen die Spieleffekte ziemlich gut aus. Die Optik der Levels weist an einigen kleinen Stellen vielleicht etwas Detailarmut auf, doch die Gesamtkomposition ist so gut wie immer erhaben und überzeugt auf ganzer Linie. Da alles in einer schillernden Knalloptik gehalten ist, kommt man zwar nicht an den ausgefeilten Detailgrad von Donkey Kong Country Returns mit seinen Wetter- und Lichteffekten heran, das Gesamtbild überzeugt dennoch. Dies ist zu einem großen Teil auch den vielen tollen Animationen geschuldet, die die Entwickler den Charakteren spendiert haben.

Die musikalische Untermalung hat sich über die Jahre nicht geändert und ist auch in diesem Spiel Kirby-typisch. Wer der dudeligen Musik bisher nichts abgewinnen konnte, wird auch mit diesem Titel nichts anfangen können. Alle anderen werden mit Ohrwurm-Loops beschallt, die zwar nicht ganz an den Glanz alter Kirby-Melodien heranreichen, jedoch immer noch den Charme der Serie locker aus dem Handgelenk schütteln.

Fazit:

Kirby‘s Adventure Wii war vor einigen Jahren ein tolles Spiel und es ist heute noch ein außergewöhnliches Jump & Run, das zu den besten Spielen rund um den kleinen Staubsauger zählt. Die Optik kann sich immer noch sehen lassen und auch der Sound birgt einige Ohrwurm-Gefahr. Aufgrund der vielen Genrevertreter wird es jedoch für Veteranen schwierig, sich mit dem kleinen knuddeligen Kerlchen anzufreunden. Denn das Spiel ist nach wie vor sehr einfach und dürfte auch aufgrund des relativ hohen Preises einen schweren Stand haben. Fans der Serie und jüngere Spieler, die sich vielleicht auch auf Kirby und der Regebogenpinsel einstimmen wollen, dürfen sich den Titel bedenkenlos zulegen. Hüpfspiel-Freunde, die auf Schwierigkeit stehen, sind hier falsch. Zu viert allerdings ist Kirby eine Wucht.

Wertung:

8.0

Lars Peterke meint:

"Nach wie vor tolles Jump & Run, das sich inhaltlich und optisch an jüngere Spieler richtet."
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6 Kommentare:


Buttergebäck
vor 6 Jahren | 0
Ein wirklich empfehlenswertes Spiel, vor allem weil Kirbys Kopier-Fähigkeiten graphisch und spielerisch sehr gut umgesetzt wurden. Und der Soundtrack ist erste Sahne!

NDragon1412
vor 6 Jahren | 0
Es richtet sich an jüngere Spieler?An JÜNGERE SPIELER?! xD

Nix für Ungut, aber ich wette, dass niemand, der nicht mindestens...14 ist die wahre Arena schafft xD Von der Optik her vielleicht, aber das Spiel ist vom Schwierigkeitsgrad her doch mancherorts extrem krass! Ich sag nur, Endboss, wahre Arena, und der Kung-Fu Affe in der Schnee Welt...urgs...

Chris
vor 6 Jahren | 0
Ich behalte den Titel im Auge, da er gut ist, aber er hat bei mir keine Priorität.

Masters1984
vor 6 Jahren | 0
Ich würde eher sagen für ältere Spieler, denn für jüngere ist da Epic Yarn (das magische Garn), denn Kirb's Adventure wird im späteren Verlauf echt bockschwer, besonders, wenn man alle Zahnräder haben will.
Definitiv eines der besten Kirby-Spiele aller Zeiten.

sCryeR
vor 6 Jahren | 0
Wenn das Game mal für 10 ins Angebot kommt oder so, aber sonst is das Game nicht dringend.

Nur wundern mich hier einige Kommentare, wird eigentlich immer als zu leicht dargestellt. Wobei ich auch nicht wirklich viel Ahnung von dem Game habe.

Farbi11
vor 6 Jahren | 0
Sehr schöner Artikel! Da Kirby fliegen kann, ist das Spiel grundsätzlich einfacher als andere Plattformer. Man kann aber später auch einen schwereren Lodus freischalten, in dem die Energieleiste etwa noch ein Drittel so lang ist. Dann wird es eine Herausforderung. Die Zahnräder sind auch oft gut bewacht.

Insgesamt mochte ich das Spiel, allerdings kam es mir oft ein wenig steril vor.