Test: Metroid Prime Trilogy

Von Lars Peterke am 17. April 2015

Die Metroid Prime-Serie hat schon viel hinter sich. Seit Super Metroid mussten Anhänger des Franchises hungern und auf dem N64 abseits von Super Smash Bros. ohne Samus Aran auskommen, bevor der nächste große Serienableger in Stein gemeißelt wurde: Metroid Prime. Ein knappes Jahr nach dem Release des GameCubes durfte man endlich voller hoher Erwartungen Hand anlegen. Das erste Metroid in 3D und das erste Metroid eines amerikanischen Entwicklers. Bedenken gab es zu Hauf, allen voran die Proklamation als „Ego-Shooter“ - ein Schimpfwort für die Metroid-Reihe. Das Spiel sollte sich schlussendlich durchsetzen und Wertungsportale küren es heute zu einem der besten GameCube-Spiele. Die Entwickler mit dem Namen Retro Studios hatten die Feuertaufe bestanden und einige Zeit später erschien mit Metroid Prime 2: Echoes der Nachfolger, welcher jedoch in direkter Konkurrenz zu Halo 2 erschien und den bereits sterbenden GameCube nicht reanimieren konnte. Metroid Prime 3: Corruption fand schließlich 2007 seinen Weg auf Wii, um dort die Riege der Core-Games aufzustocken. Mit der Metroid Prime Trilogy brachte Nintendo schließlich im Rahmen seiner „NewPlayControl“-Neuauflagen alle drei Titel noch einmal leicht aufgemotzt auf einer DVD für die neue Konsole heraus. Nachdem die limitierte Disc-Edition zum begehrten Sammelobjekt geworden ist, bietet der Wii U-Download Fans die Möglichkeit, die Abenteuer noch einmal (oder sogar zum ersten Mal?) mit Wii-Steuerung zu erleben.

Talon IV, Aether, Bryyo und Co.

Die Geschichte der Prime-Trilogie spielt direkt nach dem NES-Urgestein. Samus Aran empfängt ein Notsignal eines Raumfrachters aus dem Orbit des Planeten Talon IV. Recht schnell entpuppt sich der Frachter jedoch als Forschungsstation der Weltraumpiraten. Ihr Anführer, Ridley, hat offenbar überlebt. Samus folgt ihm auf den Planeten Talon IV, auf dem sie schon bald Spuren der Chozo findet. Diese antike Kultur bereiste einst das Universum und spielt eine Schlüsselrolle im Metroid-Universum. Auf dem Planeten Talon IV sind die Chozo jedoch nicht mehr anzutreffen. Aufzeichnungen berichten über ein Gift, das viel Leben auf Talon IV tötete: Phazon. Dieses radioaktive Gift ist der Dreh- und Angelpunkt der drei Prime-Spiele. Es gilt nun also, die Weltraumpiraten auf Talon IV ausfindig zu machen und herauszufinden, welche Rolle das Phazon bei diesen Ereignissen spielt.

Die Geschichte von Metroid Prime 2: Echoes startet zunächst losgelöst vom ersten Teil. Samus ist auf dem Weg zum Planeten Aether, um ein Einsatzteam der galaktischen Föderation zu retten, das auf dem Planeten notlanden musste. Auch Samus' Schiff wird beim Eintritt in die Atmosphäre jedoch beschädigt. Auf der Suche nach einem Ausweg wird sie jedoch von einer Art Klon ihrer selbst angegriffen und kann nur knapp entfliehen. Sie entdeckt daraufhin eine alte Tempelruine, wo sie U-Mos, den letzten Überlebenden der Luminoth, antrifft. Er befindet sich im Krieg mit den Ing, einer dunklen Spezies, die auf den Planeten Aether eingefallen ist und ihn seither in eine Licht- und Schattendimension teilt. Hier ist es nun an Samus, den Planeten Aether wieder ins Licht zu führen und die Herkunft ihres plötzlichen Gegners aufzudecken, indem sie zwischen beiden Dimensionen reist.

Der dritte und letzte Teil der Prime-Trilogie knüpft direkter an die Phazon-Handlung an, als es Teil 2 tat. Zusammen mit einigen anderen Kopfgeldjägern soll Samus Aran helfen, die Aurora Unit - einen Supercomputer der galaktischen Föderation - zu reparieren. Bei der Mission greifen jedoch die Weltraumpiraten an, zusammen mit Ridley und Samus‘ Klon - nun als Dark Samus bekannt. Nur knapp überlebt Samus und ist laut Ärzten nach ihrem Koma mit Phazon korrumpiert. Das Gift droht, die Kopfgeldjägerin innerlich zu vernichten, verleiht ihr aber auch ungeahnte Kräfte. Die einzige Lösung besteht für Samus Aran darin, den Ursprung des Phazons ausfindig zu machen und ihr eigenes Leben sowie die Zukunft des gesamten Universums zu retten. Dazu befreit die Heldin mehrere einzelne Planeten, um am Ende zusammen mit der Förderation eine Offensive gegen die Weltraumpiraten zu starten.

Metroid Revisited

Weil die drei Spiele in zwei unterschiedlichen Konsolengenerationen erschienen sind, hat Nintendo sich bei der Kollektion darum bemüht, die drei Titel weitestgehend auf das Niveau des dritten Teils anzuheben. Wichtigster Aspekt ist dabei natürlich die Steuerung mit Wii-Fernbedienung und Nunchuk, die unter das Label „NewPlayControl“ fällt. Im Endeffekt wurde hier die Steuerung aus Metroid Prime 3: Corruption auf die alten Titel übertragen. Wer unseren Test zu Metroid Prime 3 kennt (lest ihn hier bei NintendoWiiX.net), der weiß, wie ausgefeilt die Steuerung ist. Die Metroid Prime Trilogie profitiert vollends von der wohl besten Shooter-Steuerung auf Wii.

Es gibt aber auch viele kleine Änderungen, die im Endeffekt das Gesamtpaket ausmachen. Zunächst einmal wurden die Schwierigkeitsgrade der Titel angeglichen. Kenner wissen, das Metroid Prime 3 einen einfachen Schwierigkeitsgrad enthält. Dementsprechend wurden die Schwierigkeitsmodi in den ersten beiden Teilen abgestuft. Es gibt nun den Normal-, Veteran- und Hypermodus. Dabei ist der normale Modus der leichte Schwierigkeitsgrad. Der Normalmodus von Metroid Prime 1 und 2 wird von nun an unter dem Namen Veteran weitergeführt. Ein durchaus interessanter Aspekt für Spieler, die einen der alten Prime-Teile schon kennen. Auch das Credit-System wurde von Corruption auf die alten Prime-Spiele übertragen und dient zum Freischalten von Bildergalerien oder des Fusion Suits im ersten Teil.

Alle drei Prime-Spiele werden in der Trilogie in einem Spielmenü zusammengefasst und in einem einzelnen Speicherstand geführt. Über ein Mii-Profil werden dann beispielsweise alle Anpassungen an der Spielsteuerung für alle drei Titel übernommen und gesichert, sodass man in jedem Spiel das gleiche Spielgefühl hat. Als Nachteil aus dieser Umstrukturierung ergibt sich jedoch, dass ihr alte Speicherstände von Metroid Prime 3: Corruption nicht weiterbenutzen könnt. Restliche Änderungen liegen stellenweise im Detail. Die Bosskämpfe sind feiner ausbalanciert, die Ladezeiten noch kürzer und Metroid Prime 1 und 2 können nun mit einer höheren Spielauflösung und besseren Texturen aufwarten als im GameCube-Original. Im ersten Teil wurde zusätzlich noch der Bloom-Effekt hinzugefügt, um das Spiel ähnlich hübsch wie die Folgetitel aussehen zu lassen. Auch die Soundeffekte wurden auf den neusten Stand gebracht. Und auch wenn oft verschmäht, hat man den Multiplayer-Modus aus dem zweiten Teil mit in die Trilogie gehievt.

Zeitloser Klassiker

Die Unterstellung, Nintendo würde mit dieser Trilogie nur Geld machen wollen, mag zwar sinnig klingen, steht aber in Anbetracht der Spielqualität hinten an. Für mittlerweile 20 Euro im Nintendo eShop bekommen Spieler ein Paket mit einem Umfang von locker 40-60 Spielstunden. Für ein Shooter-Adventure ist dies eine fast schon astronomisch lange Spieldauer. Die vielschichtige Story kann eine dichte Atmosphäre aufbauen, sofern der Spieler gewillt ist, sich viele Logbücher und Scan-Beschreibungen durchzulesen, die in den Spielwelten optional verteilt sind.

Spielerisch ist die Metroid Prime-Trilogie auch heute noch kein bisschen angegraut. Die stimmigen Mischungen aus actionreichen Shooter-Passagen, atmosphärischem Erkunden verlassener (oder gar nicht so verlassener) Tempel, Verliese, Ödländer, Sümpfe oder Raumstationen und das intelligente Weltendesign funktionieren auch heute noch wunderbar. Die unübertroffene Spielbarkeit wird durch die optimale Wii-Shooter-Steuerung noch etwas besser.

Durch diese Trilogie-Ausgabe kommt außerdem zum ersten Mal deutlich zum Vorschein, wie eng die drei Prime-Titel miteinander verbunden sind, auch wenn zwischen dem Release von Metroid Prime 1 und 3 fast sechs Jahre liegen. Gewissermaßen ist die Trilogie also auch als Denkmal für die Entwickler der Retro Studios zu verstehen, die einst mit viel Gefühl fürs Detail eines der berühmtesten 2D-Franchises in die dritte Dimension befördert haben. So lässt sich ohne Umschweife sagen, dass die Inhalte der Metroid Prime Trilogy immer noch so brillant sind wie der erste Teil der Reihe im Jahre 2002 und nichts an Charme, Magie und Atmosphäre eingebüßt haben.

Fazit:

Hätte Nintendo damals ein Bundle von Super Mario Bros. 1 bis 3 für NES veröffentlicht, würde es wahrscheinlich bis heute als eines der besten Spiele aller Zeiten gelten. Ähnlich ist es nun mit der Metroid Prime Trilogy. Doch wie bewertet man ein Spiel, das sich aus drei einzelnen Titeln zusammensetzt, die allesamt auf außergewöhnlich hohem Niveau liegen und zu ihrer Zeit die Genre-Referenzen auf dem jeweiligen System waren – und es teilweise noch heute sind? Alle Stärken der Metroid Prime-Spiele aufzuzählen, wäre unmöglich und man kommt nicht umher, auf ältere Tests zu verweisen, die die einzelnen Titel im Detail beleuchten. Viel einfacher ist es in diesem Fall zu schreiben, was nach wie vor schlecht ist. Und so ernüchternd es auch sein mag: Es ist eigentlich nichts zu finden. Ehrlich. Einzig die Spielpassagen auf dem dunklen Aether in Metroid Prime 2 sind vom Spielgefühl genau so unangenehm wie im Gamecube-Original und hin und wieder gibt es in den einzelnen Titeln ziemlich lange Laufwege, das sogenannte Backtracking. Aber dies täuscht nicht über den Fakt hinweg, dass man hier nur eine Hand voll mikroskopisch kleiner Makel findet. Zudem haben die Retro Studios es geschafft, alle drei Spiele wunderbar aneinander anzugleichen und einige sinnvolle Funktionen hinzuzufügen. Damit wurden die GameCube-Titel noch besser. Die Metroid Prime Trilogy ist also ein kleines Stück Videospielgeschichte aus dem 21. Jahrhundert mit einer schier perfekten Verschmelzung aus Shooter und Action-Adventure und gehört somit sicherlich zum Besten, was man momentan auf der Wii (und auf Wii U) bekommen kann, gerade wenn es um das Verhältnis von Preis zu Leistung geht.

Wertung:

10

Lars Peterke meint:

"Drei der besten Spiele aller Zeiten in einem Paket? Das kann nur eines der besten Spiele aller Zeiten ergeben."
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13 Kommentare:


dd2ren
vor 6 Jahren | 0
Habe ja nur gutes drüber gehört und habe noch keinen Teil davon jemals gespielt oder irgendwo in einem Lets Play geschaut. Werde dann demnächst mal damit beginnen :)

Habe es im Shop für 9,99€ gekauft :)

wazup
vor 6 Jahren | 0

Ich habe mir auch den Download zugelegt und kannte die Reihe ebenfalls nicht. Ich dachte es wäre ein EgoShooter, aber es ist mehr ein "Ego-Tombraider in Space".

Bin schon diverse Stunden im ersten Teil und war sofort begeistert. Die Steuerung ist einfach genial und das Spiel reisst einen mit.

Chris
vor 6 Jahren | 0
Super Ding, habe es aber bisher nicht zu Ende gespielt, da ich irgendwann festgestellt habe, dass man wegen der Einstellung der Internetfunktionen der Wii in Prime 3 nicht alle Extras freischalten kann. :-/

Angeblich kann man das Problem lösen, indem man entsprechende Speicherdaten auf eine SD-Karte lädt und diese dann wiederum auf die Wii U lädt, aber dann wären alle meine bisherigen Spielfortschritte weg und ich habe aktuell auch keine Möglichkeit dazu.

Matthew1990
vor 6 Jahren | 0
Richtig gute Spielereihe!
Hat mir zu Game Cube und Wii sehr gut gefallen.
Hatte ich jedoch kurz vor dem Wii U Release alle drei Teile durch gezockt. :)
Aber ein Kauf lohnt sich auf jeden Fall, wenn man die Spiele nicht kennt. :)

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Oder wenn man die Spiele einfach 3x haben will :D
- okay nein, Prime 1 & 2 für GCN habe ich (noch) nicht, aber Metroid Prime 3 habe ich wirklich drei mal (Wii, Trilogy, Download) :D

Bellzemos
vor 6 Jahren | 0

geile spielereihe, mit der man aber erstmal warm werden muss. die angepasste wii-steuerung (für meinen geschmack die bessere im gegensatz zum cube) für 1 und 2 funzt ausgezeichnet - geht irgendwann förmlich in fleisch und blut über. hervorragende leistung vom entwickler-team "retro studios", die samus toll in die dritte dimension gebracht haben. nicht ohne grund, wünschen sich viele ein prime 4. völlig verdient -> 10 von 10!

KenSugisaki
vor 6 Jahren | 0
Ich konnte mit dem 3. Teil nicht viel anfangen. Ist dann doch zu sehr Shooter.

Taisaka
vor 6 Jahren | 0
Den 3 Teil habe ich bis heute noch nicht durchgespielt und das von einem Riesen Fan der Metroid Reihe. Ich mag die Nunchuck Steuerung nicht, das war auch der Grund wieso ich die WII komplett übersprungen habe und es bis heute nicht bereut habe. Teil 1 + 2 sind aber mehr als nur Pflichttitel !!!

Seesternmann
vor 6 Jahren | 0
Ich schreibe ja sonst nie Kommentare unter die Bewertung von WiiUX, aber hier muss ich es einfach tun. Ich daddel jetzt schon seit 15 Jahren Videospiele auf fast sämtlichen Systemen und bis heute suche ich vergeblich nach den Spielen, die die Metroid Prime Reihe für mich in ihre Schranken weisen. Ich habe alle drei Titel mehrmals auf 100% (Scanns und Items) auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad durchgespielt, ohne Komplettlösung.
Und ich spiele sie immer noch in regelmäßigen Abständen (dieses Jahr ist Prime 2 wieder dran ^^).

Ich verzehre mich schlichtweg nach diesen Spielen und für einen Teil 4 würde ich vermutlich töten. :D (Spaß !!)
Für mich ist diese Spielreihe seit Jahren der Maßstab, es ist in meinen Augen GANZ nah an dem perfekten Spiel dran, das es eig. nicht gibt.

Was dieser Kommentar soll ? Er ist einfach meine kleine Liebeserklärung an diese drei Spiele.

Zanza
vor 6 Jahren | 0
Taisaka verstehe ich überhaupt nicht, die Wiimote+Nunchuck Steuerung ist wirklich genial, man verschmilzt regelrecht mit dem Spiel dank dieser Steuerungsart.



cReeD
vor 6 Jahren | 0
kann man die Spiele auch mit der Pad Steuerung (Gamecube) zocken? Ich mag die Wii Steuerung auch nicht, hab aber MP mit Pad geliebt

Chris
vor 6 Jahren | 0
Nein. Das ist inhaltsgleich mit der Disc-Version von 2009. Um zumindest P1+2 mit Pad spielbar zu machen, wäre eine Überarbeitung nötig gewesen.

Denios
vor 6 Jahren | 0
Kann euch nur zustimmen, ultrageile Trilogie!!!