Test: Donkey Kong Country Returns

Von Lars Peterke am 20. April 2015

Am 21. November 1994 erschien Donkey Kong Country für das Super Nintendo. Von dessen Erfolg getragen, erschienen in den darauffolgenden Jahren zwei weitere, herausragenden Fortsetzungen. Dabei ist besonders Donkey Kong Country 2 hervorzuheben, das noch heute als eines der besten Jump and Runs der Videospielgeschichte gilt. Dennoch wurde es nach Donkey Kong Country 3 etwas ruhiger um die Serie. Auf dem Nintendo 64 folgte mit Donkey Kong 64 zwar der Sprung in die dritte Dimension, jedoch folgte der Titel eher der Prämisse von Spielen wie Banjo Kazooie (welches wie auch alle bisherigen DK-Titel aus dem Hause Rare kam) und nahm daher schon eher Ausmaße eines Action-Adventures an und bot wenig des altbekannten Gameplays. Nintendo selbst führte den Primaten in „Donkey Kong Jungle Beat“ zwar wieder zurück in seine altbekannte 2D-Umgebung, doch der Titel war ein Gameplay-Experiment und konnte dem bereits sterbenden GameCube nicht wieder auf die Beine helfen. Auf der Wii-Konsole sollten die Shooter-Pioniere aus den Retro Studios, die sich mit der Metroid Prime Trilogy ein Denkmal gesetzt haben, dem Franchise neues Leben einhauchen. Wir haben uns erneut angeschaut, wie gut sich die Retro Studios bei ihrem ersten Jump & Run geschlagen haben.

New Super Mario Bros. (mit Bananen)
Wer bei Donkey Kong Country Returns genau hinschaut, entdeckt schnell, wo der Titel seine Wurzeln hat: Allein die Levelkarten haben vom Aufbau her eine frappierende Ähnlichkeit mit New Super Mario Bros. Und auch der kooperative Spielmodus ist stark von Marios Abenteuer inspiriert, schließlich kann Donkey Kong Diddy Huckepack nehmen; stirbt einer der beiden Primaten, kommt er in einem Fass (Pendant zur Blase) wieder angeflogen. Ganz wie in New Super Mario Bros. Wii.



Abseits dieser Gemeinsamkeiten haben wir es aber natürlich mit einer Neuentwicklung zu tun und bekommen nicht einfach ein New Super Mario Bros. mit Bananen serviert. Donkey Kong Country Returns versucht einen Neubeginn der klassischen DK-Spiele. Vorrangig hat man sich hierbei am ersten Donkey Kong Country orientiert. So findet man beispielsweise keine Musikstücke aus dem zweiten oder dritten Teil wieder. Das Spielziel ist ebenfalls gleich geblieben: Level müssen von A nach B durchquert werden und am Ende jeder Welt wartet ein Bossgegner. Dabei durchstreift man die üblichen Territorien und beginnt im Dschungel sowie Tempelanlagen und landet später in tiefen Wäldern oder Levels mit Fabrikthema.

Im Serienkern haben die Retro Studios einige kleinere Einschnitte und Veränderungen vorgenommen. Zunächst fällt auf, dass es keinerlei alte Gegner wie Kremlings oder Klaptraps gibt. Auch King K. Rool taucht nicht als Obermotz auf. Es sei dahingestellt, ob diese Entscheidung bewusst getroffen wurde, oder ob es einfach daran liegt, dass die Nutzung rechtlich nicht möglich war. Denn bis auf Diddy und Donkey sind alle Country-Charaktere von Rare erschaffen worden. Und die gehören mittlerweile bekanntlich zu Microsoft. Darüber hinaus fehlen im Wii-Ableger (anders als im Wii U-Nachfolger) die Unterwasserlevel. Diese Entscheidung wurde damit begründet, dass das Gameplay in diesen Arealen bei diversen Experimenten nicht den Vorstellungen der Entwickler entsprach. Der letzte Einschnitt betrifft die tierischen Helfer. Einzig und allein Rambi hat es in das Spiel geschafft. Der Schwertfisch Enguarde fällt mangels Wasserlevel ebenfalls weg und der Papagei Squawks taucht nur als Gaststar auf.

Auch beim Gameplay gibt es einige Veränderungen zu verzeichnen. Der wichtigste Aspekt ist hierbei sicherlich, dass man immer Donkey Kong steuert. Wurde Diddy aus seinem Fass befreit, sitzt er Huckepack auf Donkey Kongs Rücken und man kann mehr Treffer einstecken sowie in der Luft Diddys Jetpack nutzen, um so für kurze Zeit in der Luft zu schweben. Faktisch lässt sich Diddy Kong im Singleplayer aber nicht einzeln spielen, da nicht zwischen den beiden Primaten gewechselt werden kann, die im ursprünglichen Donkey Kong Country noch unterschiedlich agil waren. Mit Diddy auf dem Rücken stehen maximal vier Herzen zur Verfügung, die sich durch unterwegs eingesammelte Herzen auffrischen lassen. Speicherpunkte gibt es nicht mehr, sodass nach jedem Level der Fortschritt gespeichert wird.

Kreative Spielideen, beeindruckendes Leveldesign
Fernab der Neuerungen gibt es viel Altbewährtes: Neben haufenweise Bananen darf man in jedem Level die KONG-Buchstaben und spezielle Münzen sammeln, die ihr in Cranky Kongs Hütte gegen mehr Spielversuche (die roten Luftballons) eintauschen könnt. Hier könnt ihr auch Bonusherzen kaufen oder euch die Hilfe von Squaks holen. Ihr nutzt ihn als Item vor dem Levelstart und bekommt dann Unterstützung. Squawks sucht für euch Puzzelteile, von denen in jedem Level unterschiedlich viele versteckt sind. Sammelt ihr in einer Welt entsprechend viele Puzzleteile, werden Musikstücke, Bilder und weitere Extras im Hauptmenü freigeschaltet. Und wie es sich für ein richtiges Donkey Kong Country gehört, lässt Cranky Kong keine Gelegenheit aus, um von einer superversteckten Geheimwelt zu reden. Für Core-Gamer sind also genug optionale und zugleich motivierende Zusatzaufgaben enthalten. Ebenfalls könnt ihr bei Cranky Kong einen Schlüssel kaufen, der pro Welt eine Alternativroute mit anderen Levels freispielt. Man ist also durchaus dazu angehalten, möglichst viele Bananenmünzen im Spiel zu sammeln. Besonders gut geht das in den bekannten Bonusräumen, die auch hier wieder quer durch die Level verteilt wurden und manchmal gut versteckt sind. Aber egal welchen Pfad man wählt: Am Ende jeder Welt wartet ein anspruchsvoller Bosskampf. Hier wollen wir natürlich nichts verraten, können dem Spiel aber ohne Einschränkungen bescheinigen, dass jeder einzelner dieser Kämpfe höchst kreativ daherkommt und ansprechend in Szene gesetzt wurde.



Um Donkey Kong Country Returns trotz 2D etwas abwechslungsreicher zu gestalten, haben sich die Retro Studios auch hier etwas einfallen lassen. Beispielsweise lauft ihr in den Levels nicht nur von links nach rechts, sondern klettert auch mal von unten nach oben. Hin und wieder dürft ihr auch auf einem Raketenfass reiten und ihr werdet sogar von einer riesigen Fledermaus oder einer Ameisenarmee verfolgt. Zusätzlich dazu gibt es mehrere Spielebenen. Manchmal katapultiert euch ein Fass gen Horizont, wo ihr in einer entfernt verankerten 2D-Ebene spielt und beispielsweise einen Schalter aktivieren müsst, der dann den Weg auf der Hauptebene des Spiels öffnet. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, sich an grasbewachsenen Flächen festzuhalten. So könnt ihr an bestimmten Stellen an Decken hangeln, Wände erklimmen oder an ganzen freischwebenden Körpern herumklettern. Diese neuen Aspekte erweitern sich einmal mit herkömmlichen, alten Aspekten (Kanonenfässer, Lianen, sich bewegende Plattformen) sowie vielen levelspezifischen Gestaltungselementen. Die Retro Studios schaffen es dabei eindrucksvoll, jedes Level mit bestimmten Ideen anzureichern, sodass ihr nie das gleiche Level mit variierendem Aufbau spielt.

Ein besonderes Lob verdienen die Lorenfahrten, die mehrfach im Spiel auftauchen. Mit besonders fiesen Sprungpassagen, perfekter Inszenierung durch Kamerafahrten sowie gemein platzierten Gegnern kommt hier richtiges Flair und immens hoher Spielspaß auf. Donkey Kong Country Returns lässt oft Momente durchscheinen, bei denen man vor dem Bildschirm staunend feststellt: Unglaublich, sie haben sich auf einer Ebene mit Rares Donkey Kong Country gestellt. Scheinbar wird alles zu Gold, was die Retro Studios anpacken und die hohe Kunst des Leveldesigns beherrscht man dort perfekt.

Kleine Makel in einem grandiosen Spiel
Betrachtet man die Spielinhalte, ist Donkey Kong Country Returns fast perfekt. Die einzigen Abzüge handelt sich Donkey Kong Country Returns in technischen Aspekten ein. Die Präsentation ist es aber gewiss nicht: die Grafik ist phänomenal, strotzt vor Detailreichtum, beeindruckenden Animationen und tollen Effekten, die das Flair perfekt einfangen. Der Comic-Look ist perfekt getroffen und besonders atemberaubend ist es, wenn man durch ein Areal katapultiert wird und ganze Hintergründe am Spieler vorbeiziehen und sogar thematische Levelübergänge geschaffen werden. Hin und wieder gibt es auch abstrakt designte Level, bei denen man nur die schwarzen Konturen erkennt und Donkey Kong allein an seiner roten Krawatte ausmachen kann. Dadurch ist es zum Beispiel besonders schwer Gegner zu erkennen. Die Levels spielen mit diesem Umstand und ergeben dadurch eine leicht andere, abwechslungsreiche Gameplay-Erfahrung. Der Sound verdient ebenfalls keine Kritik. Die Retro Studios waren klug genug, die alten Songs zu verwenden, neu zu arrangieren und mit einigen neuen, besonders gelungenen Kompositionen zu erweitern. All das geht Hand in Hand mit schönen Soundeffekten, die ein Klangbild erschaffen, das keinerlei Wünsche offenlässt.

Ausgerechnet in der Steuerung gibt es ein wenig Kritik. Hierzu sei zunächst einmal die Steuerung erklärt. Gespielt wird mit der Wii-Fernbedienung. Via Steuerkreuz lenkt ihr Donkey Kong, mit dem 2-Knopf springt ihr und mit dem 1-Knopf lauft ihr. Schüttelt ihr die Wii-Fernbedienung, trommelt Donkey Kong auf dem Boden. Lenkt ihr beim Schütteln nach links oder rechts, rollt Donkey Kong, und drückt ihr nach unten, könnt ihr pusten. Dies ist manchmal bei bestimmten Gegnertypen oder Objekten erforderlich. Die Problematik ist nun erst einmal die Bewegungssteuerung an sich. Diese funktioniert zwar, stört aber in manchen Situationen den Gameplayfluss und nimmt euch ein wenig Genauigkeit. So passiert es ab und zu, dass Donkey Kong auf dem Boden trommelt, anstatt eine Rolle nach vorne zu machen, wenn ihr vorher nicht genug Anlauf habt.

Weniger störend fällt dieses Element jedoch schon bei der Steuerung via Nunchuk und Wii-Remote aus. Da ihr hier mit dem Stick des Nunchuks steuert und unabhängig davon mit der Wii-Remote eine kurze Schwingbewegungen aus dem Handgelenk machen könnt, fühlen sich die Bewegungsfeatures wesentlich angenehmer an. Dennoch ist die fehlende Unterstützung einer gänzlich klassischen Spielsteuerung (z.B. mit dem Classic-Controller) unverständlich. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Donkey Kong Country Returns die Neuinterpretation eines 2D-SNES-Klassikers darstellt und eine Implementierung mit keinem zusätzlichen Mehraufwand verbunden wäre, darf man sich ernsthaft fragen, wieso eine solche Unterstützung fehlt.



Die zweite kleine Kritik an Donkey Kong Country Returns bezieht sich auf den kooperativen Zweispielermodus. Dieser ist zwar nett gemeint und eine sinnvolle Ergänzung, funktioniert aber oft nicht ganz so, wie er soll. Dies liegt vor allem daran, dass gewisse Spielaktionen von beiden Spielern gleichzeitig ausgeführt werden. Sitzt man also in einer Lore, können beide Spieler die Sprungaktion ausführen. Das führt automatisch zu Missverständnissen und man muss sich beispielsweise absprechen: „Hör mal eben auf zu drücken, ich spiel die Passage eben alleine.“ In früheren Levels ist das noch wenig problematisch, aber in späteren Welten zeigt der Modus seine Schwächen, wenn Plattformen bei der ersten Berührung unter euch wegbrechen und sich euer Kumpel beschwert, dass ihm eine Plattform zum Landen fehlt und er nun in den Tod springen muss. Hier wird der Koop-Modus also eher zum Synchronspiel-Modus und da viele Levels offensichtlich nicht von Grund auf für den Koop konzipiert wurden, ist das Ganze oftmals ziemlich unpraktisch.

Fazit:
Mit Donkey Kong Country Returns haben die Retro Studios einen wirklich beeindruckenden Einstand im Jump & Run Genre hingelegt. Einzig der in späteren Levels etwas aufgesetzt wirkende Koop-Modus sowie das Fehlen einer gänzlich klassischen Steuerungsmethode (z.B. via Classic Controller) bietet Raum für Kritik. Glücklicherweise ist es im Falle von Donkey Kong Country Returns aber so, dass diese beiden Kritikpunkte das Spiel nicht großartig beeinflussen. Es bleibt ein Donkey Kong Jump & Run in Reinkultur mit einem teils sehr fordernden Schwierigkeitsgrad, großem Umfang, vielen optionalen Extras zum Sammeln und Freispielen, kreativ gestalteten Bossgegnern, vielen neuen Gameplay-Ideen, einer grandiosen Optik und einem Leveldesign, das für 2D-Jump & Runs schon sehr nah an der Grenze des Optimalen agiert. Kurzum: Donkey Kong Country Returns kann sich trotz einiger kleiner Einschnitte mit seinem Urvater auf eine Stufe stellen und ist damit eines der besten 2D-Jump & Run für Wii.

Wertung:

9.0

Lars Peterke meint:

"Klasse Jump´n´Run mit hohem Schwierigkeitsgrad und herausragendem Leveldesign."
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2 Kommentare:


michi1894
vor 6 Jahren | 0
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Buttergebäck
vor 6 Jahren | 0
Absolutes Topspiel. Wer an Tropical Freeze Freude hatte, der sollte sich auch das hier holen.