Test: EarthBound Beginnings

Von Michael Prammer am 01. August 2015

Die Electronic Entertainment Expo in diesem Jahr hatte aus der Sicht von Nintendo noch gar nicht richtig begonnen, da ließ das Unternehmen anlässlich der World Championships bereits eine erste Bombe platzen. Während des Treehouse-Warmups zum Gaming-Event des Jahres kündigte man fast schon beiläufig die Veröffentlichung von EarthBound Beginnings für die Virtual Console von Nintendos Wii U an. Ursprünglich erschien das Rollenspiel vor ca. 25 Jahren auf dem Nintendo Entertainment System und war nie für Europa vorgesehen. In Japan allerdings ist die Mother-Serie (so der Titel im Land der aufgehenden Sonne) ein absoluter Hit. Wir von WiiUX konnten nach EarthBound, das auf Mother 2 beruht und auf dem Super Nintendo erschien, nun den Erstling testen und verraten euch, ob sich der Nostalgietrip lohnt.



Die Geschichte von EarthBound Beginnings beginnt ähnlich wie im bereits erhältlichen Teil der Serie. Der Spieler startet im Haus seiner Mutter und muss sich von dort aus in ein großes Abenteuer begeben. Dabei wirkt der Titel im Prinzip schon direkt auf den ersten Blik exakt so wie der zweite Teil von EarthBound, nur eben etwas stärker gealtert. Auch diesmal werden dazu zunächst die Namen der Charaktere samt ihrem jeweiligen Lieblingsessen erstellt, ehe man auch schon im Zimmer des Hauptprotagonisten beginnt. Nach einem ersten Kampf und einem Telefonat mit dem Vater macht sich Ninten, so der Name des Hauptdarstellers, auf den Weg in die nahegelegene Kleinstadt. Dort wird zunächst der Bürgermeister aufgesucht, der euch von einer Invasion unterrichtet und so weiter und so fort. Man merkt bereits schon jezt die deutliche Parallelen.

Auch die Spielmechanik von EarthBound Beginnings ist wieder ganz typisch für ein Rollenspiel aus Japan. Ihr bewegt euch mit euren Charakteren auf einer Oberweltkarte und werdet in regelmäßigen Abständen plötzlich und ganz aus dem Nichts von diversen Feinden angegriffen. Im Kampf selbst führt ihr abwechselnd gegen die Computergegner eure Züge aus, um danach im Idealfall als Sieger aus der Schlacht hervorzugehen. Ein altbekanntes Spielprinzip, das in EarthBound Beginnings jedoch teilweise sehr nervig sein kann. Manchmal hat man schlichtweg das Gefühl, dass man keiner zwei Meter vorwärts kommt, ohne in den nächsten Kampf verwickelt zu werden. Hatte man einen anstrengenden Kampf und seine Heilgüter dabei beinahe komplett aufgebraucht, kann das schnell zum Ende der Geschichte führen. Und damit kommen wir auch direkt zum ziemlich heftigen Schwierigkeitsgrad, der sich bereits nach kurzer Zeit bemerkbar macht. Geld ist nur sehr mühsam zu verdienen, Heilgüter liegen auch nicht wie Sand am Meer herum und so muss man in den Kämpfen schon zu Beginn gut überlegt und taktisch vorgehen, um nicht sehr schnell sein blaues Wunder zu erleben.

Eine weitere "Schwierigkeit" stellt der Erkundungsfaktor dar. Der Spieler bekommt nicht alles vorgekaut und muss selbst herausfinden, wie es weiter geht. Dementsprechend muss viel mit den NPCs gesprochen werden, um über die nächsten Schritte unterrichtet zu werden. Eine Übersichtskarte ist zwar grundsätzlich vorhanden, jedoch wird dort keineswegs eingezeichnet, wohin der weitere Weg führt. Dadurch muss man die Umgebung noch sorgfältiger erkunden und auf die viele kleinen Details achten. Und natürlich der englischen Sprache mächtig sein. Wie bereits im SNES-Teil wurde auf eine deutsche Übersetzung verzichtet.



Die Technik ist aus damaliger Sicht betrachtet ziemlich beeindruckend. Die Gegner sind gut animiert, der dudelige Sound mach den Ohren Spaß und das Spielgeschehen gestaltet sich trotz des verzögerten Anlaufs des Hauptcharakters als durchaus flott. Jedoch hat der ein oder andere vielleicht noch EarthBound für den Super Nintendo im Hinterkopf, das vor einigen Monaten ebenfalls erschienen ist. Im Gegensatz dazu wirkt der Titel schon strak eingerostet. Einige Interaktionen mögen damals toll gewesen sein, stören jedoch jetzt den Spielfluss etwas. Eine Geldkarte muss extra ausgewählt werden, um am Automaten an Geld zu gelangen, ein Schlüssel muss ebenfalls erstmal gewählt werden, um eine Tür zu öffnen. Eine automatische Interaktion, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht.

FAZIT:
EarthBound Beginnings ist unter dem Strich ein wirklich gutes Rollenspiel, das eine Menge Retrocharme versprüht. Dennoch wäre es wohl klüger gewesen, wenn Nintendo diesen Teil vor dem Super Nintendo-Ableger für die Virtual Console veröffentlicht hätte. Die Grafik ist für die Zeit des Erscheinens richtig gut, wirkt im Vergleich zu EarthBound jedoch einfach zu altbacken. Die Spielmechanik wirkt etwas abgehackt im Vergleich zum SNES-Titel, was den Spielfluss doch merklich stört. Dazu kommt ein sehr knackiger Schwierigkeitsgrad, der unerfahrene Spieler bereits nach etwa einer Stunde schon vor größere Probleme stellen könnte. EarthBound-Fans, die den Super Nintendo-Ableger durchgesuchtet haben, schlagen aber wohl dennoch auch hier blind zu. Wer zum ersten Mal mit der Serie in Verbindung kommen möchte, dem lege ich jedoch nicht diesen Teil, sondern ganz klar den Super Nintendo-Titel ans Herz. Der ist dann doch eine ganze Idee besser.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Für damalige Zeiten ein Ausnahmetitel, heute ist man mit dem Super Nintendo-Ableger zum gleichen Preis besser bedient."
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

13 Kommentare:


michi1894
vor 6 Jahren | 0
...

Belphegor
vor 6 Jahren | 0
Ich habe mir den Titel auch gekauft habe aber recht schnell abgebrochen (vorangig wegen LEGO JW). Mein Ersteindruck ist: genial aber bockschwer. Ich denke bei diesem Titel muss man sich reinfuchsen und "Bock drauf haben".

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Michi wieso sprichst du in deinem Test von "Ness" :D ?
In Mother (1) spielt man mit Ninten!

Oder haben die für den Westen daran gefuscht?

michi1894
vor 6 Jahren | 0
@Pro: Danke für den Hinweis. Ist ein Fehler von mir und wird geändert.

schurik
vor 6 Jahren | 0
Was mich etwas stört an euren Reviews ist, dass ihr immer gute Wertungen gebt.

Bevor ich überhaupt angefangen habe zu lesen, dachte ich mir, dass es ne wertung zwischen 7 und 9 bekommt.

Für mich absolut unersichtlich. Auch wenn der Titel nicht mit modernen Spielen verglichen werden kann. So ist er sicherlich aus heutiger Sicht kaum Spielbar. Schon die Spielmachanik von Earthbound 2 ist mit dem ünnötig komplizierten Menü mies. Aber das was ich vom ersten Teil gesehen habe ...

Es wäre schön wenn Ihr nur wirklich guten Titeln auch gute Noten gebt. und nicht jedem X-beliebigen eine 7.0 nur weil es Nostalgisch ist oder so.

Ich möchte euch nicht groß Kritisieren. Mir ist es bloß schon öffters aufgefallen. Andererseits sind benotungen an sich schon meist wenig Aussagekräftig ohne einen Review Text (und den habt ihr ja abgeliefert) :)

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Gut, hatte schon angst das am Spiel gefuscht wurde :)

Dann noch eine Sache bzgl. deines Kommentars in der Wertungsbox, Earthbound kostet satte 9,99€, Earthbound Beginnings hingegen 6,99€.
Also den Super Nintendo Ableger bekommt man nicht zum gleichen Preis :P

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
@ Schurik:
1.0 - 2.0: Nur weil etwas retro ist, muss es nicht auch gleich gut sein. Titel aus der Virtual Console die wir mit einer dieser Wertungen abstempeln sind mit der Zeit nicht etwa weiter gereift sondern eher verfault. Oft gibt es schon auf ihrem System mehrere Alternativen, die deutlich mehr Spaß machen.

3.0 - 4.0: Spiele in diesem Wertungsbereich müssen nicht zwangsläufig schlecht sein, weisen aber Qualitätsmängel auf, die sie von den Vorreitern der damaligen Zeit abgrenzen. Der Zahn der Zeit tut sein Übriges und ihr solltet zweimal überlegen, ob ihr Geld in den Titel investieren wollt.

5.0 - 6.0: Das gesunde Mittelfeld. Solche Titel mögen vielleicht schon damals nicht die kreativsten Vertreter ihrer Gattung gewesen sein, können aber trotzdem auch heute noch Spaß machen. Besonders, wenn man ein Faible für ihr Genre hat oder schöne Erinnerungen mit ihnen verbindet.

7.0 - 8.0: Solche Spiele punkten mit klugen Konzepten und ausreichend Feinschliff. Sie glänzen vielleicht nicht mehr wie früher, gehören aber zu den besten Genre-Vertretern auf ihrem System. Wenn man nicht gerade eine Abneigung gegen das Genre hegt, sollte man sie spielen.

9.0 - 10: Die zwei Höchstwertungen heben wir uns für Titel auf, die zu den Highlights auf ihren jeweiligen Systemen zählen oder gar das Prädikat „Meilenstein der Videospiel-Geschichte“ verdient haben. Wer sich diese Werke entgehen lässt, verpasst etwas Großartiges. Hier gilt eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Scheiß Zeichenbegrenzung xD Naja, weiter im Text!

WiiUX relativiert seine Wertungen schon aus der heutigen Sicht, zu NES Zeiten wäre Mother wohl eine 9-10 gewesen, bloß weil viele alte Spiele heutige Spieler überfordern sind Sie deshalb aber nicht gleich schlecht. An Mother hat der Zahn der Zeit genagt und das drückt lediglich eine 7.0 schon sehr gut aus.

Manche Spiele altern halt besser, andere schlechter. Sei es nun die Optik oder das Spielprinzip. Was damals revolutionär und großartig war ist heute etwas in die Jahre gekommen, aber keineswegs schlecht und die Wertungen welche WiiUX vergibt sind in Rahmen ihrer Bedeutung fast immer nachvollziehbar.

Wenn du dich an Wertungen stören möchtest, wie wäre es mit Super Mario Kart? Ist ohne frage ein geniales Spiel, aus heutiger Sicht aber auch sehr in die Jahre gekommen, trotzdem 9/10 - gut es ist ein Meilenstein, aber wirklich sehr veraltet. Oder Super Mario World welches absolut nicht in die Jahre gekommen ist und nur 8/10 bekommt.

Oder an den Wertungen zu Call of Duty und Assassin's Creed, wenn es nicht unbedingt Retro sein muss :D

WiiUX.de vergibt im allgemeinen aber vernünftige und nachvollziehbare Wertungen und selbst wenn man mit der Endwertung nicht überein stimmt sind die Tests gut geschrieben.

Chris
vor 6 Jahren | 0
@schurik Die in der Spielebranche üblichen Bewertungen im 10er-System sind ohnehin zu hoch. Wäre vielleicht was für den Feedback-Thread, aber du das hier schon ansprichst schreib ich mal was dazu.

Die Wertungen sind nämlich etwa so üblich:

10 absolutes Meisterwerk -> wird eigtl. nicht vergeben

9 gehört zum besten in seinem Genre -> jeder Top-Titel bekommt diese Bewertung

8 "Gut"

7 "Okay" -> diese Titel sind ein Fall für Fans oder für ein Kauf zu reduziertem Preis. Je nach Erwartungen werden diese Titel oft aber schon als schlecht empfunden.

6 und darunter ist nur noch eine Variation wie scheiße das Spiel nun ist. Ob ein Spiel 6 oder 3 bekommt ist kaum relevant.

Auch wenn man einem AAA-Titel "nur" 80% gibt, gibt es oft schon Leute, die das als (zu) niedrig empfinden. Rein rechnerisch müssten die Bewertungen in etwa das bedeuten:

10-9 überragend

8-7 gut... eine 7 gehört zum oberen Drittel der Skala

6-5 Diese Titel sind nicht schlecht, man kann seinen Spaß damit haben, aber sie leiden unter nicht mehr vernachlässigbaren Schwächen

4-3 Erst ab hier sollten "schlechte" Spiele kommen. Diese Spiele funktionieren im Kern, haben aber einfach derart massive Schwächen, sodass man sie selbst Fans nicht empfehlen kann.

2-1 Totalausfall...

Genauere Unterteilungen hab ich mir gespart, in etwa so müsste es aber sein. Ich kann jedoch verstehen, warum man sich am verkorksten Standard orientiert. Seinen Lesern zu erklären, dass 7 eine gute Bewertung ist, ist nicht einfach. Außerdem erschwert es den Vergleich der Wertungen mit anderen Magazinen, wenn man die 10er-Skala anders verwendet als der Rest.

Nebenbei: Ist mir ein Dorn im Auge, dass Nintendo für Earthbound 10€ und für Beginnings 7€ will... die VC-Spiele sind teuer genug und sie haben sich damit keine Arbeit extra gemacht, die einen höheren Preis rechtfertigen würde. Die englische Version von Beginnings hatten sie noch in der Schublade. Wurde nur vorher nicht veröffentlicht.





Chris
vor 6 Jahren | 0
8-7 gut... eine 7 gehört zum oberen Drittel der Skala

6-5 Diese Titel sind nicht schlecht, man kann seinen Spaß damit haben, aber sie leiden unter nicht mehr vernachlässigbaren Schwächen

4-3 Erst ab hier sollten "schlechte" Spiele kommen. Diese Spiele funktionieren im Kern, haben aber einfach derart massive Schwächen, sodass man sie selbst Fans nicht empfehlen kann.

2-1 Totalausfall...

Genauere Unterteilungen hab ich mir gespart, in etwa so müsste es aber sein. Ich kann jedoch verstehen, warum man sich am verkorksten Standard orientiert. Seinen Lesern zu erklären, dass 7 eine gute Bewertung ist, ist nicht einfach. Außerdem erschwert es den Vergleich der Wertungen mit anderen Magazinen, wenn man die 10er-Skala anders verwendet als der Rest.

Nebenbei: Ist mir ein Dorn im Auge, dass Nintendo für Earthbound 10€ und für Beginnings 7€ will... die VC-Spiele sind teuer genug und sie haben sich damit keine Arbeit extra gemacht, die einen höheren Preis rechtfertigen würde. Die englische Version von Beginnings hatten sie so noch in der Schublade. Wurde vorher nur nicht veröffentlicht.

Fantasma
vor 6 Jahren | 0
Psst, noch einmal über den zweiten Absatz lesen.
Da haben sich noch mehr Fehlerteufel eingenistet. ;)

Schöner Test.
Persönlich hätte ich dem Spiel allerdings eine 6.0 oder 6.5 gegeben.

Während das setting zu den erfrischend anderen gehört, quasi reale Welt, was in einem Rollenspiel her selten ist, wurmt mich das Balancing.
Der Anfang ist schwer, bis man en Holzschläger hat, dann wird's machbar.
Später kommt noch Rosemary Manor hinzu, das ebenfalls knüppelhart ist und dann kommt Mt. Itoi.

Ich hatte ja gehört, dass gerade der Endteil schwer ist, aber dass er SO schwer ist habe ich nie erwartet.

Nebenbei, alles was noch 50 % der Gesamtwertung erreicht liegt für mich schon im spielbaren und vielleicht sogar unterhaltsamen Bereich.
Hey, ich habe AMY gespielt, dass hatte auf 4players 60 %.
War besser, als erwartet.

Tobsen
vor 6 Jahren | 0
Schöner Test!

Ich werde mir das Spiel garantiert laden, da mich Earthbound irgendwie fasziniert - kA eigentlich, wieso das so ist^^. Mal sehen, wie ich den Schwierigkeitsgrad empfinde.
Außerdem ist das ein Spiel, dessen VC-Release mal richtig Sinn macht im Gegensatz zum 200. Mal releasten OoT oder Super Mario World.
Jetzt, Nintendo, noch Mother 3!^^

schurik
vor 6 Jahren | 0
@ProG4M3r & Chris

So wie ich eure beiden Beiträge verstanden habe, scheint Ihr zu glauben, dass ich dem titel eine höhere Note zuschreiben würde... !?

Allerdings meinte ich eher eine niedrigere Note wäre gerechtfertigt.
Wertung 7.0 ist natürlich ziemlich gut.

Aber okay, eure Beiträge machen eine Gute Aussage und Erklärung zu dem thema. Danke für die ausführlichen Antworten.