Test: Legend of Kay Anniversary

Von Michael Prammer am 15. August 2015

Adventure-Fans haben es nicht leicht auf Nintendos Heimkonsole Wii U. Darksiders 2 und The Legend of Zelda: Wind Waker HD sind längst durchgespielt und die ganz große Hoffnung, The Legend of Zelda für Wii U, wurde erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Was also gegen den Abenteuer-Hunger tun? Nordic Games will Abhilfe schaffen und bringt einen Playstation 2-Klassiker in neuem Gewand. Legend of Kay Anniversary ist das Ergebnis des mittlerweile 10 Jahre alten Spiels. Die Formel ist relativ einfach. Man nehme ein gut funktionierendes Abenteuerspiel, schraube ein wenig an der Grafik herum und gebe dem Ganzen ein fesches „Anniversary“ als Beinamen. Ob diese Rechnung aufgegangen ist, verraten wir in unserem WiiUX-Test.



Der Meister und sein Schüler
Zunächst etwas fernöstlicher Geschichtsunterricht, der direkt aus den KungFu-Panda-Filmen stammen könnte. Vier Tiervölker leben in einem Reich namens Yenching in Frieden und Harmonie. Grund hierfür sind die magischen Brunnen, die jedes Reich besitzt und die dank ihrer Magie den Bewohnern ein friedliches Leben bescheren. Gar kein Interesse an dieser Idylle hat ein Gorillavolk, das für das Austrocknen der Brunnen sorgt und die Völker nach und nach unterwerfen will. Als würden die Affen noch nicht ausreichen, verbünden sich diese mit einem Rattenvolk, welches magische Fähigkeiten besitzt. Die einzige Hoffnung der friedliebenden Völker ist ein alter Meister, der sich jedoch eher alkoholischen Getränken als seiner Kampfeskunst widmet. Ein neuer Held muss her und so bringt der alte Meister seinem Schützling Kay, einem aufmüpfigen Tiger-Teenager, sein gesamtes Wissen um die Kunst des KungFu bei. Es liegt fortan an dem Jüngling, für Frieden auf der Welt zu sorgen.

Legend of Kay ist ein klassisches Action-Adventure. Man beginnt die Reise in einem Dorf, bekommt die ersten kleinen Aufträge und wird somit in das Abenteuer behutsam eingeführt. Die Spielmechanik bedient sich dabei verschiedener Elemente. Es gilt, die Welt zu erkunden, Aufgaben und Rätsel zu lösen und gegen Feinde zu kämpfen. Mal in Höhlen, mal in einer Sumpflandschaft oder in üppigem Grün; die japanisch-anmutende Welt hat einiges an Abwechslung zu bieten. Dabei folgt der Spieler zwar einer Art rotem Faden, muss jedoch stets einzelne Abschnitte frei erkunden, um die Geschichte weiter voran zu treiben. Die Parallelen zur The Legend of Zelda-Serie lassen sich jetzt schon nicht mehr verbergen. Herzcontainer und Magiecontainer kann man im Laden kaufen oder in der Welt finden, verschiedene Waffen werden im Laufe des Spiels verbessert – viele Dinge erinnern an die Abenteuer von Link.



Ein wenig Zelda mit einem Hauch Mario
Dazu kommt eine kleine Priese Jump & Run mit ins Adventure. Dadurch wirkt Kay deutlich agiler als sein Pendant mit der grünen Zipfelmütze. Doppelsprünge und in manchen Passagen auch Wandsprünge lassen kurzzeitig sogar Super Mario ins Staunen geraten. Dann kommen an manchen Stellen noch Reitpassagen auf Wildschweinen oder Wölfen zum Einsatz, die Abwechslung in die Spielmechanik bringen. Die Dialoge, die etwas zu oft vorkommen, profitieren leider nicht von einer zeitgemäßen Neuerung, wie sie eigentlich versprochen wird. Zwar sind beispielsweise die Frösche mit französischem Akzent urkomisch und auch die Dialoge zwischen den Ratten und dem Protagonisten sorgen für Unterhaltung. Die Texte lassen sich aber weder beschleunigen, noch ganz wegdrücken. Und natürlich sind auch nicht alle Gespräche so witzig, dass man sie unbedingt ansehen oder anhören müsste.



Schlimme Kamera...
Noch schlimmer ist jedoch die Kameraführung. Und hier kommt der Punktabzugshammer, denn was sich die Entwickler dabei gedacht haben, ist absolut nicht nachvollziehbar. Eine saubere Kamerajustierung sucht man vergeblich. Das kann leider viel zu oft zu unnötigen Bildschirmtoden führen. Auch nicht zeitgemäß ist die Tatsache, dass man Gegner nicht anvisieren kann. Bei mit Gegnern gefüllten Bildschirmen kann das sehr nervig werden. Aber gerade in Bosskämpfen wäre diese Funktion mehr als nützlich. Ansonsten aber geht die Steuerung gut von der Hand, lässt sich schnell erlernen und ist mit Ausnahme der Kamerasteuerung relativ präzise.

Grafisch präsentiert sich Legend of Kay Anniversary in einem neuen Look, der leider nur teilweise überzeugen kann. Während die Charaktermodelle super animiert sind und außerdem sehr schön aussehen, hat man scheinbar etwas an der Umgebung gespart. Die Welten und Hintergründe sehen nicht wirklich überzeugend aus und hätten etwas hübscher sein können. Wir haben es leider immer noch sichtbar mit einem Spiel zu tun, das seine Wurzeln auf der PlayStation 2 hat. Der Sound allerdings ist, mit Ausnahme einiger lahmer Sprecher, absolut fantastisch und fügt sich wunderbar ins Spielgeschehen ein. Nach etwa 12-15 Stunden hat man das Spiel beendet. Dank einiger Erfolge, die in Form von Bildern, Videos und Musikstücke im Menü zu finden sind, lohnt ein weiterer Durchlauf. Außerdem ist gerade der höchste Schwierigkeitsgrad extrem fordernd, sodass auch Profis auf ihre Kosten kommen.


FAZIT:
Legend of Kay Anniversary kommt für Adventure-Freunde gerade richtig. Eine gute Spielmechanik, die vor 10 Jahren schon funktioniert hat, klappt auch heute noch. Die Grafik wurde teilweise verbessert und lässt vor allem die Charaktere in neuem Glanz erstrahlen. Leider muss sich die Kameraführung einige Kritik gefallen lassen, sie bereitet dem Spieler viel Frust. Auch die nicht überspringbaren Dialoge nerven teilweise extrem. An manchen Stellen, inklusive einer Funktion zum Anvisieren der Gegner, hätte man besser bei Zelda kopieren dürfen. Denn im Grunde will Legend of Kay ein Zelda-Klon sein. Und im Grunde ist es sogar ein relativ guter. Ich habe das Original nie gespielt und somit einen frischen und im großen und ganzen gelungenen Abenteuertitel bekommen, den man ohne Probleme weiterempfehlen kann. Der Preis von unter 30€ ist ebenfalls angemessen, sodass man sich auch trotz der Macken einen Kauf überlegen darf.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Gelungenes Action-Adventure mit einem tollen Ausflug ins fernöstliche Tierreich. Leider aber auch mit einer furchtbaren Kamera."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

7 Kommentare:


michi1894
vor 6 Jahren | 0
...

Chris
vor 6 Jahren | 0
Wenn man mal so drüber nachdenkt ist es eigentlich nicht ganz fair bei einem 30€-Titel die gleichen Maßstäbe anzusätzen wie bei einem 60€-Titel. Irgendwo müssen da Abstriche gemacht werden. Gut dass ihr den Preis noch angesprochen habt.

"Auch nicht zeitgemäß ist die Tatsache, dass man Gegner nicht anvisieren kann."

Ihr müsst das Combo-System benutzen. Damit kann man auch Gegner "anvisieren".

StMaster3000
vor 6 Jahren | 0
25€ kostet die Wii U Version, nicht 30 ^^

Chris
vor 6 Jahren | 0
Im eshop hab ich 30€ bezahlt. :-/

StMaster3000
vor 6 Jahren | 0
Der Release Retail Preis geringer als die DL-Version 0_o

wazup
vor 6 Jahren | 0

Ist doch fast immer so. Retail ist fast immer günstiger.

Das fehlende Anviesieren mit der Kamera ist kein echter Kritikpunkt. Das ist Teil des ziemlich coolen Kampfsystems (Combos).

Generell ist das Spiel schon ziemlich genial. Hätte man nur ein paar Tage damit verbracht die Kamera zu moderniesieren. wäre Kay der mega Kracher. Das Spiel macht trotz seines Alters richtig spass, aber die Kamera ist der schlimmste Gegner in dem Spiel.

KeeperBvK
vor 6 Jahren | 0
Der Preis kann nicht fair in die Wertung einfließen, da er sich immer verändern kann. Ein €60-Titel kostet vlt ein halbes Jahr später nur noch 30. Oder Legend of Kay ist plötzlich für eine Woche auf €20 rabattiert. Soll man dann für die eine Woche ein neues Review schreiben? Ein Review wertet immer nur das eigentliche Spiel. Ob dieses Spiel dann den aktuell geforderten Preis wert ist, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für manchen sind vlt auch €60 Peanuts, wo der andere erst einmal wochenlang Taschengeld spart. Nein, der Preis kann absolut keine Rolle spielen in einem Review. Er kann erwähnt und auch mal gelobt oder kritisiert werden, aber er kann die Wertung nicht beeinflussen.