Test: Elliot Quest

Von Stefan Finke am 07. September 2015

Indie-Games, Retro, Kickstarter und spirituelle Nachfolger. Diese Begriffe fallen im Kontext der Videospiel-Branche aktuell zuhauf. Ob nun Mighty No.9, Yooka & Laylee oder Bloodstained: Ritual of the Night, es werden alte geliebte Spiele genommen und in einer neuen Adaption vorgestellt. Während hinter diesen Spielen auch noch große Namen wie Keiji Inafune stehen, versuchen sich kleine frische Entwickler ebenfalls an Retro-Erfolgskonzepten. Auch Elliot Quest entstand durch eine Kickstarter-Initiative, welche sich blatant als ein von "Zelda II: The Adventure of Link" inspiriertes Spiel beworben hat. Und dies erfolgreich genug, sodass dieser Titel seit einiger Zeit im eShop der Wii U erwerbbar ist. Doch konnte das Indiestudio das Konzept aufgreifen und in einem eigenen Spiel sinnvoll umsetzen?

 

Einsame Monologe in einer weiten Welt

Ähnlich wie in Spielen der älteren Generationen wird auch in Elliot Quest nicht lange gefackelt. Kaum betätigt ihr den Start-Knopf übernehmt ihr auch schon die Kontrolle der Hauptfigur Elliot. Lange und imposante Intros sowie überausführliche Tutorials sucht ihr hier vergebens, stattdessen könnt ihr gleich das erste Level erkunden und euch dabei quasi selbst entdecken. Aber dies ist auch überhaupt kein Problem, da das Gameplay sich recht schnell als bodenständig herausstellt. Bis auf das Herumhüpfen und das Schießen mit eurem Bogen könnt ihr nicht viel tun - und dennoch ist dies in der Welt von Elliot Quest absolut befriedigend. Schnell seid ihr nämlich damit beschäftigt, eure Umgebung zu bekämpfen und den ersten Gegnern an den Kragen zu rücken. Dabei spielt eine Rollenspiel-Komponente mit ein, denn für jeden erledigten Gegner bekommt ihr entsprechende Erfahrungspunkte gutgeschrieben. Für jeden Level-Up erhaltet ihr wiederum Fähigkeitspunkte, die ihr in verschiedene Stärken eures Charakters investieren könnt. Die Levelstruktur gewinnt dabei am meisten vom Erfolgskonzept Zelda: Während ihr einen guten Teil der Welt bereits besuchen könnt, verbleiben jedoch viele Nebenwege unerreichbar bis ihr gewisse Items erworben habt, um euch diese zu erschließen. Das reicht von Windmagie bis hin zu Bomben und so weiter. Für Erkundungsfreudige ist dies ein goldener Schatz, denn jeder Ort muss mehrmals besucht werden und wird immer noch neue Geheimnisse für euch bereithalten.

 

 

Doch warum ist man überhaupt unterwegs? Wurde die holde Prinzessin entführt oder vielleicht bedrohen ja doch eher quallige Alien-Spezies eure Welt? Ohne Einleitung ist dies nur schwer zu erfassen. Clever jedoch: Die Narration integriert sich recht flüssig über einige Monologe, die ihr zumeist an Speicherpunkten auslöst. So richtig viel versteht man dabei zunächst aber nicht, jedoch entfaltet sich die Story mehr und mehr je weiter ihr die Welt erkundet. Während dies einerseits eine gewisse Spannung für die weiteren Abschnitte des Spiels erzeugt, so lässt es euch dies anderseits aber auch gleichermaßen ziellos in der Welt herumlaufen. Das mag vielleicht gerade am Anfang ein wenig stören, denn den roten Faden des Spiel findet man häufig nur aus Zufall. Aber das Spiel vermittelt durch seine erkundungsfreudige Welt eine "Der Weg ist das Ziel"-Mentalität, sodass all die gefundenen Geheimnisse einem zumeist recht gut beschäftigen.

 

Pixel, öffne dich!

Visuell versucht sich Elliot Quest an einem minimalistischen Stil, der sich sanft und ohne jeglichen Konturen definiert. Unser Held ist gerade einmal ein paar wenige Pixel groß, was nicht viel Raum für Ausdruck und Emotion lässt. Dies ist aber keineswegs negativ gemeint, denn auch wenn unser Charakter ein kleines unbeschriebenes Blatt ist, so passt dies auch wunderbar zur generellen Informationsarmut am Anfang, welche den Spieler dazu anregen, sich die Welt selbst zu erschließen. Auch insgesamt zeigt sich das Spiel recht poliert und klar im Konzept. Die Steuerung ist simpel, das Wii U GamePad wird für das Menü benutzt, welches sich dann über den Touchscreen navigieren lässt. Oder aber ihr nutzt das GamePad als Bildschirm für das Spiel, wenn der Fernseher mal ausgeschaltet bleiben soll.

 

 

Die Musik ist recht verspielt bzw. verträumt und lädt zum munteren Erkunden ein. Keiner der Tracks wird euch vermutlich längerfristig im Ohr hängen bleiben, aber für das Spielempfinden ist sie dennoch mehr als nur ausreichend. Dörflinge und ähnliche Konsorten haben meist einen lockeren Ton auf den Lippen und geben zahlreiche Tipps die euch erahnen lassen, dass es viele Geheimnisse zu entdecken gibt. Und diese gibt es in Elliot Quest wirklich zuhauf.

 

Fazit:

 

Für Elliot Quest sind 12,99 Euro zu zahlen, doch das kann sich durchaus lohnen. Mit 8 - 10 Stunden Spielzeit ist zwar auch dieser Downloadtitel nicht der längste, überzeugt aber mit guter Ausarbeitung und solider Umsetzung des Zelda II-Vorbilds. Dementsprechend kann man hier schnell die Verbindung ziehen: Wer Zelda II schon mochte, wird mit diesem Titel gut bedient sein. Aber auch so ist die Verbindung von Platformer, RPG und Action-Adventure eine gelungene Kombination, die womöglich auch schon damals mehr Anklang gefunden hätte, wenn es nicht als Vertreter der Zelda-Serie zur Kontroverse geführt hätte. Auch ist anzumerken, dass es mittlerweile viele Spiele gibt, die sich dem „Retro-Pixel“-Stil anschließen, um ihr Spiel gewissen Geschmäckern zu präsentieren. Oftmals führt dies schon zu einer gewissen Überdrüssigkeit wenn diese künstlich hinzugezogen wird, doch mit Elliot Quest bekommt ihr eine sehr stilistische Pixelgrafik, die sich wirklich toll ins Spielgefühl einfügt.

Wertung:

8.5

Stefan Finke meint:

"Ein solides Spiel mit pixelig schöner Grafik und Stimmung"
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

2 Kommentare:


Nakuri
vor 6 Jahren | 0
Kommentar

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Das Spiel klingt gut, aber wie bei fast jedem Indie gucke ich erst einmal auf Steam... und was sehen wir da? Elliots Quest für 9,99€!
Nett das man beim "Normalpreis" schon um drei Euro mehr erleichtert werden soll... die großen Differenzen zwischen den popeligen eShop Rabatten und Steam Sales mal noch gar nicht hinzugezogen.
Wie Tobsen es unter der Badland Review so treffend ausdrückte, hat denke ich niemand etwas zu verschenken und dessen sollten sich die Indies welche ihre Spiele auf PC und Konsole bringen echt mal bewusst werden.