Test: The Bridge

Von Nico Zurheide am 20. September 2015

Immer wieder entwickeln Künstler Skulpturen oder Modelle, die mit der Relativität des Blickwinkels kokettieren und Betrachter verblüffen sollen. Beispielsweise so wie das unmöglich erscheinende Penrose-Dreieck, das als Logo für den Wii U-Menübutton des ungewöhnlichen Rätselspiels The Bridge von Entwickler "The Quantum Astrophysicists Guild" herhält. Der von Hand gezeichnete Titel bedient sich solcher Techniken und kombiniert sie mit Gravitations- und Rotationsspielchen, um so einen Puzzler der etwas anderen Art zu erschaffen. Reicht dieses Konzept für einen vollwertigen Downloadtitel und fordern die verqueren Rätsel das Denkvermögen der Spieler heraus? Unser Test verrät es!

Freude an der Unmöglichkeit

Ty Taylor, der Director und Designer von The Bridge, muss augenscheinlich ein großer Fan von optischen Spielereien und insbesondere M. C. Escher sein. Nicht nur, dass viele Welten an die Werke des niederländischen Künstlers erinnern. Auch der namenlose Hauptcharakter sieht dem berühmten Grafiker auffallend ähnlich. Der ältere Herr bewegt sich in dem Puzzle-Plattformer hauptsächlich durch in sich abgeschlossene 2D-Welten, als HUB dient sein Zuhause. Vor diesem startet auch das Spiel, mit einem unter einem Apfelbaum schlafenden Spielcharakter. Er erwacht erst nachdem der Spieler die Welt etwas hin- und herbewegt hat und damit einen Apfel auf den Kopf des Mannes fallen lässt - Isaac Newton lässt grüßen. Damit wurden direkt zu Spielbeginn die Hauptelemente des Puzzlers erklärt: die Rotation der Welt und damit einhergehende Gravitationsveränderungen.

Es stehen insgesamt vier Welten mit jeweils sechs Levels zur Verfügung. Diese müssen der Reihe nach absolviert werden, was eine moderate Lernkurve ermöglicht. Dadurch besteht natürlich immer wieder zu Beginn eines Kapitels das Problem, neue Elemente erst durch einfache Beispiele erklären zu müssen. Der Schwierigkeitsgrad zieht also meist erst zum Kapitelende wirklich an. Immerhin sind alle Level und überhaupt das gesamte Spiel komplett selbsterklärend. Eine Story existiert nicht wirklich, ihr bekommt lediglich nach jedem vollendeten Kapitel ein paar eher bedeutungslose Zeilen zu lesen. So werden nacheinander alle 24 Rätsel gelöst - mal durch Hirnschmalz, mal durch Ausprobieren - und plötzlich stellt sich die Frage, ob das Spiel wirklich nur so kurz unterhält. Immerhin können nach Beendigung des vierten Kapitels sämtliche Level noch einmal gespiegelt bespielt werden. Für Achievementjäger stehen darüber hinaus noch zwanzig Erfolge und ein Sammelbild zum Freischalten zur Verfügung. Das alles kann allerdings nicht über die kurze Gesamtspielzeit hinwegtäuschen.

Die einzelnen Level an sich sind, wie bereits erwähnt, an optische Täuschungen und unmögliche Gebilde angelehnt. Der Protagonist muss in jeder Welt eine Tür erreichen und vorher oft noch einen Schlüssel einsammeln. Er kann dabei weder springen noch sonstwelche akrobatischen Kunststücke vollführen, einzig die Rotation des Levels mittels Knopfdruck oder Gyrosensor des Pads verhilft ihm zu anderen Abschnitten. Gefahren lauern in Form von tödlichen Kugeln und Abgründen, allerdings lässt sich jederzeit und beliebig lange die Zeit zurückdrehen. Die Konzentration liegt hier also einzig auf dem Lösen der Rätsel. Neue Elemente werden jeweils zu Beginn eines neuen Kapitels eingeführt, sodass die spätere Phase des Spiels deutlich an Komplexität gewinnt. Durch Portale, mit denen das Level um 180 Grad gedreht wird und der Charakter von schwarz zu weiß wechselt, Strudel, die alles und jeden gefangen halten, und Vorhänge, die eine Verlagerung der Gravitation ermöglichen, entstehen teils sehr anspruchsvolle Rätsel. In einigen Welten muss jede Tat gut durchdacht sein, in anderen hingegen kann man das Gebilde einfach so lange drehen bis die Lösung automatisch eintrifft.

Die Präsentation von The Bridge ist ziemlich außergewöhnlich. Einen besonderen Charme entwickelt das Spiel durch die handgezeichneten Welten, die skizzenmäßig und zeichnerisch unfertig wirken, jedoch eine Konzentration auf das reine Gameplay zulassen. Die Entwickler konzentrierten sich auf ein Element und bringen dieses durch den Artstyle gut zur Geltung. Auch die Spielmusik von Kevin McLeod passt zum beinahe erholsamen Gesamteindruck.

Fazit:

The Bridge erschien bereits Anfang 2013 auf Steam und ist inzwischen auf Plattformen querbeet erhältlich. Das mindert die Qualität des Titels freilich nicht, eher zeugt eine spätere Portierung bei Indiespielen sogar von positiven Kritiken. Die auf optische Täuschungen und Gravitationsspielchen ausgelegten Rätsel bleiben zwar im Gros eher einfach, werden jedoch durch einen ungewöhnlichen Grafikstil unterhaltsam präsentiert. Das Spiel lässt sich sogar komplett mittels Touchsteuerung kontrollieren. Wer schon den Smartphonehit Monument Valley lieb gewonnen hat, kommt bei The Bridge sicher auf seine Kosten. Und für Fans von M. C. Escher ist ein Kauf wohl ohnehin Pflicht. Leider wird insgesamt zu wenig Inhalt geboten und die Rotation der Welten könnte etwas schneller vonstatten gehen. Etwas Variation im Spielablauf oder gar andere Spielmodi hätten dem Spiel mit Sicherheit gut getan.

Wertung:

7.5

Nico Zurheide meint:

"Escheresque Welten gekreuzt mit Gravitationsrätseln ergeben ein nicht ganz gewöhnliches Spiel."
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