Test: The Swindle

Von Andreas Held am 29. September 2015

2D-Jump'n'Runs gibt es wie Sand am Meer - diese bittere Erfahrung müssen zur Zeit viele Indie-Entwickler machen. Ein aktuelles Fallbeispiel ist der Platformer Airscape von Cross-Product, der sich in den Wochen nach seinem Steam-Release gerade einmal 150 Mal verkaufen konnte. Ein weiterer Fisch in diesem Ozean ist The Swindle, welches sich jedoch - im Gegensatz zu Airscape - auch auf Konsolen versucht. Jeweils im Abstand von ein paar Wochen ist der Stealth-Platformer nach und nach für den PC, Sonys Konsolen, die Xbox One und schließlich für die Wii U erschienen. Wir haben für euch analysiert, mit welchen Features The Swindle versucht, sich von seinen tausenden Genre-Konkurrenten abzuheben - und ob sich ein Kauf lohnen könnte.

Thief 2D
In The Swindle spielt ihr den Leiter einer Diebesgilde, der in einem Luftschiff über einer Steampunk-Version des viktorianischen Londons schwebt. Jede Nacht steuert ihr seinen aktuellen Angestellten durch ein zufallsgeneriertes Gebäude mit dem Ziel, die Bankkonten seines Bewohners und herumliegendes Bargeld zu plündern. Schafft ihr es zurück zum Luftschiff, könnt ihr das erbeutete Geld in Upgrades investieren, die euch neue Werkzeuge wie Bomben oder einen Doppelsprung bereitstellen oder aber dafür sorgen, dass ihr bei euren Raubzügen größere Beute machen könnt. Stirbt euer Angestellter, wird er einfach durch einen neuen Handlanger ersetzt. Allerdings kostet euch jeder Raubzug - egal, wie lange er dauert oder wie er endet - wertvolle Zeit, und nach hundert Tagen ist das Spiel beendet. Dies sorgt zum einen für Spannung und auch dafür, dass das virtuelle Ableben eurer Angestellten echte Konsequenzen hat - kann jedoch auch bedeuten, dass ihr das Spiel komplett von vorne beginnen müsst, wenn nach mehreren Stunden das Zeitlimit abläuft und ihr das finale Ziel des Spiels noch nicht erreicht habt.


Das Gameplay in den Gebäuden ist zunächst einmal sehr solide. In jedem Stadtviertel werden die Gebäude von anderen Wachrobotern patroulliert, die verschiedenste Ausprägungen haben: Manche laufen einfach nur von rechts nach links, andere sind schneller oder können weiter sehen; wieder andere können fliegen, durch Wände sehen oder haben Geräuschsensoren; einige Modelle sind mit verschiedenen Geschützen bewaffnet oder tragen Stacheln auf dem Rücken, während andere gepanzert sind und daher nicht so leicht ausgeschaltet werden können. Jeder Roboter hat einen Sichtbereich, der durch einen gelben Balken dargestellt wird - kreuzt ihr diesen, werdet ihr angegriffen und müsst möglichst schnell zurück zum Luftschiff fliehen, bevor die extrem starken Polizeiroboter am Tatort erscheinen. Könnt ihr euch hingegen unbemerkt an einen Wachroboter anschleichen, lässt er sich in der Regel durch einen beherzten Hieb mit dem Knüppel unschädlich machen.

Haken und Ösen
Vor allem zu Beginn des Spiels kommt bei The Swindle sehr viel Spielspaß auf. Dies liegt zum einen an der durch die zufallsgenerierten Levels und die vielen, verschiedenartigen Wachroboter gebotenen Abwechslung, zum anderen aber auch an dem sehr hohen und gleichzeitig fairen Schwierigkeitsgrad. Die generierten Levels sind teilweise sehr chaotisch und nehmen Formen an, die ein menschlicher Level-Designer nie und nimmer produzieren würde - je nach persönlichem Geschmack ist dies ein Vorteil oder ein Nachteil. Allerdings kann der Generator auch Ergebnisse ausspucken, die dafür sorgen, dass das Plündern eines Gebäudes nicht möglich ist - zum Beispiel dann, wenn zu viele Räume erst freigesprengt werden müssen, sodass selbst mit allen Upgrades nicht genügend Bomben zur Verfügung stehen, um dies zu bewerkstelligen.


Leider wird der Spielspaß von mehreren Macken getrübt, die sich durch alle Bereiche des Spiels ziehen. Oft kritisiert wird die unpräzise Steuerung des Spiels: Gezielte Sprünge gelingen nicht annähernd so gut, wie es aktuell beim Super Mario Maker zu sehen ist, und die Wandsprung-Mechanik sorgt oft dafür, dass sich euer Handlanger zu übereifrig an einer Wand festhält, wenn ihr es nicht erwartet. Sobald euch ein paar Upgrades wie der Doppelsprung zur Verfügung stehen, mit denen ihr eure Manöver noch nachkorrigieren könnt, fallen diese Ungenauigkeiten jedoch nicht mehr ins Gewicht. Ärgerlicher sind da die regelmäßigen Framerate-Einbrüche, die neben der obligatorischen Dual-Screen-Unterstützung das einzige Wii U-exklusive Feature darstellen. Den größten negativen Einfluss auf die Gesamtwertung haben jedoch die regelmäßigen Spielabstürze, unter denen auch die PS4-Version zu leiden hat.

FAZIT:
The Swindle hat das Potential zu einem Geheimtipp. Die zufallsgenerierten Häuser sind Geschmackssache, doch wer die unvorhersehbare und manchmal chaotische Natur solcher Levels zu schätzen weiß und obendrein Gefallen an einem sehr fordernden Schwierigkeitsgrad findet, wird mit dem spaßigen Spielprinzip sicherlich auf seine Kosten kommen. Besonders die durch die zahlreichen Gegnertypen gebotene Abwechslung zeichnet das Gameplay aus. Leider zwingen uns erhebliche technische Mängel dazu, die Gesamtwertung ein Stück weit zu drosseln

Wertung:

7.0

Andreas Held meint:

"The Swindle sorgt mit fordendem Gameplay und viel Abwechslung für Spielspaß, leidet jedoch unter zu häufigen Spielabstürzen."
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

2 Kommentare:


JoWe
vor 5 Jahren | 0
Danke für den Test - sieht echt nett aus. Wie ist das mit der Gamepadeinbindung, off-TV ist sicher möglich oder?

Tobsen
vor 5 Jahren | 0
"Ärgerlicher sind da die regelmäßigen Framerate-Einbrüche, die neben der obligatorischen Dual-Screen-Unterstützung das einzige Wii U-exklusive Feature darstellen.!