Test: Sin & Punishment

Von Lars Peterke am 30. September 2015

Deutsche Videospieler kennen die Kultschmiede Treasure vermutlich durch Spiele wie den Plattformer Mischief Makers (N64), den Bullethell-Shooter Ikaruga (DC, GCN) oder das Adventure Wario World, welches das Studio 2003 im Auftrag von Nintendo entwickelte. Einige bemerkenswerte Titel blieben westlichen Spielern hingegen vorbehalten, darunter die Shooter-Perle Sin & Punishment. Erst 2007 erschien der Titel erstmals außerhalb Japans als Download-Titel für die Virtual Console der Wii. Dabei wurden die Menütexte sowie die Sprachausgabe des ansonsten komplett in Japanisch gehaltenen Spiels ins Englische übersetzt.

Die Handlung von Sin & Punishment erscheint auf den ersten Blick recht uninspiriert. In einer nahen Zukunft kämpft die Menschheit mit einem zu großen Bevölkerungsanstieg. Den Ausweg aus dieser Krise sieht sie in der Entwicklung einer neuen Spezies, die als Nahrung dienen soll, sich aber schon kurz nach ihrer ersten Zucht in Japan gegen ihre Schöpfer wendet. Eine stark ausgerüstete Einsatztruppe eilt herbei um das Problem zu bekämpfen, unterjocht aber ihrerseits wieder das geschundene Volk, was eine kleine Gruppe von Widerstandskämpfern wiederum nicht auf sich sitzen lassen kann. Tatsächlich gewinnt die Geschichte jedoch schnell an Fahrt und weiß in Kombination mit dem Stil zu fesseln. Riesige Mecha-Gegner, sprechende Katzenkreaturen, surreale Umgebungen, Blutozeane und unzählige bewegte Objekte dargestellt mit stets flüssiger Framerate verzücken ebenso wie die für das N64 ungewohnte Menge an einer qualitativ hochwertiger Sprachausgabe.

Die verschiedenen spielbaren Charaktere seht ihr stets von hinten, während sie meist automatisch nach vorne laufen. Auf den schienenartigen Wegen kann sich der Charakter nach links oder rechts bewegen, seitwärts rollen, springen oder natürlich angreifen. Entfernte Flugmonster, Kanonentürme oder Soldaten lassen sich dabei entweder manuell anvisieren oder per Lock-On gezielt markieren, bevor ihnen eure Geschosse entgegenfliegen. Alternativ können mit einem Schwert feindliche Geschosse zurückgeschleudert oder die Gegner im Nahkampf direkt selbst beseitigt werden. Die Steuerung funktioniert auf dem Gamepad der Wii U auf Grund der Tastenpositionen zwar nicht so gut wie auf dem N64-Pad, lässt nach einiger Eingewöhnung oder einer Neukonfiguration der Tastenbelegung gemäß der eignen Wünsche aber problemlos meistern. Etwas zu kritisieren ist an dieser Stelle das teils zu mächtige Schwert, mit dem sich einige Probleme oft durch zu simples Button-Mashing lösen lassen.

Der zusätzliche 2-Spieler-Modus von Sin & Punishment bleibt leider stark hinter seinen Möglichkeiten zurück. Anstelle einer umfassenden Co-Op-Action mit zwei Charakteren lässt sich lediglich die Steuerung des Protagonisten aufteilen und Spieler 1 kontrolliert die Bewegungen, während Spieler 2 sich um die Attacken kümmert.

Sin & Punishment ist auf der Wii U (im Gegensatz zur damals etwas teureren Wii-Fassung) zum Einheitspreis von 9,99€ erhältlich. Inhaltlich wurden im Vergleich zur ersten Veröffentlichung jedoch keine Dinge geändert. So lassen sich etwa die japanischen Untertitel trotz englischer Sprache nach wie vor nicht abschalten. Auch eine puristischere Spielweise mit japanischer Sprachausgabe und englischen Untertiteln ist nicht möglich.

Fazit:

Um eines vorweg zu nehmen: Sin & Punishment ist als kurzer Arcade-Titel ausgelegt, der zum mehrmaligen Durchspielen zwecks Punktejagd in insgesamt drei Schwierigkeitsgraden animiert. Das eigentliche Spiel ist nach knapp zwei Stunden beendet. Zudem sind aus Spielen wie Lylat Wars übliche Geheimnisse wie neue Level, Charaktere oder Medaillen ein Fremdwort. Wer sich damit abfinden kann, erlebt aber einen erstklassigen Spielegenuss, der auf sämtlichen VC-Systemen einmalig ist. Atmosphäre, Optik, Sound, Sprachausgabe, Steuerung, Einfallsreichtum, Abwechslung und der „offene Münder“-Faktor, der regelmäßig einsetzt, zeugen einmal mehr von Treasures Talent. Spielt es, genießt den Kreuzer-Level und sagt mir dann, ihr hättet nicht gestaunt.

Zweites Fazit von Lars Peterke:

Sin & Punishment ist ein wirklich beeindruckendes Stückchen Software. Der Spielumfang lässt auf den ersten Blick zwar zu wünschen übrig, dennoch ist anzuerkennen, dass jede Sekunde Gameplay wahrlich handgemacht ist. Ständig variiert Treasure den ohnehin besonderen Ansatz des Titels mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven und temporären Anpassungen der Gameplay-Parameter. Das Resultat ist eine einzigartige Spielerfahrung, die mit einer für N64-Niveau phänomenalen audiovisuellen Präsentation geadelt wird. Der belanglose Multiplayer-Modus sowie der Mangel an Auswahl bei den Schwierigkeitsgraden verhindern meiner Ansicht nach klar eine 10er-Wertung, Sin & Punishment ist aber dennoch als Genre-Meilenstein zu betrachten, den Shooter-Fans unbedingt gespielt haben müssen.

Wertung:

9.0

Lars Peterke meint:

"Trotz kleinerer Feature-Mängel ein absoluter Genre-Meilenstein."
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4 Kommentare:


Tobsen
vor 6 Jahren | 0
Habe es mir damals im Zuge der Hanabi-Aktion auf die Wii geladen und war wirklich begeistert. Ich kann das Spiel ebenfalls (fast) jedem empfehlen!
Der Nachfolger für die Wii steht bei mir übrigens noch immer auf der Einkaufsliste. Es gab so viele super Spiele auf der Wii - die aber keiner kennt^^.

Denios
vor 6 Jahren | 0
Ist das Spiel immer noch empfehlenswert, wenn man den Nachfolger hat? (Den ich immer noch nicht durchhab :D )
@Tobsen: Teil 2 ist zumindest am Anfang richtig cool. Bin aber nicht sonderlich weit:D Muss ich mal nachholen...

JoWe
vor 6 Jahren | 0
*g* ja hab auch nur den Anfang des Wii-Teils gezockt ... muss ich auch mal wieder einlegen ...

rongar
vor 6 Jahren | 0
Oh Gott, was hab ich damals den Japan Import auf meinem N64 gespielt...Rare und Tresure waren zu dieser Zeit die beiden absoluten Kult-Firmen auf dem N64 - ein neues Spiel musste da sofort her und verließ dann den Modulschacht für lange Zeit nicht mehr!!!!
Die Zeit ist zwar vergangen, aber ich glaub ich zieh mir diesen Klassiker mal auf meine Wii U und dann auf den Beamer damit......