Test: Extreme Exorcism

Von Andreas Held am 15. Oktober 2015

Das Laub fällt von den Bäumen, Menschen stellen ausgehöhlte Kürbisse vor ihre Haustür, gehen kostümiert auf die Straße und kleine Mädchen nehmen Süßigkeiten von fremden Männern an, ohne dass jemand die Polizei anruft. Es ist die Halloween-Saison, und bevor sich im November die großen Blockbuster am üppigen Kuchen des Weihnachtsgeschäfts bedienen können, rücken zum Herbsteinbruch die Horror-Titel ins Rampen-Zwielicht. Auch die sonst so famlilienfreundlichen Nintendo-Konsolen kommen nicht um diesen Trend herum. Während mit Project Zero 5 eher die hartgesottenen Horror-Fans bedient werden, zeichnet Extreme Exorcism ein deutlich bunteres Bild von Geistern und Dämonen.

Ich weiß, was du letzte Spielrunde getan hast

In Extreme Exorcism werdet ihr ohne jegliche Story auf ein Geisterhaus losgelassen, welches aus einigen Dutzend Räumen besteht, die verschiedenen Themenbereichen (Friedhof, Bücherei, Dachboden...) zugeordnet sind. Jeder Raum ist ein in sich abgeschlossenes Level, das komplett auf euren Fernsehbildschirm passt. Zu Beginn müsst ihr euch eine Waffe schnappen, einen lebenden Stuhl erschlagen ohne von ihm gebissen zu werden, und erhaltet dafür 10 Punkte. So weit, so langweilig.

Doch dann geht das Spiel erst richtig los, denn euer nächster Gegner ist ein Geist, der eure Aktionen aus der letzten Spielrunde exakt kopiert. Habt ihr auch diesen erschlagen, kommt in der nächsten Spielrunde ein weiterer Geist hinzu - und so weiter. Somit füllt sich das Spielfeld von Runde zu Runde immer mehr, und die einzige Möglichkeit Geister dauerhaft wieder zu entfernen ist das Exorzismus-Item, das manchmal zufällig anstelle einer Waffe erscheint.

Die Geister, die ich rief

Das klingt auf dem Papier nach einem lustigen Spielkonzept, doch bereits nach den ersten Spielminuten fällt auf, dass man das Regelwerk im Prinzip komplett aushebeln kann, indem man sich mit seiner Spielfigur sehr lange in eine Ecke stellt und erst dann das Ziel der Spielrunde verfolgt. In der nächsten Spielrunde ist euer Geist dann ein sehr leichtes Ziel - weil er regungslos herumsteht. Mit dieser Herangehensweise optimiert ihr eure Punktzahl, sorgt aber auch dafür, dass nach sehr kurzer Zeit Extreme Boredom aufkommt. Dieses Problem hätten die Entwickler sehr leicht lösen können, indem sie einen Zeitbonus für das besonders schnelle Abschließen einer Runde ausschreiben. Einen solchen Anreiz gibt es jedoch nicht, und auch der kooperative Mehrspieler-Modus schafft keine Abhilfe, da alle Spieler denselben Punkte-Pool hochtreiben und es kein kompetitives Element gibt.

Das grundlegende Spielprinzip ist also schlecht durchdacht, und auch die Umsetzung ist gänzlich unbeeindruckend. Intensive Spielsituationen, in denen ihr knapp aus einer brenzligen Situation entkommt, entstehen zu keiner Zeit - wenn ihr sterbt, dann eher aus Zufall, weil gerade ein Geist kurz bevor ihr ihn selbst erwischt hättet einen Angriff ausgelöst hat. Das größte Problem ist jedoch, dass sich das Spielprinzip nie weiterentwickelt - bis auf die Anordnung einiger Elemente spielen sich alle Räume exakt gleich, und es gibt (abgesehen von den immer höheren Mindestpunktzahlen, die ihr zum Abschließen eines Levels erreich müsst) keinen ansteigenden Schwierigkeitsgrad.

Besondere Features lässt Extreme Exorcism ebenfalls gänzlich vermissen. Den fast schon obligatorischen Off-TV-Modus gibt es nicht - auf dem GamePad wird zu jeder Zeit nur das Logo des Spiels eingeblendet, ohne, dass ihr daran etwas ändern könntet. Auch Online-Ranglisten werdet ihr vergeblich suchen, was in einem Spiel, dessen einziger Inhalt aus Highscore-Jagden besteht, schon bemerkenswert ist. Die Pixeloptik und die Hintergrundmusik sind derweil zwar nicht schlecht, aber völlig belanglos. Immerhin gibt es keine technischen Mängel zu beklagen und mit den Challenge- und Deathmatch-Modi werden zumindest zwei Alternativen zum Hauptspiel angeboten, die den Braten jedoch auch nicht mehr fett machen.

FAZIT:

Extreme Exorcism versucht sich an einem Spielprinzip, das leider nicht zu Ende gedacht wurde und entsprechend leicht ausgehebelt werden kann. Wenn ihr bewusst auf eine optimierte Herangehensweise verzichtet, funktioniert das Konzept, aber man wird trotzdem das Gefühl nicht los, dass man Spiele in ähnlicher Qualität auch schon auf dem Freeware-Sektor gesehen hat - und zwar vor fünf Jahren. Das Fehlen jeglicher Zusatzfeatures unterstreicht diesen Gesamteindruck. Wer nach einem 2D-Platformer im Pixel-Look sucht, sollte sich also dringend nach einer Alternative umsehen und z.B. dem genialen Shantae and the Pirate's Curse eine Chance geben.

Wertung:

5.5

Andreas Held meint:

"Nach maximal 20 Minuten ist die Luft raus. Kauft euch für das Geld lieber eine Palette Kürbisse, um damit euer Haus zu dekorieren."
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2 Kommentare:


Belphegor
vor 6 Jahren | 0
Ich hoffe doch stark das zu Halloween ne eShop Aktion läuft und vielleicht noch der eine oder andere Titel kurzfristig kommen wird. Slender ich hör Dir trapsen. Ansonsten ist PZ5 natürlich schon lange geordert. Bei diesem kleinen Halloweenspielchen hier werde ich aber passen!

Skull
vor 6 Jahren | 0
im singleplayer und co-op multiplayer ist das spiel wirklich nicht zu gebrauchen, die challenges sind in ordnung aber mehr auch nicht. deathmatch im multiplayer hingegen ist durchaus was feines. die einstellungsmöglichkeiten sind enorm und durch "random" regelsets hat es mich doch öfter zum spiel gezogen wenn mal ein paar freunde da sind.