Test: Year Walk

Von Michael Prammer am 27. Oktober 2015

Der Herbst ist eine Jahreszeit, welche die Gemüter spaltet. Während die eine Hälfte mit diesem düsteren, feuchten und oftmals kalten Jahresabschnitt rein gar nichts anfangen kann, freut sich die andere Hälfte auf eine schön schaurige Jahreszeit, die den Winter allmählich einläutet. Und genau diesen Schauer nutzen auch viele Videospiele als Stilmittel, um Spieler zu begeistern. Klar dürfte auch sein, dass im Herbst viele Horrorspiele auf dem Plan stehen. Im Wii U-eShop ist schon vor einiger Zeit ein Spiel aufgetaucht, das man weniger als Horrortitel abstempeln sollte. Vielmehr will Year Walk, so der Name des Titels, ein atmosphärisches Puzzle-Adventure sein, das den Spieler auf eine melanchonische Reise schicken möchte. Ob dieses Unterfangen geglückt ist verraten wir euch im nachfolgenden Test.

In Schweden gibt es nicht nur IKEA

Year Walk verschlägt euch ins nordeuropäische Schweden. Getrieben von einer Zukunftsvision durchstreift der Spieler aus der Ego-Perspektive heraus gespenstische Wälder, die in Schnee eingedeckt sind. Dabei spielt die nordische Mythologie eine tragende Rolle. Seelen und furchteinflößende Kreaturen begegnen dem Spieler immer wieder und verdeutlichen das zentrale Thema des Todes, das in Year Walk eine große Rolle spielt. Dabei ist vor allem diese beklemmende Atmosphäre schon zu Beginn des Spiels der ganz große Höhepunkt, der sich durch die gesamte Spielzeit wie ein roter Faden zieht. So bekommt man es durchaus mit der Angst zu tun, was vor allem an der großartigen Inszenierung und dem Zusammenspiel von Musik und plötzlich auftauchenden Wesen zusammenhängt.



Das größte Manko: Der atmosphärisch exzellente Trip ist bereits nach etwa drei bis vier Spielstunden schon wieder vorbei. Doch was in dieser Zeit geboten wird, ist dafür ganz großes Kino. Mit dem Wii U GamePad wird die Gegend aus der Ego-Perspektive untersucht, Gegenstände werden durch den integrierten Gyrosensor bewegt und der Lautsprecher des Eingabegerätes gibt wichtige Hinweise. Aber auch eine Karte ist auf dem zweiten Spielbildschirm aufrufbar sowie eine komplette Enzyklopädie der schwedischen Folklore. Dank eines mitgeführten Tagebuches lassen sich die einzelnen Schritte der Geschichte noch einmal nachvollziehen und bereiten den Spieler auf ein aufregendes Ende vor. Die Rätsel, die im Spiel vorhanden sind und dem Spiel das Attribut Puzzle-Adventure verleihen, kommen dagegen ganz ohne Inventar aus. Lediglich das eigene Gedächtnis dient zur Stütze. Durch eine scharfe Beobachtungsgabe, der Gebietskarte und der Tagebuchfunktion lassen sich alle Rätsel jedoch ohne größere Probleme lösen. Wer immer noch Probleme hat, bekommt eine mehrstufige Hilfefunktion geliefert, die je nach Wunsch dem Spieler unter die Arme greift.



Fantastische Atmosphäre
Technisch hat Year Walk durchaus etwas zu bieten. Da wir es mal wieder mit einer Smartphoneumsetzung zu tun haben, ist die Grafik natürlich nicht das ganz große Prunkstück des Titels. Ein Mix aus 2D und 3D wird uns in einer stimmigen schneeweißen Landschaft geboten. Dafür ist der Sound schlichtweg fantastisch und eindeutig das Sahnestück des Spiels. So unglaublich beklemmende und teilweise furchteinflößende Sounds erlebt man nur selten in einem Videospiel. Gepaart mit der einfachen Optik entwickelt sich eine grandios-schaurige Atmosphäre.



FAZIT:
Die Tage werden kürzer, die Temperaturen gehen langsam zurück und die Zeit mit der eigenen Spielekonsole wird länger. So dürfte es im Herbst vielen Spielern gehen. Passend dazu gibt es ein sehr spannendes und fantastisch präsentiertes Puzzle-Adventure, das nicht nur in der kalten Jahreszeit für Begeisterung sorgen wird. Year Walk bietet ein aufregendes Spielerlebnis das lange im Kopf bleibt. Die kurze Spielzeit trübt den Gesamteindruck etwas, tut dem Erlebnis aber keinen Abbruch. Wer sich auf eine spektakuläre Reise ins mythische Schweden begeben möchte, wird hier bestens bedient.

Wertung:

8.5

Michael Prammer meint:

"Melanchonisch, beklemmend und überzeugend atmosphärisch. Year Walk passt bestens in den Herbst."
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

2 Kommentare:


michi1894
vor 6 Jahren | 0
...

JoWe
vor 6 Jahren | 0
Wow - sieht schön aus! Das habe ich gar nicht auf dem Zettel - schande über mien Schweden-affines Haupt. Dann wirds morgen also Slender und YearWalk.

Vielen Dank für den Test!