Test: Just Dance 2016

Von Tim Herrmann am 01. Januar 2017

„Als Videospiel kann man Just Dance nicht ernst nehmen, trotzdem funktioniert es als Party-Titel“ – zu dieser markigen These aus dem Review zu Just Dance 2015 gab es rege Diskussionen bei WiiUX. Und weil der Satz im Test zu Just Dance 2016 genau diese Kontroverse wohl wieder auslösen wird, darf er einfach gleich als Einleitung zum Test herhalten. Wie es diesmal um die Qualitäten von Just Dance als Tanzspiel und als Partyhit bestellt ist, klärt unser alljährliches Review.

Neue Musik…

Für Neueinsteiger ist das Prinzip ganz leicht erklärt: Zu bekannten Hits aus den Charts und der Pop-Geschichte müssen Spieler tanzen – mit der Wii-Fernbedienung oder neuerdings auch mit ihrem Smartphone in einer Hand. Anweisungen geben grelle Neonfiguren auf dem Bildschirm, die vortanzen und zum Nachahmen auffordern. Für jede Armbewegung gibt es Punkte.

Im Zentrum steht natürlich die Musik – sie soll zum Mitzappeln im heimischen Wohnzimmer motivieren und Spieler mit durchgestylten Vortanzvideos in Ekstase versetzen. Just Dance 2016 bringt mehr als 40 neue Tracks mit:

  • All About That Bass - Meghan Trainor
  • Animals - Martin Garrix
  • Balkan Blast Remix - Angry Birds
  • Blame - Calvin Harris featuring John Newman
  • Born This Way - Lady Gaga
  • Boys (Summertime Love) - The Lemon Cubes (as made famous by Sabrina)
  • Chiwawa - Wanko Ni Mero Mero
  • Circus - Britney Spears
  • Cool for the Summer - Demi Lovato
  • Copacabana - Frankie Bostello (as made famous by Barry Manilow)
  • Drop The Mambo - Diva Carmina
  • Fancy - Iggy Azalea featuring Charli XCX
  • Fun - Pitbull featuring Chris Brown
  • Gibberish - MAX
  • Hangover (BaBaBa) - Buraka Som Sistema
  • Heartbeat Song- Kelly Clarkson
  • Hey Mama - David Guetta featuring Nicki Minaj, Bebe Rexha and Afrojack
  • Hit the Road Jack - Charles Percy (as made famous by Ray Charles)
  • I Gotta Feeling - The Black Eyed Peas
  • Ievan Polkka - Hatsune Miku
  • I'm an Albatraoz - AronChupa
  • Irish Meadow Dance - O'Callaghan's Orchestra
  • Junto A Ti - Cast of Disney's Violetta
  • Kaboom Pow - Nikki Yanofsky
  • Kool Kontact - Glorious Black Belts
  • Let's Groove - Equinox Stars (as made famous by Earth, Wind & Fire)
  • Lights - Ellie Goulding
  • No Control - One Direction
  • Rabiosa - Shakira featuring El Cata
  • Same Old Love - Selena Gomez
  • Stadium Flow - Imposs
  • Stuck on a Feeling - Prince Royce
  • Teacher - Nick Jonas
  • The Choice Is Yours - Darius Dante Van Dijk
  • These Boots Are Made For Walkin' - The Girly Team (as made famous by Nancy Sinatra)
  • This Is How We Do - Katy Perry
  • Under the Sea - Cast of Disney's The Little Mermaid
  • Uptown Funk - Mark Ronson featuring Bruno Mars
  • Want to Want Me - Jason Derulo
  • When the Rain Begins to Fall - Sky Trucking (as made famous by Jermaine Jackson and Pia Zadora)
  • William Tell Overture - Rossini
  • You Never Can Tell - A. Caveman & The Backseats (as made famous by Chuck Berry)
  • You're the One That I Want - Grease
  • Улыбайся - IOWA

Die Tracklist ist den Entwicklern erneut gut gelungen. Mit von der Partie ist nicht nur einigermaßen aktuelle Chart-Musik wie Meghan Trainors „All About That Bass“, sondern auch tanzbarer Pop aus den vergangenen Jahren – von Lady Gaga über Shakira bis Bruno Mars, Ellie Goulding oder Kelly Clarkson. Die Entwickler haben die Tracklist aber noch weiter gedacht und reichen mit ihrem Portfolio bis in die Klassik hinein, die sie mit Rossinis Wilhelm-Tell-Ouvertüre und ihrer herrlich-lächerlichen Hühott-Chroeographie geradezu veräppeln. Ein Musical-Klassiker aus Grease, altes Liedgut wie „Hit the Road Jack“ oder gar Spielmusik aus dem Smartphone-Zeitvertreib Angry Birds runden die Vielfalt ab.

Bei der Inszenierung glänzt Ubisofts Just Dance-Studio aus Paris: Die Mittanzvideos sind grell, bunt, völlig überinszeniert, irre, dabei aber anständig auf den Sound abgestimmt – und damit überraschend motivierend. Der Sprung zu den nicht zu Unrecht verrissenen ersten Serienablegern mit ihren minimalistischen, monoton-zweckmäßigen Vortanzvideos ist deutlich erkennbar; hinter Just Dance stehen heute beachtliche Production Values.

Etwas Neues probiert Ubisoft mit der DLC-Politik aus: Musste man früher einzelne Songs extra als DLC kaufen, gibt es nun einen Abo-Streaming-Service. Just Dance Unlimited heißt der Spaß, der euch die Türen zu etwa 150 weiteren Songs öffnet – sowohl zu solchen aus früheren Dance-Parties als auch zu Unlimited-exklusiven Titeln. Einen, drei oder zwölf Monate lang können Spieler sich Zugang zur größeren Just Dance-Bibliothek erkaufen und bezahlen für die Pässe 6,99 Euro, 14,99 Euro oder 39,99 Euro. Es ist zwar weiterhin fragwürdig, dass man für Musik, die man in vorherigen Spielen vielleicht bereits bezahlt hat, noch einmal blechen soll. Doch das Abo-Modell ist fairer als das alte DLC-System, in dem jeder Song einzeln kostete. In der Song-Auswahl werden die über Unlimited verfügbaren Titel natürlich recht prominent unter den Standard-Songs angezeigt. Wer Just Dance 2016 für Wii U kauft, bekommt einen Monat Testzugang zu Just Dance Unlimited gratis.

Smart Dance

Just Dance begann als Wii-Exklusivtitel, doch längst ist die Serie eine der größten und umsatzstärksten in der ganzen Videospielbranche. Und wer Just Dance spielen möchte, kann das tun – egal, welche Konsole im Wohnzimmer steht. Eigentlich ist es sogar völlig egal, ob überhaupt eine Konsole im Wohnzimmer steht. Denn Just Dance ist mittlerweile mehr eine Plattform als ein Videospiel.

Die Webseite justdancenow.com und die dazugehörige Smartphone-App demonstrieren das seit einem Jahr schön. Im Prinzip bekommt man hier das gleiche Erlebnis wie bei den Videospielen, nur „free to play“, wie man es so schön nennt. Fünf Songs können Spieler am Tag spielen und dann weitere freischalten oder einkaufen. Die Tanzvideos laufen auf jedem Bildschirm, der irgendeine Form von Browser zeigen kann. Getanzt wird mit beliebig vielen Spielern, jeder nutzt sein Smartphone als Controller.

Warum wir das in einem Test zu einem Wii U-Spiel schreiben? Ganz einfach. Die nahezu grenzenlose Expansion von Just Dance auf alle Bildschirme zeigt, dass Ubisoft keinen Wert darauf legt, dass Just Dance wie ein klassisches Konsolenspiel funktioniert. Nein, es geht nicht um das Zusammenspiel aus Hardware und Software, um Controller, um Interaktion, um Steuerung oder Wettbewerb, es geht ums Tanzen, um Party-Stimmung und um coole Musik.

Gameplay als Anheizer

Die Bewegungssteuerung ist eine Zündkerze für das Prinzip, nicht ihr Motor. Nach wie vor nutzt Just Dance nicht die 1:1-Bewegungssensoren der Wii-Fernbedienung Plus, sondern funktioniert mit den Beschleunigungssensoren der 2006er-Version der Wii-FB. Der Controller erkennt Stöße und deutliche Neigungen, nicht aber Richtung und Art der Bewegung. Just Dance gaukelt dem Spieler ein Feedback auf seine Tanzbewegungen seit jeher nur vor. Deshalb kann man es zum Beispiel ausschließlich sitzend spielen, einfach im richtigen Takt den Controller schütteln und damit hohe Sternewertungen bekommen.

In Just Dance 2016 könnt ihr erstmals auch auf Wii U das Smartphone als Controller nutzen (und dann auch zu sechst spielen). Obwohl Smartphone-Gyrosensoren oder die Wii-Remote Plus mittlerweile ziemlich ausgereift sind, fordert Just Dance In beiden Varianten nur ein simples kinetisches Feedback auf Stöße und Rucke. Damit macht es deutlich: Es ist eigentlich egal, wie du tanzt. Hauptsache, du tanzt und gehst dabei richtig ab.

Ähnlich ist es bei den Karaoke-Features: Zwar könnt ihr ein Mikrofon anschließen und den durchlaufenden Songtext mitsingen. Die Software registriert aber nur, ob überhaupt etwas gesagt wird. Tonhöhe oder Text werden außer Acht gelassen. Skurril: Steht das GamePad neben dem Fernseher, registriert das eingebaute Mikrofon den Ton aus den Lautsprechern und interpretiert ihn als Karaoke-Gesang, der Extra-Punkte gibt. Auch hier gilt: Just Dance täuscht Feedback vor und will so zum Mitmachen motivieren. Das ist okay, denn Singen macht nachgewiesenermaßen glücklich. Als Wettkampfspiel wie Singstar taugt es aber nicht.

Der neue Modus „Showtime“ ist das Spiegelbild all dessen – hier tanzt ihr ohne jede Vorgabe und ohne Controller oder Smartphone. Die Kamera des Wii U GamePads filmt euch dabei und baut die Szenen dann in ein speziell gestaltetes Musikvideo ein. Am Ende gibt es keinerlei Feedback, keine Punkte, nichts. Trotzdem: Die herrlich überinszenierten und komplett abgedrehten Videos anzuschauen (und zu produzieren) … das kann irgendwie unterhaltsam sein. Überhaupt haben Videos in Just Dance 2016 eine wichtige Funktion: Das GamePad filmt euch standardmäßig beim Tanzen und erstellt daraus automatisch einen albernen Clip in Timelapse, den ihr online teilen könnt, wenn ihr entsprechend schmerzbefreit seid. Gleichzeitig könnt ihr euch natürlich auch an den mehr oder weniger ernsthaften Performances aus aller Welt erfreuen. Das Film-Feature lässt sich optional ausschalten.

Das Spiel, das kein Spiel ist und trotzdem ein Spiel ist

Man könnte jetzt also seitenlang darüber schwadronieren, dass Just Dance als Videospiel versagt und deswegen der ultimative Fall für die Software-Tonne ist. Und man könnte das alles sogar wunderbar stichhaltig begründen: die Bewegungssteuerung ist nicht akkurat, die Karaoke-Features sind eine Farce, einige Modi funktionieren gar ohne Controller und interagieren in keiner Weise mit dem „Spieler“.

Man könnte aber auch einfach sagen: Just Dance erfüllt seinen Zweck trotzdem, es kann eine Party beleben. Auch weil es kein Wettkampf ist. So wenig wie lockeres Tanzen in der Disco einer ist. Dort stehen schließlich in aller Regel auch keine Juroren am Rand, die den Leuten auf der Tanzfläche kleine Schilder mit Punktewertungen entgegenstrecken. Es will kein Wettkampf sein, kein klassisches Videospiel. Sondern es will seine Nutzer zum Aufstehen motivieren, sie zu ein wenig sozial akzeptierter Albernheit überreden, sie mit Freunden zusammenbringen, und versucht das mit Musik und Anheizer-Videos. Im Prinzip könnt ihr die Controller ganz weglassen, denn sie bringen spielerisch keinen Mehrwert. Aber mit Controller in der Hand hat man zumindest noch das Gefühl, man würde ein Spiel spielen. Und das lindert die Merkwürdigkeit der Situation, mit Freunden vor einem Fernseher zu stehen und Choreografien nachzutanzen. In dieser Hinsicht ist Just Dance ein ziemlich einzigartiges Entertainment-Produkt.

FAZIT:

Ubisoft hätte sich vor sieben Jahren nicht erträumen können, was aus Just Dance einmal werden würde: ein Spiel, das recht bewusst alle Kriterien des Spielseins ignoriert, aber dadurch eigentlich nicht schlechter wird. Die unbestrittenen Qualitäten von Just Dance tragen das Prinzip: die reichhaltige Musikauswahl auf der Disc und im Online-Streaming, die motivierende Inszenierung und bis zu einem gewissen Grad die abgedrehten Video- und Community-Features. Sie sind die Anheizer. Der Controller ist dagegen nur eine Ausrede, die es leichter macht, sich dem skurrilen Hampeln vor dem TV hinzugeben. Die spielerische Umrechnung von Bewegungen in Punkte funktioniert einfach nicht akkurat, deswegen kann Just Dance gar keinen Wettbewerbsgedanken bedienen. Die 2016er-Version verlässt sich voll und ganz auf diese über die Jahre verfeinerte Formel, erweitert die Controllerauswahl konsequenterweise um das Smartphone und macht ansonsten das gleiche richtig wie in den letzten Jahren – und das gleiche falsch. Aber was heißen schon „richtig“ und „falsch“?

Wertung:

7.0

Tim Herrmann meint:

"Just Dance ist kein Videospiel. Es ist ein Motivator und ein Anheizer."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Gut
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

8 Kommentare:


Tim
vor 5 Jahren | 0
WiiUX-Test zu Just Dance 2016 - Review

ProG4M3r
vor 5 Jahren | 0
Die Wertung empfinde ich gegenüber "richtigen" Spielen immer noch als ungerechtfertigt ^^ Auch im Rahmen von "Was bedeutet das?" klingt 7.0 für ein Just Dance schon fast höhnisch, aber mal diese Diskussion beiseite gelassen...

Ein Abo-System welches im Jahr so viel kostet wie der Titel an sich?
Und was ich bis eben nicht wusste... eine Free2Play Browser Version?
Wieso sollte man sich dann noch Just Dance für eine Konsole kaufen?
Da kann doch jeder mit seinem Smartphone vorm TV (ohne Konsole) tanzen?
Ohne Geld für Spiel UND Abo hin zu legen?

Also nein, dass wird ja immer bescheuerter ^^

KenSugisaki
vor 5 Jahren | 0
"Das GamePad filmt euch standardmäßig beim Tanzen und erstellt daraus automatisch einen albernen Clip in Timelapse, den ihr online teilen könnt"

Level AB!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


-Das russische Lied hört sich gar nicht soo verkehrt an.

Wario
vor 5 Jahren | 0
LEVEL AAAABBBBBBB und statt TIM darf TERRY singen und Tanzen.... :D

SING & TANZ TERRY, SING & TANZ!!! :P

Belphegor
vor 5 Jahren | 0
Lol jetzt werden Spiele schon nicht mehr als spiele angesehen. Manchmal frag ich mich was solchen falschen Aussagen eigentlich sollen bzw. was der eine oder andere morgens in seinen Kaffee/Tee mischt. Die Halluzinugene müssen echt gut sein!

Edit: Zum Spiel. Meine Freundin ist ja seit 4 Titeln dabei und wird diesen hier sicherlich nicht auslassen. Die Aussage im sitzen hohe Wertungen zu erhalten muss hier widerlegen. Das ist schlicht gelogen und nicht möglich. Selbst wenn man akkurat tanzt ist eine 5 Sterne Wertung sau schwer. Wobei es natürlich auch ein wenig vom Lied abhängt. Aber akkurates Tanzen ist das A und O in Just Dance.

43 Songs sind okay. Auch ich habe nie DLCs dazu gekauft und mit der Songauswahl kommt man 1 Jahr lang super zurecht. Zumal man ja auch die alten Titel einlegen kann und man mit 4 spielen schon eine beachtliche Auswahl hat! Die Note 7 kann ich am Ende aber unterschreiben.

Der R
vor 5 Jahren | 0
@Belphe: Mach dich nicht lächerlich xD

Körperspannung, allgemein die Haltung etc. werden nicht erkannt. Es ist technisch gar nicht machbar durch die Wiimote akkurates tanzen zu fordern. Dazu würde man Ganzkörper-Tracking benötigen ;)

Bellzemos
vor 5 Jahren | 0
ach gott, hat belphehorst wieder die exlusive meinung?

- 43 songs sind ok? wenn man sich mal die listen der jeweiligen "spiele" anschaut, dann ist für jeden musikgeschmack gerademal eine handvoll zur verfügung; wenn überhaupt

- es gibt ganz lustige videos auf z.b. youtube, da sitzen die konsumenten auf dem sofa und lassen die remote nach "kalinka-art" hin-und-her schwingen und haben 5 sterne, großartig

- natürlich ist das teil kein spiel im dem sinne; es ist bzw. kann ein modernes flunkyball-spiel sein. ich kann das nur empfehlen - so oder so ;-)

Belphegor
vor 5 Jahren | 0
Ach der Bellzeblöd wieder. Noch nie einen Teil gespielt aber Hauptsache seine unqualifizierte Meinung kundtun.