Test: Freedom Planet

Von Michael Prammer am 17. November 2015

Sonic the Hedgehog war einst das Aushängeschild von SEGA, dem einstigen großen Konkurrenten von Nintendo. Diese Zeiten sind jedoch längst vorbei, da SEGA nur noch eine Nebenrolle im Videospielgeschäft spielt. Vom großen Hype rund um den blauen Igel Sonic ist ebenfalls nicht mehr viel übrig geblieben, zuletzt erschien beispielsweise Sonic Boom unter anderem für Wii U, das jedoch kaum an die Faszination der Serie aus den 90er-Jahren heranreichen konnte. Freedom Planet vom Entwickler GalaxyTrail ist zwar kein neues Sonic-Spiel, jedoch ein Titel der sowohl optisch als auch spielerisch sehr stark an den Turboigel erinnert. Wir haben uns das Spiel genauer angesehen und schildern euch nachfolgend unsere Eindrücke.

Zwischen Arcade-Spaß und großer Geschichte

Zu Beginn kann der Spieler wählen, ob er sich dem puren Arcade-Spaß aussetzen möchte oder lieber einer Hintergrundgeschichte folgen möchte. Der Unterschied zwischen beiden Modi ist, dass der Spieler zwischen den Levels jeweils kleine Ingame-Zwischensequenzen serviert bekommt, die das Geschehen vorantreiben. Wer darauf verzichten möchte spielt ein Level nach dem anderen in zusammenhängender Reihenfolge. Die Story hinter Freedom Planet ist dabei jedoch relativ umfangreich. Protagonistin Lilac, ein lilafarbenes Drachenmädchen, kämpft um ihren Planeten, der angegriffen wird. Der außerirdische General Brevon leitet die Invasion mit seinen Schergen und sorgt für mächtig Unruhe auf Lilacs Heimatplanet. Die Hauptdarstellerin ist allerdings nicht alleine auf ihrer Reise und wird von Carol und Milla begleitet.



Schon jetzt sind große Parallelen zu Sonic und seinen Freunden zu erkennen. Während Lilacs Ähnlichkeit zum blauen Igel in punkto Bewegungsabläufe und Fähigkeiten schon auf den ersten Blick kaum abzusprechen sind, könnte man auch die anderen Charaktere ohne Probleme mit Knuckles und Tail vergleichen. Dank der unterschiedlichen Fähigkeiten der Helden können in allen Level verschiedene Wege gewählt werden, die den anderen Helden verwehrt bleiben. So kann Lilac dank eines Geschwindigkeitschubes Abgründe schnell überwinden, während Carol mit einem Mottorad glatte Wände hochfahren kann. Dadurch kommt ein gewisser Wiederspielwert auf, alle Level insgesamt drei Mal zu spielen. Aber gerade wenn man mit Lilac spielt, kommt zumindest teilweise das Hochgeschwindigkeitsgefühl eines alten Sonic-Abenteuers auf. Leider wird dieses Gefühl immer wieder durch Hindernisse oder unsaubere Kollisionsabfragen der Steuerung unterbrochen. Hier hätten die Entwickler etwas mehr auf Feintunig betreiben sollen. Das bezieht sich auch auf einige Sprungpassagen, die teilweise unsauber daherkommen und so zu unnötigen Bildschirmtoden führen.



Großer Umfang
Freedom Planet bietet einen recht großen Umfang und jede Menge Achievments. Zehn Level und zwei Spielmodi stehen zur Auswahl. Neben dem normalen Spiel gibt es einen Time-Attack-Modus, der die Geschwindigkeit der Spieler fordert. Jedes Level lässt sich mit drei Charakteren spielen und erfordert demnach zur Komplettierung drei Spieldurchgänge. Während und am Ende jedes Levels wartet ein Bosskampf. Diese unterscheiden sich jedoch kaum: es gilt die Schwachpunkte zu finden und diese zu attackieren. Als Achievments gibt es pro Level 10 Sounds oder Musikstücke zu finden. Für bestimmte Herausforderungen gibt es 64 Badges. Diese erhält man für das Abschließen des Spiels, wenn man bestimmte Objekte findet oder aber wenn man einen Level besonders schnell abschließt. Trotz des tollen Umfangs sind die Level für einen Plattformer insgesamt sehr lang geraten. Teilweise benätigt ihr über eine halbe Stunde für einen Level. Cleverer wäre es daher wohl gewesen, die Levelanzahl zu verdoppeln und dafür die Länge der Level deutlich zu kürzen.

Auch die Optik von Freedom Planet ist eine Hommage an Sonic und die Mega Drive-Ableger. Die 16-Bit-Optik läuft rasant, schnell und absolut sauber über den Bildschirm. Die Ruckler beim Besiegen eines Bosses sind gewollt und keineswegs Fehler im Spiel. Der Sound passt ebenfalls super ins Spiel und bringt euch zurück in die 90er-Jahre. Leider ist das gesamte Spielgeschehen nur in englischer Sprache gehalten. Der Schwierigkeitsgrad reicht von „lächerlich einfach“ bis „kaum zu schaffen“, was jedem Spieler die notwendige Herausforderung bringt. Die bereits angesprochene Steuerung könnte etwas sauberer funktionieren. Prinzipiell funktioniert sie gut, jedoch sind einige unsaubere Aktionen, wie die ungenaue Sprungphysik und manchmal unglücklich platzierte Hindernisse, ein nicht von der Hand zu weisender Makel.



FAZIT:
Freedom Planet will ein Spiel im Stile alter Sonic-Abenteuer sein und schafft das im Ansatz sogar sehr gut. Die tolle Retro-Präsentation mit gelungenem Sound und 16-Bit-Optik lassen vor allem die Herzen von Fans der älteren Sonic-Reihe höher schlagen. Der sehr ordentliche Umfang lässt euch dank der drei Charaktere, den vielen sammelbaren Objekten und den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden lange Zeit mit Freedom Planet verbringen. Grund zum Meckern gibt es jedoch dennoch. Die Levels sind mir für ein Spiel dieser Art einfach zu lange geraten - kürzere, knappere, dafür aber umso mehr verschiedene Level hätten mir deutlich besser gefallen. Ein weiteres Prolem betrifft die teils ungenaue Steuerung. Hier ein wenig mehr Feintuning und Freedom Planet wäre zu einem absoluten Must-Have-Titel geworden. So bleibt aber dennoch ein guter Plattformer übrig, der Hüpfspielfreunde und Sonic-Fans vielleicht nicht restlos begeistern wird, aber garantiert für viele unterhaltsame Stunden sorgen sollte.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Toller Plattformer mit großem Umfang, der an Sonic erinnert, jedoch auch ein paar kleine Macken aufweist."
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2 Kommentare:


michi1894
vor 5 Jahren | 0
...

Chris
vor 5 Jahren | 0
Ich hab die Demo von Freedom Planet gespielt und es hat mir nicht so zugesagt.

Fande die Steuerung überladen. Wozu hat man so viele (auf jeden Fall mehrere) Möglichkeiten den Gegner anzugreifen? Das ist unnötig und verkompliziert das Ganze nur, ohne einen nennenswerten Mehrwert zu bieten. Die meisten Jump'n'Runs haben nur eine Angriffstaste und das nicht ohne Grund. Die alten Sonic-Spiele kamen sogar ohne aus, da sich der Igel im Sprung immer eingerollt hat und man so einfach von allen Seiten in die Gegner springen konnte. Dieses "Kampf-Gameplay" von Freedom Planet stört finde ich dagegen den Flow.

Charakterdesgins sagen mir auch überhaupt nicht zu. Grafik ist ok, obwohl bei dem Retro-Stil durchaus noch mehr drin wäre.