Test: Animal Crossing: amiibo Festival

Von Michael Prammer am 01. Januar 2017

Animal Crossing ist unter vielen Nintendo-Fans außerordentlich beliebt. Und amiibo, die Toys-to-Life-Serie von Nintendo, verkauft sich ebenfalls sehr gut. Was passiert wohl, wenn man beide Welten miteinander verbindet? Genau diese Frage muss sich Nintendo gestellt haben, als die Entwicklung von Animal Crossing: amiibo Festival begann. Die meisten Fans wollten die Antwort aber gar nicht wissen, als der Titel auf der E3 2015 angekündigt wurde. Stattdessen: ungläubiges Staunen. Statt eines typischen Serienablegers bringt Nintendo ein Brettspiel von Animal Crossing auf die Heimkonsole. Doch das muss nicht unbedingt schlecht sein. Mario Party 10 und Wii Party U haben durchaus für Unterhaltung in dem Segment sorgen können. Ob sich Animal Crossing: amiibo Festival in diese Riege einreihen kann, verrät unser Test.



Animal Crossing meets amiibo
Der Name amiibo Festival verrät schon, worum es hier geht: um die amiibo-Figuren. Mehr noch, ohne amiibo lässt sich das Spiel gar nicht starten. Eine Free-to-Play-Variante, wie sie vor einigen Monaten bemunkelt wurde, ist damit vom Tisch. Eine Download-Version gibt es im eShop nicht zu erwerben. Stattdessen können Spieler ausschließlich eine Retail-Variante kaufen, die mit zwei amiibos der Animal Crossing-Serie und drei amiibo-Karten ausgestattet ist. Das Paket ist zum Standardpreis eines Wii U-Spiels zu haben. Doch der fast schon unverschämte Umfang des Spiels rechtfertigt diesen Preis nicht.

Denn Animal Crossing: amiibo Festival besteht im Grunde nur aus einem großen Spielbrett. Bevor man überhaupt in ein Menü kommt, muss man eine Spielrunde absolvieren. Ein Spiel dauert 30 bzw. 31 oder 28 Tage, je nach Monat, in dem man spielt. Insgesamt lassen sich alle zwölf Monate spielen. Jeder Monat ist der Jahreszeit angepasst, so gibt es durchaus abwechslungsreiche Hintergründe. Jeder Monat hält auch verschiedene Events bereit, etwa Weihnachten oder Ostern. Das Spielprinzip ist denkbar einfach. Der Reihe nach wird per amiibo gewürfelt und die Spielfigur schreitet voran. Auf jedem Feld geschieht irgendetwas. Entweder man verdient Glückspunkte oder Sternis in kleinen, vordefinierten Animal Crossing-Geschichten oder verliert diese auf anderen Feldern wieder. Ereignisfelder, die sich täglich ändern können, gibt es auch.



Wer ist der glücklichste?
Ziel des Spiels ist es, die meisten Glückspunkte zu sammeln. Gesammelte Sternis werden am Ende in Glückspunkte umgetauscht und fließen in die Wertung ein. Der Rübenhandel, der euch aus der Hauptserie bekannt sein dürfte, ist ebenfalls mit von der Partie. Sonntags kommt die Rübenhändlerin und verkauft ihre Ware. Bis Samstag hat man Zeit, die Rüben zum bestmöglichen Preis zu verkaufen, muss aber auf die Rübenkurse achten, die täglich schwanken können. An dem Brettspiel können bis zu vier Spieler teilnehmen, wobei jeder seinen eigenen amiibo haben sollte. Es dürfen zwar auch Gastcharaktere verwendet werden, diese werden jedoch durchgängig benachteiligt. So erhält beispielsweise jeder amiibo-Besitzer allein schon einen Glückspunkt pro Würfeleinsatz. Apropos Würfeln: das wird zu einer sehr nervigen Angelegenheit, da man das GamePad immer weitergeben muss und mit dem amiibo selbst auf dem NFC-Feld die Aktion aktiviert. Der Spielfluss stockt dadurch immer wieder.



Solisten müssen mit drei Computermitspielern spielen, die als Gastcharaktere auftauchen. Dadurch, dass sich beinahe nach jedem Zug irgendwelche Aktionen ändern und diese immer wieder mit der gleichen Zwischensequenz angekündigt werden, geht auch hier der Spielfluss verloren. Ist ein Spiel abgeschlossen, werden die Glückspunkte in Glückskarten umgemünzt. Damit lassen sich neue Spiele freischalten, neue Einrichtungen für die Bewohner kaufen und Häuser für das Spielfeld errichten, um dieses zu erweitern. Auf den verwendeten amiibos werden Glückspunkte gespeichert, sie können so im Level aufsteigen.

Fragwürdige Preispolitik

Die freischaltbaren Minispiele sind alle auf amiibo-Karten ausgelegt, was ja eigentlich kein Problem sein sollte. Immerhin liegen dem Spiel drei Karten bei. Der Sinn dieser Spiele ist immer gleich. Durch das Auflegen der Karten auf den NFC-Sensor wird ein Zug oder eine Aktion getriggert. Da die Spiele nie besonders lange dauern und dazu kaum mehr Tiefgang als ein Handyspiel haben, darf man diese fast schon vernachlässigen. Ganz schön dreist gestalten sich dazu die Preise, zumal die Kartenpacks hierzulande mit 4,99€ wahrhaftig kein Schnäppchen sind. Zusatzkarten sind zwar nicht zwingend notwendig, jedoch werden bei einem Minispiel sechs Karten gefordert, was den Spieler bereits zu einem Zusatzpack zwingt. Da man das Spiel nur mit den amiibos und den Karten bekommt, wird die Preisfrage zum Streitthema. Denn egal, was unter dem Strich nach allem Herumrechnen für das Spiel übrig bleibt, es ist zuviel. Man spielt immer das gleiche Brettspiel, das sich lediglich in der grafischen Gestaltung und einigen Ereignisfeldern etwas unterscheidet. Free-to-Play wäre für diesen Inhalt der einzig faire Preis gewesen. Denn das Spiel ist hier mehr ein Zubehör zu den amiibo-Figuren, nicht andersherum.

Immerhin stimmt die Präsentation und bewahrt den Titel vor einem Desaster. Wie wir es in anderen Animal Crossing-Teilen bereits erleben durften, steckt auch dieses Brettspiel voller Charme und richtet sich vor allem an jüngere Spieler. Die Grafik ist niedlich und lässt kaum Wünsche offen. Auch der Sound ist gut wie eh und je und wer sich von der Sprachausgabe schon immer genervt gefühlt hat, wird das auch hier hinnehmen müssen. Die Steuerung funktioniert gut, wenn auch nur über das GamePad und mit andauernder amiibo-Nutzung. Etwas unverständlich, warum man es Spielern ohne amiibo nicht ermöglicht, einfach eine Wii-Remote oder einen Wii U Pro-Controller zu verwenden.



FAZIT:
Animal Crossing: amiibo Festival als schlechtes Spiel zu bezeichnen, wäre unfair. Denn im Kern bekommen amiibo- und / oder Animal-Crossing-Fans hier ein relativ unterhaltsames Brettspiel, das zwar etwas besseren Spielfluss vertragen könnte, jedoch auf einem soliden Fundament aus netter Grafik und angenehmem Sound aufbaut. Das Spiel scheitert an seiner Preispolitik, aber vor allem am Inhalt. Warum bietet man das Spiel nicht kostenlos im eShop an und fordert vom Spieler den Kauf eines amiibo? So würde man auf 14,99 Euro für das Grundspiel kommen, was noch fair wäre. Wer mehr spielen möchte, soll sich für 4,99 Euro ein Pack mit amiibo-Karten besorgen. So wären alle glücklich. Stattdessen bietet Nintendo nur ein Komplettpaket an, das trotz der beigelegten Figuren sein Geld einfach nicht wert ist. Wir würden uns wünschen, dass Nintendo noch etwas Content nachliefert und an der Preisschraube dreht. Dann könnte Animal Crossing: amiibo Festival durchaus zum Partyspaß für gemütliche Abende taugen.

Wertung:

5.0

Michael Prammer meint:

"Grundsolides Partyspiel mit Schwächen im Spielfluss, das vor allem an der Preispolitik scheitert."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Mangelhaft
Technik: Gut
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

3 Kommentare:


michi1894
vor 5 Jahren | 0
...

Fantasma
vor 5 Jahren | 0
Na, da wart ihr aber großzügig muit der Wertung.

Ihr habt einige schöne Dinge angemerkt, aber ich finde es sind doch ein paar SDachen unter den Tisch gefallen:
Es wäre schön gewesen, wenn die Minispiele etwas näher beleuchtet wären und wozu der Bau von Einrichtungen dienen kann.

Auch vermisse ich den Bemerk, dass Minispiele nur über Karten gespielt werden kann, während der Hauptmodus nur von den Figuren abhängt.
(Sprich: Keine Figuren in den Minispielen, keine Karten auf dem Brett).

Das Spiel als F2D anzubieten fände ich persönlich auch besser. Schon alleine weil das Spiel abhängig von Amiibos ist.

wazup
vor 5 Jahren | 0
Man benötigt nur das Basis Set. Dafür bekommt man zwei Amiibos und 3 Karten. Zusammen bezahlt man 45-55 Euro. Mehr muß man gar nicht bezahlen.

Uns hat das Brettspiel sehr viel Spass bereitet, obwohl niemand von uns Animal Crossing kannte und wir jenseits der 30/40 sind. Achso, besoffen waren wir auch nicht.

Wenn ich nur den einen Abend beleuchte, dann haben wir alle Geld gespart. Kino wäre teurer gewesen zumal der Film 3 Stunden hätte dauern müssen. Figuren hätten wir auch nicht bekommen.

Das war sicherlich nicht das letzte Mal das wir ACAF gespielt haben.

Die Minispiele sind wirklich überflüssig. Das hätte man sich sparen können. Die wären perfekt für die neuen Handys mit NFC Chip gewesen.

Und nochmal zum Mitschreiben, da einige Leute es schon bei Mario Party 10 nicht verstanden haben. Es wird nur 1 *ein* Amiibo benötigt um das Brettspiel zu *viert* spielen. Bei MP10 ist das Spiel deutlich besser (taktisch für den Nutzer) wenn jeder einen hat, hier macht es keinen Unterschied.

PS.: Die Karten lassen sich auch beim Brettspiel einsetzen und erlauben Funktionen wie Teleport abhängig von der Karte.