Test: Shadow Puppeteer

Von Michael Prammer am 05. Februar 2016

Wenn es wieder einmal mit dem Software-Nachschub für Nintendos Wii U etwas hakt, empfiehlt sich grundsätzlich immer ein Blick in den hauseigenen eShop. Neben der Virtual Console schlagen dort so manche Indie-Spiele auf, die durchaus großes Potential haben. Nicht selten kommt es dabei vor, dass die Veranlagung zu einem Toptitel zwar gegeben sein mag, jedoch das Spiel dann über irgendetwas stolpert. Meistens über sich selbst. Shadow Puppeteer ist so ein Spiel mit großem Potential. Doch hat der Indie-Plattformer auch das Zeug zu einem großen Spiel? Lest selbst in unserem nachfolgenden Test.

Im Reich der Schatten
Shadow Puppeteer heißt frei übersetzt „Schattenpuppenspieler“. Und genau um diesen geht es in dem Indie-Abenteuer. Ein mysteriöser Zauberer taucht eines Tages auf einer kleinen Insel auf, mit nichts weiter im Gepäck als seinem Leierkasten. Dieses sonst stimmungsvolle Instrument nutzt der Fremde allerdings nicht, um sein Publikum zu verzücken, sondern um die Schatten der Inselbewohner zu rauben. Ein kleiner Junge soll ebenfalls um seinen Schatten beraubt werden, doch dann geschieht etwas Sonderbares. Der Schatten kann nicht von dem Magier gefangen werden und so entwickelt sich ein dynamisches Eigenleben. Der Junge zieht mit seinem Schatten los, um den Magier zu fassen und die Schatten wieder zu dessen Besitzern zu entlassen.



Diese etwas sonderbare Story ist dabei nicht durch große Dialoge oder pompöse Inszenierungen dargestellt, sondern läuft eher wie ein Stummfilm ab. Untermalt mit einer stets beklemmenden und düsteren Musik wirkt die Geschichte zu Beginn sehr spannend und unterhaltsam. Das ändert sich leider gegen Ende der viel zu kurz geratenen Handlung. Nach spätestens drei Stunden ist bereits der Abspann zu sehen. Doch was ist eigentlich in Shadow Puppeteer zu tun? Ihr steuert den bereits erwähnten kleinen Jungen und seinen Schatten – abwechselnd. Die linke Seite eures GamePads gehört dem Jungen. Mit dem Controllstick wird die Figur bewegt, mit „L“ wird gesprungen und „ZL“ führt eine Aktion aus. Genau das gleiche Prinzip gilt für die rechte Controller-Hälfte, nur das mit dieser der Schatten gesteuert wird.

Viel verschenktes Potential
Auf diese Weise ergeben sich verschiedene Rätsel, die nur gemeinsam gemeistert werden können. Ist beispielsweise Rauch eines Kamins im Weg, stellt sich der Junge darauf und der Schatten kann die „Hürde“ überwinden. Anders herum kann der Schatten Gegenstände aus dem Hintergrund so anordnen, dass dem Jungen wie durch Geisterhand neue Wege eröffnet werden. Dazu kommen noch einige erlernbare Aktionen, wie Seil-, Schere- und Bombenschablone, die im Laufe der Geschichte hinzukommen. Leider wird gerade in dieser Kombination sehr viel Potential verschenkt. Viele Rätsel sind nur simple Schieberätsel oder zielen auf einfaches Schalterbetätigen ab. Das macht das Spiel nicht sonderlich herausfordernd. Dafür aber wird der Schwierigkeitsgrad durch das Spiel selbst beeinflusst. Einige Sprungpassagen wirken ungenau und die starre Kamera behindert ab und zu die Sicht. Noch schlimmer sind einige Fluchtpassagen, die es wirklich in sich haben. In einigen Stellen im Spiel muss der Schatten vor einer Kreatur fliehen, die vom Magier herbeigerufen wird. Nur kann der Schatten ohne sein Selbst nicht überleben und umgekehrt auch nicht. Somit muss man viel Geschick und Koordination walten lassen, um diese Passagen durch gleichzeitiges Steuern beider „Charaktere“ zu bewerkstelligen.



Abhilfe schafft hier ein zweiter Spieler, der beim Durchspielen im Kooperationsmodus zur Seite stehen kann. Jedoch erweist sich auch hier die Kamera oftmals als nicht besonders hilfreich. Die Hektik in den Fluchtpassagen ist jedoch deutlich aus dem Spiel genommen und dadurch ist gerade im Koop-Modus der Schwierigkeitsgrad sehr moderat. Um die Motivation nach der sehr kurzen Geschichte etwas in die Länge zu ziehen, darf man als Schatten und als Junge jeweils verschiedenfarbige Kugeln sammeln, die einige nette Extras freischalten. Jedoch sind auch diese schnell gefunden und somit dürftet ihr spätestens nach vier Stunden den Spaß an dem Spiel verlieren.

Die Präsentation des Titels ist eigentlich recht gut gelungen. Der Sound ist düster und verspricht zusammen mit der niedlichen Optik eine spannende Atmosphäre. Dabei ist das Fehlen einer Sprachausgabe auch nicht weiter von Bedeutung, allerdings die teils auftretenden Ruckler während des Spielens dürfen einfach nicht passieren. Und der Gipfel des Eisbergs sind die Ladezeiten. Es ist unerklärlich, warum ein solch kurzes Abenteuer, dass technisch zwar solide aber keinesfalls herausragend ist, mit vergleichsweise derart langen Ladezeiten auskommen muss.



FAZIT:
Shadow Puppeteer ist ein klassisches Beispiel für ein nicht ganz zu Ende gedachtes Sielkonzept. Das Spiel hat ganz tolle Ansätze: eine düstere Geschichte, die ohne viel Inszenierung auskommt und dennoch fesseln könnte (wenn mehr Substanz vorhanden wäre), eine stimmungsvolle Präsentation mit einer niedlichen Optik und ein interessantes Steuerungskonzept. Leider machen eine teils schlechte Kamerapositionierung und die Fluchtpassagen das Steuerungskonzept mitunter total zunichte. Statt Spaß am tollen Konzept, dominiert häufig der Frust über diese technischen Unzulänglichkeiten. Auch die viel zu kurze Spielzeit, die geringe Abwechslung in den Rätseln und die unerklärlich langen Ladezeiten trüben den Spielspaß. Unter dem Strich bleibt somit ein stimmungsvolles Abenteuer mit intrtessantem Konzept, aus dem leider viel zu wenig gemacht wurde.

Wertung:

5.0

Michael Prammer meint:

"Interessante Ideen, die leider nicht ganz zu Ende gedacht wurde."
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1 Kommentare:


michi1894
vor 5 Jahren | 0
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