Test: Typoman

Von Nico Zurheide am 06. Februar 2016
Augenblck mal. Eni deutscher Entwickler bringt ein Spiel heruas, in dem es hauptsächlich um Sprache und Wörter geht, und bitet keine deutsche Übersetzung an? Ja, denn das wäre hier wirklich schwierig geworden. In Tyopman sind die Buchstaben direkt in die Spielwelt eingbunden und beeinflußen je nach Zusammensetzung ihre Umgebung oder den Protagonisten. Eine Vorausetzung für ein erfolgreiches Abschließen des Spiels sind also grundlegende Englischkentnisse. Und natürlich sollte mann mit Buchstaben jonglieren können. Ob sich ein Ausflug in die Welt des 2D-Puzzlers lohnt, erfhart ir in den folgenden 3759 Schriftzeichen. Dann auch garantiert ohne diese lästigen Tippfehler.
 
Buchstabensuppe auf dem Bildschirm
Denn die Lettern bestimmen das äußerliche Bild der Spielwelt, die ansonsten eher trist erscheint. Trotz der unscheinbaren Art ist merklich viel Arbeit in die Gestaltung der Umgebung geflossen, überall sind kleine Buchstaben versteckt, die zusammengesetzt die jeweiligen Dinge bilden, auf denen sie abgebildet sind. Auch der Protagonist Hero ist aus seinen vier Bestandteilen gebildet. Dann gibt es natürlich noch die großen Buchstaben, mit denen man Wörter bilden muss, um Rätsel zu lösen und weiter vorwärtszukommen. Die Auswahl ist dabei im Gegensatz zu einem Scribblenauts bewusst begrenzt, es lassen sich nur vorgegebene Buchstaben verwenden. Diese stehen entweder direkt in der Gegend herum oder kommen aus Druckmaschinen. Werden die Buchstaben in einer sinnvollen Reihenfolge zusammengeschoben, aktiviert sich der beschriebene Effekt sofort. ON lässt nahe Plattformen aktivieren, Regen versiegt mit einem zusätzlichen D (Rain - Drain) und gewährt so neue Wege, Stop deaktiviert fiese Fallen und so weiter und so fort.
 
 
Das Handling mit den Buchstaben, die in etwa so groß wie unser kleiner Hero sind, gestaltet sich recht langsam. Zwar merkt man damit einerseits, dass der Protagonist gerade eine Last trägt, doch in schnelleren Sequenzen fällt die träge Steuerung doch etwas zur Last. Immerhin hat der Entwickler hier Abhilfe geschaffen und gleichzeitig das Gamepad der Konsole optimal eingebunden. Steht Hero an einem Buchstabensalat, lassen sich diese per Drag & Drop direkt auf dem zweiten Bildschirm anordnen - das spart Zeit und funktioniert reibungslos. Gegen den Frust gibt es zusätzlich zwei Hinweise auf die Lösung des jeweiligen Rätsels, erst einen poetischen Wink mit dem Zaunpfahl, anschließend wird die richtige Anordnung angezeigt.
 
Nicht nur die Bewegung der wichtigen Schriftzeichen fällt dem Protagonisten schwer, auch die eigene Agilität ist im Vergleich zu einem Super Mario stark eingeschränkt. Das macht während der Rätsel zwar nichts aus, doch immer wiederkehrende Geschicklichkeitspassagen werden dadurch erschwert. In kurzen Action-Sequenzen muss Hero schnell vor bedrohlichen Buchstabenmonstern fliehen und hat keine Chance, sich ihnen zur Wehr zu setzen. Während dieser Abschnitte verfällt das Spiel außerdem zu oft dem Trial & Error, um derlei Hetzjagden noch rechtfertigen zu können. Eine panische Flucht verliert ihre Intensität, wenn sie zu oft wiederholt werden muss.
 
 
Technische Schwächen nicht von der Hand zu weisen
Neben der unhandlichen, wenn auch nicht akut störenden, Steuerung des Helden fallen leider schwerwiegendere technische Mängel auf. Beim Weiterscrollen der Level kommt es immer wieder zu kleinen Rucklern, dazu kommen lange Ladezeiten zwischen den Kapiteln. Besonders ärgerlich war bei mir persönlich ein aufgrund eines Bugs nötiger Neustart eines Levels, andere Tester berichten gar über komplette Konsolenabstürze. Anhand der zahlreichen Speicherpunkte könnte man beinahe meinen, die Entwickler wussten sehr wohl von diesen Fehlern, konnten aber vor Release nicht mehr gegenarbeiten.
 
Seit Ende Januar - und damit erst nach dem Zeitpunkt der Entstehung dieses Spieletests - existiert ein Update für Typoman, das neben Verbesserungen der Performance und einem umfangreicheren Tutorium auch veränderte Sprungeigenschaften für Hero mit sich bringt. Die Spielfigur ist nun etwas schneller unterwegs und kann weiter springen, dadurch wurden den eben angesprochenen Schwächen entgegengearbeitet. Außerdem wurde eine Demo nachgeliefert.
 
Fazit:
Brainseed Factory aus Bonn hat mit Typoman einen vielversprechenden Wii U-Exklusivtitel geliefert, der sich letztendlich aber leider etwas selbst im Weg steht. Dem originellen Spielkonzept, der toll eingefangenen melancholischen Stimmung und dem stimmigen Niveau der Worträtsel stehen eine träge Steuerung und vor allem zahlreiche technische Schwächen gegenüber. Die Abwesenheit einer Story soll für einen Puzzler nicht zu einem Negativpunkt werden, doch werden im Verlauf des Spiels kleine "Häppchen" gezeigt; hier sollte man dann doch die "ganz oder gar nicht"-Schiene fahren. Die kurze Spielzeit von gut vier Stunden wird für viele wohl nicht den gegenwärtigen Preis von 13,99 Euro rechtfertigen. Wer gerne ein paar Worträtsel spielerisch lösen möchte und sich vom Drumherum nicht stören lässt, kann allerdings über einen Kauf nachdenken.

Wertung:

7.5

Nico Zurheide meint:

"Puzzler mit toller Spielidee, dem es aber am Feintuning mangelt."
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